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Archiv für das 'Auto'-tag

Ämterchaos: So wehren sich Berlin-Besucher gegen die Umweltzone

Viele fluchen über das Ordnungsamt, andere schreiben nette Briefe. Hier eine Nachricht, die hinter der Windschutzscheibe dieser formidablen Ente am Neuköllner Maybachufer hing.

Liebes Ordnungsamt,

ich bin hier nur zu Besuch und dieses Auto ist 35  Jahre alt. Es ist ein Old-Timer und sie sollte normalerweise eine Ausnahmegenehmigung bekommen, aber das einzige Problem ist das sie Kennzeichen kommen aus Ausland. Ich war mehreren Mal in Zulassungsstelle, mehreren Mal bei dem Bezirksamt, und niemand weiss wie kann ich machen mit ein ausländisch Kennzeichen.

Der Eigentümer.

Die Überlebenden der Umweltzone kehren zurück

Verschwunden im Umland oder billig gen Osten verschachert: Aufgeräumt sollte Berlins Autobestand eigentlich sein, seit mit dem Start der Umweltzone im Januar ältere Autos draußen bleiben müssen – oder für viel Geld mit Feinstaubfiltern nachzurüsten sind. Die Sünder der Umweltzone verstecken ihre Karren seither auf Privatparkplätzen oder außerhalb der neuen Demarkationslinie. In der Kiefholzstraße in Treptow, zum Beispiel, finden Anwohner kaum noch Parkplätze, weil alles voll steht mit alten Wagen.

In den letzten Monaten ähneln die Einschränkungen jedoch mehr dem Rauchverbot in Kneipen: Erst pafft man draußen, dann wieder drinnen: Vergesst die Strafen, weg mit der Dummweltzone! Der Senat verzeichnet eine starke Zunahme der erwischten Zonensünder, auch wenn die zu zwei Dritteln als Touristen nach Berlin kommen und die Strafzettel als eine Art Willkommensgruß erhalten.

Glück hat, wer mit seinem Oldtimer der “Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes” dient und sich den Ärger sparen kann.

Zertrümmern und weg. Warum diese Wut?

Foto: Henning Onken

Ausgerechnet Brad Pitt. In “Fight Club” schlägt er mit dem Baseballschläger auf schicke Karren mit Stern, Sportvehikel und Geländeautos ein. Man könnte denken, dieser Film sei in Berlin gedreht worden, denn hier winkt vielen Karossen ein ähnliches Schicksal. Platt gemacht, angekratzt, abgefackelt. Autos sind wehrlos und stehen nachts unbewacht in leeren Gassen. Längst haben google-maps-Begeisterte eine Karte von den Brandanschlägen angefertigt. Schuld sind meistens “Extremisten” aus Friedrichshain und Kreuzberg, natürlich.

“In der vergangenen Nacht haben Unbekannte” …bla bla… “der Staatsschutz ermittelt”. Längst überlesen wir solche Meldungen im Polizeiticker, die im Hintergrund weiterrauschen. Am Ende folgt die Statistik. Wen es noch interessiert: es sind in diesem Jahr 54 Autos angesteckt und weit mehr beschädigt worden. Zuletzt traf es 29 jener Umzugsfahrzeuge, die in Berlin jeder als “Robben” kennt.

Vergleichsweise harmlose Öko-Rebellen lassen die Luft aus den Ventilen, andere Täter sprühen Schablonen auf Motorhauben. Das Wort “Meins” stand vor zwei Tagen in Schöneberg auf mehr als einem Dutzend Oberklasse-Autos. Von Sozialneid über Kritik an bestimmten Firmen bis zu Öko-Aktivismus – viele Motive stecken hinter solchen Aktionen.

Die Besitzer sollen sich rechtfertigen, warum ihnen die U-Bahn, das Rad oder ein gebrauchter Golf nicht reicht. Warum sie an ein wenig mehr Glanz in ihrem Leben glauben und kräftig dafür zahlen. Und weshalb sie mit tonnenschweren Geländewagen durch die Stadt brausen, während ältere Kleinwagen vor der Umweltzone Halt machen müssen.

Dabei siegt oft die Vernunft von ganz alleine über zehn Liter plus x. Eine Freundin fuhr ihr BMW-Cabrio nur einen Sommer lang, dann war ihr die Kutsche zu teuer.

Leih-Cabrio: Einen Tag durch Berlin protzen

“Geilomat, die Kulisse – wenn diese Typen nicht im Weg stehen würden.. Geht weg da, Trottel!” Drei BMW-Fahrer vor dem Olympia-Stadion ärgern sich über Besucher, die ihre Kameras ausgepackt haben, und ihnen das Bild zu versauen drohen. Gleich müssen die beiden Mietwagen zurück gebracht werden und ein Schnappschuss mit den Autos vor dem schrecklichen Monumentalbau von Werner March fehlt noch. Erfolgreich haben sie bereits vor der Siegessäule posiert und auch das Schloss Charlottenburg haben sie im Kasten.

Ich habe schon Leute mit komischen Vorlieben getroffen. Die ihren Verwandten Ballon-Fahrten geschenkt haben oder einen Tag in einem Erlebnis-Park, in den ich nie freiwillig einen Fuß setzen würde. Traurig auch die Entscheidung einer Freundin, ihren 30. Geburtstag auf einer Go-Cart Bahn in Reinickendorf zu feiern. “30. Geburtstage sind immer furchtbar, warum also nicht gleich dorthin gehen, wo es richtig weh tut?”, hatte sie gesagt.

Aber von einem 24-Stunden-Gutschein für ein Cabrio habe ich bislang nicht gehört. Es handelt sich um einen teuren Spass, wie die Google-Suche ergab. Einen VW-Beetle kriegt man ab 99 Euro, richtig teuer ist ein Bentley Continental GTC (1000 Euro). Für einen BMW Z4 muss man etwa 130 Euro pro Tag berappen.

Kein Wunder, dass es die Leiher der Cabrios eilig hatten und sportlich weiterheizen mussten…

Brennende Autos als Auftragskunst?

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“Burn a car.” An einer Hauswand an der Oberbaumbrücke prangt dieser Spruch gleich sechs Mal. Nicht schnell hingekritzelt, sondern sorgsam auf eine weiße Kachel aufgetragen, die an ein Stuck-Ornament erinnert. Die brennenden Autos – seit vielen Monaten eine Dauererscheinung insbesondere im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg – als Kunst?

Die Brandstiftungen werden militanten Umweltschützern zugeschrieben und treffen vor allem Fahrer von Luxuskarossen mit einem hohen Benzinverbrauch. An einigen Brandstellen fanden sich Bekennerschreiben, in denen der hohe CO2-Ausstoß von Sport- und Geländewagen und die Folgen für den Klimawandel genannt wurden. Insgesamt 99 Brandanschläge auf Autos in Berlin, darunter auf 24 Mercedes’, registriert Uwe Frers, Betreiber der Website Brennende Autos, für dieses Jahr. Zudem sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen Autos die Luft aus den Reifen gelassen wurde. Eine erste Verhaftung hat es in dem Umfeld offenbar gegeben. Ausgerechnet ein Clown, der auf Kindergeburtstagen auftritt – vielleicht steckt sogar die Clown-Armee dahinter, die während des G8-Gipfels den Zaun um Heiligendamm erstürmen wollte.

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Aber zurück zu der Kachel mit der Aufforderung, Autos in Brand zu setzen: Sie wirkt auf dieser Wand harmlos kitschig – geradezu wie ein Wegweiser zu einem Puppenhaus. Und sie geht optisch fast unter, weil das Bild eines riesenhaften Menschenfressers – zweifellos antikapitalistisch – an der selben Fassade alle Blicke auf sich zieht. Trotzdem: Wer kommt auf solche Ideen? Hängt diese Kachel noch anderswo im Bezirk, oder handelt es sich um ein Unikat?

Website: Google-Karte Brennende Autos

Alte Kreuzberger Schule

Die Frage, die sich gleich beim Anblick dieses Wagens stellt: Wie viele der 147.787 Kreuzberger verfügen wohl über ein eigenes Auto? Eines, das kein alter VW-Bus aus den 80ern ist. Von den 17 Kreuzbergern, die ich kenne, sind es gerade mal zwei. Ein Diplomat, der mit Frau und Kind am Paul-Lincke-Ufer eine Fabriketage bewohnt. Und ein arbeitsloser Werbemensch, der vom Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg in die Schönleinstraße ziehen musste. Zwar wenig repräsentativ, da die übrigen 15 mir bekannten Kreuzberger zum Studium kamen.

Aber egal. Der Besitzer dieser Limousine dürfte am Landwehrkanal sein Bier trinken können, ohne schräg angeschaut zu werden von Kreuzberger Alt-68ern, Fahrrad-Aktivisten und Studis. Mit einem Osnabrücker Nummernschild und einer Weltkugel auf der Kühlerhaube wird man ihm wahrscheinlich sogar Respekt zollen: Wer schon das traurige Los gezogen hat, durch die “Provinz” scheppern zu müssen – etwa wegen einer neuen Stelle – sollte dies zumindest mit einem solchen Gefährt tun. Es ist genau das Statussymbol, das der aus dem Paradies vertriebene Exil-Kreuzberger braucht. In Erinnerung an Kreuzberg.

Die tatsächliche Auto-Dichte in Kreuzberg pro Einwohner konnte ich am Freitag nachmittag nicht mehr ermitteln. Der Sachbearbeiter, der beim Amt für Statistik Berlin die KFZ-Daten verwaltet, ist schon ins Wochenende gegangen.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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