Archiv für das 'Müll'-tag

Fürsorgliche Nachbarn benoten ihren Schrott

Alte Kühlschränke, zerschlissene Sofas und Matratzen: Alles landet auf dem Bürgersteig, wenn Berliner ihren Frühjahrsputz machen – vorzugsweise im Schutz der Dunkelheit. Natürlich gibt es auch ordnungsliebende Bürger, die ihren Müll regulär zu den Abgabestellen der Stadtreinigung bringen.

Einfallsreiche Nachbarn haben einen Trick gefunden, wie sie den Schrott aus ihren vier Wänden doch guten Gewissens vor der Haustür abladen können – sie vergeben Schulnoten. 4- steht auf diesem alten Fernseher in der Simon-Dach-Straße. Der ehemalige Besitzer empfiehlt außerdem, für sechs Euro eine Fernbedienung zu kaufen, damit das Ding wieder mäßig flimmert. Ich warte auf den Tag, an dem ich über eine “ungenügende” Matratze stolpere.

Bildergalerie: Berliner Seitenblicke

Street Style: Moderne Polstermöbel für umsonst

Müll in der Oppelner Straße in Kreuzberg - Foto: Henning Onken

Schnell zugreifen, sonst stellt sich der Nachbar diese tollen Sessel ins Wohnzimmer – könnte man denken, wo doch im Hintergrund für “moderne Polstermöbel” geworben wird. Leider ein Trugschluss, denn in der Oppelner Straße in Kreuzberg haben viele Anwohner keinen Schimmer, was in Berlin retro cool und wirklich en vogue ist. Ihre trendigsten Möbel werfen sie einfach auf den Bürgersteig, wo sich Hunde daran erleichtern können und der Regen die guten Stücke langsam auflöst.

20.000 Kubikmeter Sperr-, Sonder- und Restmüll in Straßen, Parks und Gärten hat die Stadtreinigung im vergangenen Jahr entsorgt und doch bleibt vieles liegen. Klarer Fall für die Dreckecken-Aktion der Berliner CDU vom August vergangenen Jahres, bei der Bürger Schmuddelecken an die Partei melden sollten. Was ist eigentlich daraus geworden? Die versprochene Online-Dokumentation konnte ich auf der Webseite nirgends finden.

Fotos: Berliner Seitenblicke

Ein Hoch auf Berlins schmutzige Ecken…

…denn durch sie hat die Berliner CDU ein Thema gefunden, das den Berliner mitten ins Herz trifft. Oder sind Ihnen weggeworfene Junkie-Spritzen oder zersplitterte Bierflaschen auf Spielplätzen etwa egal? Schockierend, nicht wahr? Deshalb suchen die Frauen und Männer um Friedbert Pflüger jetzt mit einer entsprechend bebilderten Postkartenaktion die schlimmsten “Dreckecken” der Hauptstadt. Aus dem Material will die Partei einen Stadtplan erstellen, der dann dem Senat übergeben werden soll.

Es war schon klar, dass Herr Pflüger nicht zum Saubermachen vorbeikommt, aber ein Problem im Roten Rathaus abzugeben, klingt schon ein wenig einfach. Vielleicht kommt von den Unions-Aktiven wenigstens noch jemand auf die Idee, Schüler in ihren Ferien zu Putzeinsätzen abzukommandieren. Oder vielleicht die Einführung von Überwachungskameras in Parks, wo es nach schönen Wochenenden aussieht wie während der Gemüseschlacht auf der Oberbaumbrücke. Nein, der Berliner seufzt, hüpft über die Hundehaufen und zahlt dafür weniger Miete als zum Beispiel in den meisten Stadtteilen Hamburgs. Das ist doch auch was, oder? Was denken Sie?

Foto: Christian Hetey

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Berliner müllen ihre Stadt zu

Kreuzberg Oranienstraße

Eine dpa-Meldung von Freitag: Berliner verursachen nach Hamburg den meisten Müll. Very unsexy, liebe Hauptstädter! Fahrt ‘mal ins Ländle… Kein Witz: Baden-Württemberg bildet nach einer Studie des dortigen Umweltministeriums das Schlusslicht mit im Schnitt “nur” 147 Kilogramm pro Jahr und Einwohner – Berliner produzieren fast das Doppelte (288 Kilo).

Ich habe es fast geahnt. Im Ländle – ich kann hier nur über Freiburg schreiben – herrschen andere Verhältnisse. Wer Abfall produziert, zahlt: Es gibt eine Müllgebühr, die zusätzlich zur Miete erhoben wird, Mülltonnen werden in unterschiedlicher Größe bereitgestellt. Und sie sind mit Schlössern versehen: Damit die Studenten-WG ihren Müll nicht einfach bei den Nachbarn in die Tonne wirft.

Müllvermeidung ist eine Erziehungsfrage – insbesondere Hausmeister scheinen rigorose Erzieher zu sein. Einmal hatte jemand im Hof eines Freundes mehrere gelbe Säcke abgeladen und von Restmüll über Kleidungsstücke und alte Zeitungen alles reingestopft, was man nicht mehr braucht, wenn man die Breisgau-Stadt für immer verlässt. Mit dem Teppichmesser machte sich der Hausmeister über die Säcke her, um den Täter anhand eines unbedacht weggeworfenen Briefumschlags zu identifizieren. Man stelle sich das mal in Berlin vor.

In Neuköllner Hausfluren hängen Zettel mit Botschaften wie:

Sehr geehrte Mieterin, sehr geehrter Mieter,

anlässlich einer Hausbegehung haben wir festgestellt, dass die Treppenhausteppiche durch Essensreste, Papier und Tempotaschentücher usw. stark verschmutzt werden.

Wir bitten Sie, dafür Sorge zu tragen, dass der Hausmüll aus defekten (sic!) Mülltüten nicht im Haus liegen bleibt und anderer Unrat [Hundescheiße] nicht auf den Teppichen verteilt und breitgetreten wird.

Wir hoffen im Interesse aller Mieter auf Ihr Verständnis …

Berlin und Freiburg – zwei Städte, die nicht ohne weiteres zu vergleichen sind. Die eine eine arme Millionenstadt, die andere eine relativ wohlhabende Universitätsstadt mit Öko-Image. Fehlt noch Hamburg, die wohlhabende Großstadt mit strukturell schwachen Stadtteilen, die mit 361 Kilogramm Müll pro Einwohner der größte Umweltsünder im Müllvergleich ist. Die dortige Stadtreinigung (“Wir sind für jeden Dreck zu haben”) wirbt auf ihrer Homepage mit “umweltgerechter Müllentsorgung” und “stabilen Gebühren für die graue Hausmülltonne”.

Gebühren: Darin liegt wahrscheinlich die Hauptursache der Hamburger Müllmisere und der große Verdienst der Freiburger Stadtverwaltung. Make them pay!

Treptow und die Hunde

Originelle Erziehungsmaßnahmen hin oder her – ich wollte nichts mehr über Hunde und ihre Hinterlassenschaften schreiben, weil das Thema in Berlin nicht gerade Neuigkeitswert besitzt. Von Moabit über Mitte und Friedrichshain bis nach Neukölln – überall setzen sich Anwohnerinitiativen und das Quartiersmanagement für saubere Straßen ein.

“Wenn du der Hundekacke den Kampf ansagst, hättest du in der Friedrichshainer CDU gute Chancen auf einem vorderen Listenplatz”, meinte ein Freund, der sich mit der Situation in seinem Stadtteil arrangiert hat. Toleranz gegenüber Hundehaltern sei insofern wichtig, als sie Verbündete seien: Die Mieten blieben billig in Kiezen, in denen Hundehaufen auf der Straße liegen bleiben. “Die oberen Zehntausend ziehen nicht dorthin.”

However. Anders in der Lohmühlenstraße in Treptow: Die Botschaft der Anwohner ist klar – von wem genau die Initiative mit den Hundemist-Beuteln am Zaun jedoch ausgeht, allerdings weniger. Nirgends ein Bekennerschreiben.

Es kämen jedenfalls diese

oder diese Anwohner in Frage…

Beiden wäre es zuzutrauen. Vielleicht rückt die Nachbarschaft auch enger zusammen – vereint durch ein gemeinsames Projekt.


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  • Experte: Ja. Wenn ich solche “Fehlerchen” sehe, lese ich meistens gar nicht mehr weiter. Der Autor sollte...
  • JH: Sicher, das war ein Fehlerchen, aber war das jetzt richtig wichtig zu berichtigen?
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