Tags Archiv für 'Friedrichshain'

Silvester: Berlin lässt es krachen

Foto: Henning Onken

Foto: Henning Onken

Um Mitternacht ist es soweit: An der Anlegestelle vor der O2-Arena setzt der Sicherheitsdienst ein Böllerverbot durch, auf der Warschauer Brücke bleiben die Autos stecken, selbst auf den Dächern der Imbissbuden wird gefeiert. Ein frohes neues Jahr!

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Weihnachten: Mit Stil in die Nachsaison

Ihre kurze Karriere ist glanzvoll, endet aber immer auf der Straße: Der rauhe Abstieg einer Nordmannstanne beginnt nach den Weihnachtsfeiertagen. Nach und nach verstopfen dann immer mehr Bäume die Fuß- und Radwege Berlins.

In der Friedrichshainer Samariterstraße hat jemand dieses hübsche Exemplar eines Weihnachtsbaums aufgerichtet und ein letztes Mal geschmückt - mit allem was uns heilig ist: McDonald’s Trinkbecher, leere Schnapsflaschen, Apfelsinenschalen und Müllbeutel. Das ist der Chic der Nachsaison - es nach-weihnachtet sehr, bis die Stadtreinigung kommt.

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Bärenkämpfe und Bhutto

Ob wir schon Nachrichten gesehen hätten, fragte der Kellner in dem pakistanischen Restaurant gleich um die Ecke. “Das war ein Schock”, sagte er, “wirklich schlimm für die Menschen in der Heimat”. Benazir Bhutto ist tot, Opfer eines Attentats. Die Oppositionspolitikerin, die acht Jahre im Exil gelebt hatte, entging bereits kurz nach ihrer Rückkehr im Oktober nur knapp einem Anschlag, bei mehr als 140 Menschen starben.

In dem Friedrichshainer Lokal wurden die Rolladen heute später hoch gezogen als gewöhnlich. Der Koch hockte noch in Alltagskleidung an einem der Tische und unterhielt sich angeregt mit dem Eigentümer. Jetzt hier etwas essen, nachdem den Leuten gänzlich der Appetit vergangen war, und die Lust, überhaupt etwas zu tun, erschien irgendwie pietätlos. Als einzige Gäste einen schlecht laufenden Laden zu verlassen - auch nicht besser. Wir hatten kein Radio gehört und saßen in der Falle.

Vielleicht konnte man den Kellner auf andere Gedanken bringen? So kamen wir auf das Thema Kampfhunde. Beim letzten Mal hatte der Mann regelrecht vor Glück gejauchzt, als eine Frau mit einem fetten Tier vorbei gelaufen war, das nur aus Zähnen zu bestehen schien.

Als kleiner Junge sei er einmal bei einem Bärenkampf gewesen, erzählte er. Da hätten zwei Kampfhunde einen zahnlosen Bären zerfetzt. Ein Relikt aus Kolonialzeiten in Pakistan - in England waren diese Hetztheater aus dem 17. Jahrhundert vor allem bei Großgrundbesitzern beliebt.

Kampfhunde, Bärenkämpfe, die tote Benazir Bhutto - nichts zu machen, schwer zu begreifen, dieses Pakistan.

Das Wettrüsten hat ein Ende

Fassade in Friedrichshain - Foto: Henning Onken

Foto: Henning Onken

Fassade in der Hausburgstraße in Friedrichshain - Foto: Henning Onken

Lichterketten, bunt blinkende Gestecke und Tannenbäume - so sieht Weihnachten von außen aus, überall auf den Balkonen und in den Fenstern der Stadt. Einige besonders eifrige Mitbürger scheuen keine Kosten und verbrauchen im Dezember soviele Kilowattstunden Strom, wie sonst in einem viertel Jahr nicht. Dafür leuchtet ihr Balkon bis in den nächsten Bezirk herüber. Schlafen können diese Kiezkönige der dunklen Jahreszeit wohl kaum bei dieser Festbeleuchtung.

Doch selbst im gleichen Kiez gibt es große Unterschiede - manche Bewohner legen Wert auf leuchtende Weihnachtsbräuche, andere anscheinend gar nicht. An der Fassade eines neu errichteten Townhouses der “Extra-Klasse” (so der Investor) auf dem obersten Bild strahlen gleich zwölf Balkone und Fenster festlich. Nur wenige hundert Meter weiter steht in der Friedrichshainer Hausburgstraße ein unsanierter Altbau, dessen Bewohner nicht ein einziges Fenster geschmückt haben (unteres Bild). Wahrscheinlich werden hier in einigen Tagen auch keine Weihnachtsbäume vor den Türen liegen.

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Berlin exklusiv: Bitte draußen bleiben

Süd-Kuppel des Frankfurter Tors - Foto: Henning OnkenDie Jungs von Tokio Hotel waren mal da und auch viele Lokal-Promis haben von hier aus die Stadt von oben betrachtet. Wenn die Süd-Kuppel des Frankfurter Tors in Friedrichshain nachts erleuchtet ist, sehen das Menschen im ganzen Bezirk.

“Mir reicht’s - ich will da auch rauf!”: Markus ist gerade ein paar Schritte aus der Cocktailbar U5 unten im Turm heraus getaumelt und starrt ärgerlich nach oben, sieht sogar Leute dort umher gehen. Die Lounge Bar im Turm hat eine Klingel, doch es öffnet ihm niemand. Falsches Klingelzeichen?

Vielleicht, denn der Vermieter lässt sich das begehrte “Wir schweben über der Stadt-Gefühl” von seinen Gästen wohl auch exklusiv bezahlen - Bar und Raucherzimmer inklusive. Welche Summe man dort für eine Geburtstagsfeier auf den Tisch legen muss, ist angeblich Verhandlungssache, aber sicher nicht ganz billig.

Natürlich gibt es in Berlin auch andere Möglichkeiten, um Privatpartys einmal anders zu feiern. Auf Häusern mit offenem Zugang zum Dach etwa, oder auf dem Teufelsberg. Das ist der höchste Punkt der Hauptstadt mit einem tollen Panorama - die Location ist sogar umsonst, nur eben umsonst und draußen.

Die nördliche Kuppel ist übrigens auch öfters erleuchtet, aber gefeiert wird weniger. Hier hat die Stiftung Denkmalschutz ihren Sitz.

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“In die Schwabenhauptstadt wollen wir nicht”

Simon-Dach-Straße - Foto: Henning Onken

Sie gehöre auf die andere Seite der Spree, sagt Steffi, 27, Studienabsolventin. Nicht wegen der Kirche mit den vernagelten Fenstern oder der vielen türkischen Läden, sondern einfach, weil Neukölln in Westberlin liegt. “Wenn wir das nächste Mal umziehen, dann definitiv nach Friedrichshain.” Steffi ist in Lichtenberg aufgewachsen, in einer Wohngegend, für die wohl kein Kiez-Begriff existiert. Partys werden woanders gefeiert, ein paar Stationen mit der U5 weiter westwärts, im Friedrichshainer Südkiez.

Ines und Thomas zieht es nach sechs gemeinsamen Jahren in Hellersdorf ebenfalls nach Friedrichshain. Drei Zimmer sollen es sein, vielleicht auch vier. “Über Prenzlauer Berg hatten wir nachgedacht, das erschien nahe liegend.” Aber sie haben den Gedanken schnell wieder verworfen. Fragt man weiter, so wird deutlich: Prenzlauer Berg ist für viele, die in den Oststadtteilen aufgewachsen sind, nicht mehr Berlin. Die Menschen, die dort die Cafés, Spielplätze und Galerien bevölkern, sind Zugezogene. “Wessis” vorwiegend aus dem Schwabenland, Hessen oder NRW, die dort ihr Brauchtum pflegen und selbst Kirchen einen unverhofften Mitglieder-Boom bescheren.

Friedrichshain scheint da (noch) anders zu sein. Sicher, auch dort trifft man auf Leute aus Wuppertal oder Nürnberg, aber nicht so geballt. Der Stadtteil mit der “guten U5-Anbindung” wirkt heterogener: Punks leben neben Senioren, dazwischen Techno-Fans, Studenten aus Marzahn und Hausbesetzer. Aber auch die kommen in die Jahre, ziehen aus Hausprojekten aus und in kleine Wohnungen mit Zentralheizungen.

Einfach eine Frage der Zeit. Eine Prenzlaubergisierung des Stadtteils hat eingesetzt, zweifellos. Das ist gut für den Haushalt. Wo Leute über regelmäßige Einkommen verfügen, steigt das Steueraufkommen. Und natürlich nimmt die Zahl der Geburten zu: Bereits in diesem Jahr ist die Geburtenrate Friedrichshain-Kreuzbergs prozentual stärker gestiegen als die Prenzlauer Bergs. Ob Neugeborene allerdings ähnliche Namen erhalten, wie in Prenzlauer Berg oder Charlottenburg, bleibt allerdings eine spannende Frage

Foto: Henning Onken




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