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Unsere Schule ist keine Leinwand

Die frisch sanierte Turnhalle der Justus-von-Liebig-Grundschule glänzt in der Abendsonne. Doch schon von weitem fällt auf, dass gleich nach den Bauarbeitern die Sprayer kamen: Mit einem Feuerlöscher voller Farbe hat jemand meterhoch kaum lesbare Buchstaben an die Wand getextet, darunter prangt eine Warnung: “Liebig 14: bei Räumung Randale! Für rechtsfreie Räume!” Willkommen im Nordkiez von Berlin-Friedrichshain.

“Wer macht diese Sauerei wieder weg?”, fragt Carsten von Heynitz, der sich im Förderverein der Schule engagiert. Sein Sohn besucht hier als eines von 400 Kindern die Schule, er geht in die erste Klasse. Die alte Friedrichshainer Schule wurde gerade mit mehreren Millionen Euro aus EU-Mitteln saniert, doch dem Bezirk fehlt das Geld, die Graffiti zu beseitigen. “Damit müssen Sie selbst mit fertig werden”, beschied das Amt dem Förderverein.

Heynitz ärgert besonders, dass Kinder so die falschen Schlüsse ziehen könnten. Dass ihnen eine Haltung vorgelebt werde, die jede Achtung vor dem Gemeingut und dem Besitz anderer vermissen lasse. Auch habe die Schule mit dem Kampf um den Bestand des linken Hausprojekts Liebig 14 schließlich nichts zu tun.

Diese kleine Begebenheit wird vielen Berlinern auch aus anderen Bezirken bekannt vorkommen. Doch nicht überall ist eine frisch verklinkerte Mauer gleich eine Leinwand: Kürzlich blieb der Sohn eines Freundes verblüfft vor dieser Schule stehen und ließ sich mit großer Verwunderung auch die Farbbomben an den umliegenden Häuserfassaden zeigen.

Wie erklärt man einem Achtjährigen Gentrifizierungsdebatten und Häuserkämpfe? Anton hörte mit großer Neugier zu, aber der fragende Ausdruck in seinem Gesicht verschwand nicht. Zuletzt war ihm klar, dass in dieser Gegend einige Menschen leben, die  “sauer” sind. Er wächst in einer ruhigen Ecke Treptows auf.

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15 Kommentare zu “Unsere Schule ist keine Leinwand”



  • wer bitte macht die uebergrossen werbeplakate z.b. im bahnhof alex weg oder erklaert den kindern warum die oder derjenige halbnackt ist…..
    dann doch lieber den kindern die gesellschaft erklaren.


  • Die armen Kinder. Lernen werden sie in der Schule bestimmt nichts mehr, wenn auf der Fassade was gesprüht wurde. Schlimm. Kann man nicht einfach ein Werbeplakat drüberhängen? Da sollten Kinder mittlerweile ja mehr gewöhnt sein als an politische Meinungsäußerungen. Die sind ja nicht mehr en vogue.


  • Hmm, was ist daran politisch, wenn irgendwelche Typen auf Kosten der Stadt mietfrei wohnen wollen? Gibt einem das das Recht, mit Pinsel, Farbe und Brennspiritus Amok zu laufen?

    Vielleicht hätten die Kinder die Wand auch selber bemalen wollen?

    In Omas Jugend hat die Linke noch dafür gekämpft, dass die Wohnviertel gerade der Geringverdiener schöner werden. Der Gedanke, man müsse ein Viertel gezielt versiffen lassen, damit die Mieten niedrig bleiben, ist jedenfalls ziemlich pervers.

    Sicher verdrängen skrupellose Miethaie Altmieter mit günstigen Verträgen aus ihren Wohnungen, aber viel verheerender sind die Party-People: In Omas Haus im Szenekiez sind gerade die letzten Alt-Mieter aus DDR-Zeiten ausgezogen. Nicht wegen der Miete, die wurde seit Jahren nicht mehr erhöht, sondern weil so ein paar Asoziale im Haus nachts um halb zwei ihre Nachbarn mit Hip-Hop und anderem Mainstream-Gedröhne behelligen. Von zerbrochenen Bierflaschen und Pisslachen ganz zu schweigen. Das haben die Alten einfach nicht mehr ausgehalten. Die sind ihr Leben lang um 6 aufgestanden und haben hart gearbeitet und müssen nun am Ende ihres Lebens ihren Heimatbezirk verlassen.

    Und diese Asos stellen sich dann hin und laberen über Verdrängung.


  • @Oma_Kruse

    Sie vergessen dabei dass die selbsternannten Aktivisten ja eben keine “Armen” oder “Arbeiterkinder” sind, sondern gelangweilte Wohlstandsbubis denen schon dadurch jede materielle Wertschätzung fehlt weil es ihnen im Leben nie an etwas gemangelt hat und Papa immer gezahlt hat.

    Wenn die dann kollektiv aufeinander treffen, weil sie zB in der selben Stadt studieren, reden die sich gegenseitig in eine Extase der Selbstgerechtigkeit und kennen als Imperativ nur noch die eigenen Impulshandlungen. Und wenn das Studium vorbei ist werden die Haare geschnitten, neue Klamotten gekauft und in Oldenburg der neue Arbeitsplatz angetreten und aus dem Sessel (natürlich vom schwedischen Möbelhaus, alles andere wäre ja “spießig”) heraus weiter gegen “das System” schwadroniert.

    Diese Leute merken grundsätzlich nix.


  • Bei der Räumung der Brunnenstraße 183 saßen danach eine große Zahl (30?) “illegaler” Menschen auf der Straße. Aber nein, alles Kinder von reichen Eltern. Schlaf weiter.


  • @”@Bavaroise”

    Und das steht in welchem Zusammenhang zu Schmierereien an der Wand einer Schule? Zum Glück bin ich kein Deutscher sondern habe einen “Migrationshintergrund”. Denn sonst würde ich am Ende noch genauso solche absurden Schlußfolgerungen ziehen. Ich kann nur hoffen dass möglichst alle Teutonen “auswandern” (was sie ja eh dauernd androhen) oder kinderlos bleiben. Und solange müssen wir Neubürger halt tolerieren dass unsere Flaggen vom Haus gerißen werden und die Schulen unserer Kinder beschmiert werden. Wann gibt es endlich Integrationskurse für hyperaktive Teutonen?


    • “Migrationshintergrund” ist kein Verdienst! Und dieser Eintrag ist im Grunde wie “Ausländer raus” nur andersherum. Intelligenter wird es dadurch aber leider nicht.


      • Nun, das war eine zugegeben nicht sofort zu erkennende Satire.

        Es wird gern über “Migranten” gejammert und all sowas, aber es kristallisiert sich immer mehr heraus dass die Egozentriker und Gegner der Republik vor allem unter den Teutonen zu finden sind. Und es ist schon wie zu Zeiten der Weimarer Republik, egal ob man “Rechte” oder “Linke” fragt – man wird glühende Ablehnung der Republik hören (halt nur passend zur jeweiligen Weltanschauung unter Nennung verschiedener Phrasen zur “Begründung”).

        Die sog. “Nationalen” lehnen SchwarzRotGold ebenso ab wie die sog. “Antideutschen” (schon grotesk wenn Deutsche sich “antideutsch” nennen, in einer logischen Welt zumindest). Und die Mitte dazwischen versetzt unserer Republik auch bei jeder Gelegenheit einen Tritt. Vom Nichtwählen und Ignoranz angefangen bis hin zu populistischer Hetze gegen das Grundgesetz und die Bundesrepublik Deutschland.

        Ich bin schwul, ich bin Zigeuner (bzw. wie das heute heißt “Sinti”) von Seiten meines Vaters und außerdem noch halber Ami/Latino. Ich habe also ein wortwörtlich vitales Interesse daran dass sich keine extremen Sichtweisen durchsetzen. Darum entschuldige man dass größere Eindringlichkeit verspüre als der Durchschnittsbürger der es irgendwie immer geschafft hat über die Runden zu kommen – und sei es als Mitläufer.

        Mir macht Fanatismus, Extremismus ebenso Angst wie Leute die meinen sie müssten sie hätten die “Wahrheit” und müssten diese nun mit missionarischer Militanz über die Welt verteilen. Und da macht es mich einfach zornig bis auf die Knochen wenn einer meint meine Bedenken vom Tisch wischen zu können und dann noch einen vermeinlich schneidigen Schlußsatz a lá “Schlaf weiter.” anfügen zu müssen.


  • Die Hallenwand ist letztlich nur der Ausdruck einer verbreiteten Lebenshaltung:
    Erstmal ich! Regeln sind für andere!
    Da sind Sprayer, “politische” Hausbesetzer, Ampelrot-Überseher, gegen Kinder-und-Musiker-Klager, selbsternannte “Leistungsträger” und und und …
    Der Schaden ist individuell verschieden, die Attitüde ist die Gleiche.
    Also Bavaroise und Oma_Kruse, gewöhnt euch an @Bavaroise und Co.(Denen fällt nicht mal ein eigener Name ein.)


    • Tja, wie heißt es doch so schön, wenn alle “gegen den Strom” schwimmen ist das auch nur eine andere Form von Konformität. Schwarm bleibt Schwarm. Und es ist heutzutage halt chic so gewisse Sentenzen über “das System” etc. weiterzutragen.

      Ich habe eine Ansprache von Strauß immer noch im Ohr, der stand mal vor einer kreischenden Meute und meinte dann dass die in ihren Methoden Nazis seien und damals die besten Nazis und besten Schüler von Goebbels gewesen wären (genauer Wortlaut gerade nicht zur Hand).

      Die Deutschen haben meiner Meinung nach bis heute nicht verstanden dass nicht das Problem war dass die Nazis Deutschland toll gefunden haben und welche Hymne die gesungen haben sondern diese militante Art anderen Menschen eine Denkweise aufzuzwingen, die Unfreiheit, das Mitläufertum und die “Schwarmbildung” (Gruppendynamik etc.) waren die Ursachen. Mit Gedenkfolklore und Ächtung der eigenen deutschen Kultur ist es da nicht getan, im Gegenteil. Insofern hat Strauß sicherlich recht, mancher der heute die Fenster von sog. “gentrifizierten” Wohnungen einwirft und dabei auch in Kauf nimmt Menschen zu verletzen wäre damals vielleicht bei den Pogromen dabei gewesen.

      Die Lehre aus der Geschichte ist eben nicht “Deutschland doof” sondern zu einem zivilen Umgang miteinander zu finden und nicht immer Ideologien, Charismatikern und Massenbewegungen nachzuhängen.


  • Eine gewisse kritische haltung den Dingen gegenüber, die so passieren soll uns ja davor bewahren solche Dinge wieder aufkommen zu lassen. Ich gebe allen Recht, die sagen, dass die extremistische Haltung (egal welcher Flügel) mindestens genauso schädigend ist wie eine “ist-mir-egal-Haltung”. Frisch sanierte Schulen zu beschmieren kann auf keinen Fall ein Weg des Protestes sein. Ein gut gemachtes Graffiti mit künstlerischem Wert und im Einverständnis der Schule… das wäre positive Werbung für das Wohnprojekt gewesen aber sowas erzeugt leider genau das Gegenteil. Schade dass der Horizont dieser angeblich aufgeklärten Protestler nicht soweit reicht das zu begreifen.


    • Es geht mir doch nicht darum Schmierer zu schelten.

      Sondern darum dass Sachbeschädigung (in dieser Stadt brennen regelmäßig Autos!), Gewalt, Hass und Agressivität im Allgemeinen niemals Mittel der gesellschaftlichen Auseinandersetzung sein dürfen. Jeder der diese Dinge hoffähig macht muss wissen dass er damit auch Steigbügelhalter für alle möglichen anderen politischen Ansichten, die sich ähnlich Bahn brechen wollen, ist. Die einzigen legitimen Gefechte sind Wortgefechte!


  • wer sagt eigentlich, dass das geschmiere von derselben person / personenkreis kommt wie der liebig14-spruch? das nur mal am rande, obwohl die aktion natürlich trotzdem fragwürdig ist, genau wie auch der spruch “bei räumung randale” – toll, und den (verständlichen) frust wieder schön an unbeteiligten auslassen. vor allem bringt das ja auch immer so wahnsinnig viel.
    “rechtsfreie räume” – das kann nur von sehr dummen menschen kommen, die nicht nachdenken, warum und wozu es sowas wie regeln und gesetze gibt. schönes “vorbild” für die kinder.

    @bavaroise

    klasse beiträge (wenn auch anfänglich ein wenig zu stereotypisiert) !
    schön zu sehen, dass es noch leute gibt, die so denken wie sie. der trend geht leider ganz woanders hin…

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  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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