Archiv für das 'Gesundheit'-tag

Dunst und Diesel: Kommt in unsere Raucher-Höhle!

Raucherkneipe in der Proskauer Straße in Berlin-Friedrichshain - Foto: Henning OnkenAlles ist politisch in Berlin, sogar die Eckkneipe in der Proskauer Straße. Kann mich nicht erinnern, jemals Gäste hinter den vergilbten Scheibengardinen gesehen zu haben, doch der Wirt gibt offenbar nicht auf: Er trommelt für das Volksbegehren, mit dem das Rauchverbot aufgehoben werden soll. Ein Akt der Verzweifelung?

Tatsächlich ist das Rauchverbot in Berlin längst gekippt. Bereits heute darf in Einraumkneipen wieder gequalmt werden – sofern Wirte dies wünschen und keine warmen Speisen anbieten. Das Bundesverfassungsgericht hatte im letzten Jahr eine Änderung des Nichtraucherschutzgesetzes angemahnt, mit der Begründung, die Betreiber von Bars mit nur einem Zimmer würden durch das Rauchverbot benachteiligt.

Warum also dieses Volksbegehren, wenn Raucher unter sich bleiben und qualmen können,  soviel sie wollen? Weshalb appellieren die Initiatoren des Volksbegehrens, die sich ausgerechnet “Initiative Pro Genuss” nennen, an die “Toleranz” der Nichtraucher?

Wahrscheinlich fühlen sich selbst Besucher und Betreiber von Raucherkneipen nicht mehr wohl, wenn jeder Gast an einer Zigarette nuckelt. Bevor das Rauchverbot eingeführt wurde, rauchte vielleicht die Hälfte der Kneipenbesucher, der Dunst verteilte sich. Der Dunst ist heute eher Nebel. Kein Wunder, dass da selbst vielen Rauchern die Lust vergeht..

Schmidt’s Corner: Raucher in Mitte und der Altkanzler

Helmut Schmidt genießt nun auch in Berlin Kultstatus: Raucher-Ecken werden zu Schmidt-Ecken wie hier in der Alten Schönhauser Straße – der Ex-Kanzler blickt wie eine Ikone auf die frierenden Raucher da draußen. “Vergesst die Statistiken”, scheint er zu flüstern, “die ein oder andere Zigarette hat noch niemandem geschadet.” Wohl wegen dieser Haltung wurde Schmidt Anfang des Jahres zum “coolsten Kerl Deutschlands” gewählt.

Weniger cool sind hingegen die Ergebnisse einer neuen Studie des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung: Die Lebenserwartung eines 50-Jährigen Rauchers verkürzt sich um 18 Jahre gegenüber einem gleichaltrigen Nichtraucher, ermittelten die Forscher anhand von Sterbedaten aus dem Sozioökonomischen Panel. Helmut Schmidt wird es nicht kümmern: Er ist mit seinen 89 so präsent wie lange nicht mehr.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Notarzt in Brandenburg: “Knien Sie sich doch da nicht so rein!”

Rettungswagen - Foto: www.flickr.com/photos/extranoise/ Creative Commons

“Mein Mann kann sich nicht mehr bewegen. Er röchelt.” Kurz nach dem Anruf bei der Leitstelle Havelland piepst es in der Tasche von Jörg Ebert*, dem dienst habenden Arzt einer Rettungsstelle im Krankenhaus einer größeren Stadt Brandenburgs. „Unklare Bewusstlosigkeit“ liest der 34-Jährige auf dem Display seines Piepers – ein häufiger Notruf, der viele Fragen offen lässt.

Ebert stellt einem älteren Mann mit Kreislaufproblemen noch ein Rezept aus, dann sucht er seine Jacke. “Holt den Chirurg aus dem Bett, der muss hier aufräumen”, ruft er einer Schwester zu. Im Warteraum sitzen fünf Patienten ohne lebensbedrohliche Verletzungen, sie werden sich gedulden müssen, bis Eberts Kollege auf den Beinen ist. Zur gleichen Zeit wird auch der 26-jährige Rettungssanitäter Norman Schuster* in der Wache nebenan aus dem Schlaf gerissen. Es ist halb fünf an einem Sonntagmorgen. Jörg Ebert ist in dieser Nacht der einzige Arzt im Umkreis von 40 Kilometern. ‘Notarzt in Brandenburg: “Knien Sie sich doch da nicht so rein!”’ weiterlesen

Die ein zwei Bier…

Foto: Henning OnkenGestern konnte ich nicht bloggen – zuviel Alkohol… Passt ins Bild? Als Studentin bin ich gegen Semesterende im Prüfungsstress. Gut, ich habe nichts getrunken, aber die Studie, die gestern überall zitiert wurde, hat mir zu denken gegeben. Forscher des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim kamen zu dem Befund, dass einer von drei Studierenden ein Alkoholproblem hat.

Bier trinken ist kein Unterschichtensport – ein weit verbreitetes Phänomen, das man jeden Abend beobachten kann in Berlin. Die Hälfte aller 30-Jährigen rennt am Wochenende nach 21 Uhr mit Bierflasche durch Kreuzberg oder Friedrichshain. In Kneipen und Clubs wird weiter getrunken – solange es zwei drei Bier am Wochenende bleiben, okay.

Ansonsten sehen wir meist weg. Gemütlich ein Glas Wein zum Essen trinken – niemand in der WG würde die Nase rümpfen, auch wenn dieses Ritual zur Gewohnheit zu werden droht. Mitbewohner zu erziehen, kommt nie gut an, einen schlechten Tag hat jeder mal, vielleicht auch zwei. Mit unseren Eltern wären wir wohl strenger. Neben diesen WG-Gewohnheiten gibt es eine Reihe “gesellschaftlicher Verpflichtungen” – den gemeinsamen Kneipengang nach der Vorlesung mit dem Betreuer der Abschlussarbeit und Kommilitonen etwa. Oder das Bier nach dem Unisport, nach dem Orchester oder der Freiwilligenarbeit im Verein. Ganz zu schweigen von ordinären Treffen mit Freunden.

Gelegenheiten, tief ins Glas zu schauen, gibt es also unzählige. Was alle anderen machen, kann ja nicht verkehrt sein, und wer besonders lustig war, riskiert halt einen dummen Spruch auf der StudiVZ-Pinnwand. Ja mei. Die gute Nachricht: Auch Leute über 35 wurden dort schon gesichtet. Irgendwie bleiben wir doch alle Studenten…

Foto: Henning Onken

Depri in Neukölln

img_9984-1.jpg

img_9974.jpg

Dieser Dauerregen, diese traurigen Gestalten in den Straßen. Die depressive Grundstimmung in Neukölln sei ansteckend, meint Nina, deshalb sei sie weggezogen aus der Weserstraße. Das war vor etwa einem Jahr, seitdem hat sich dort einiges getan. An allen Ecken eröffnen Cafés und kleine Läden, “Kreuzkölln” scheint sich räumlich auszudehnen: Auch jenseits der Reuterstraße trifft man neben besagten traurigen Gestalten immer mehr Studenten und Kreative. Das ist die gute Nachricht, da sich diese Entwicklung positiv auf das Wohlfühlgefühl im Kiez auswirken könnte. Die (wenig überraschende) schlechte Nachricht: Die Mieten werden teurer. Selbst ein WG-Zimmer in einem dürftig sanierten Altbau neben der Rütli-Schule kostet inzwischen fast 300 Euro und Hausbesitzer erhalten bereits Kaufanfragen von Investoren.

Weiter “oben”, im Schillerkiez, kann trotz zwei drei passabler Kneipen von einer nennenswerten Aufwertung bzw. schleichenden Gentrifizierung bislang keine Rede sein. Zwar stehen auch dort in letzter Zeit weniger Ladenlokale leer, neue Mieter sind jedoch vor allem private Arbeitsvermittlungen oder Betreiber von Internetcafés. Die Euro-Jobber, die bei diesen Jobvermittlungen angestellt sind, unterscheiden sich äußerlich wenig von den privaten Sicherheitsleuten, die vor der Grundschule in der Schillerpromenade patroullieren. In türkisfarbenem Einheitsdress befreien sie den parkähnlichen Grünstreifen von Schnapsflaschen und Hundemist – nicht gerade der Traumjob…

Fotostrecke: Streifzüge durch Berlin

Weblog: Kreuzkölln alias Reuterkiez von Philip

Umparken oder umsteigen: Aufräumen in der Umweltzone

Ausgeträumt der Traum vom Hippie-Bus, den man während des Sommers bewohnt und im Winter gegen eine Wohnung mit Ofenheizung eintauscht. Die Umweltzone setzt den stinkenden Benzinschleudern ein jähes Ende, aus dem Straßenbild sind die aber bislang nicht verschwunden. Erst ab Februar werden Fahrzeughalter zur Kasse gebeten, bekommen einen Punkt in Flensburg und zahlen eine Mahngebühr in Höhe von 40 Euro. Dies betrifft auch geparkte Autos ohne Umweltplakette.

Immer häufiger versuchen Besitzer daher, alte Autos wie diesen klapprigen Opel Corsa los zu werden. Sie tun gut daran, denn nach Berlin, Köln und Hannover planen offenbar weitere 20 Städte Umweltzonen. Natürlich gibt es Berliner, die auf Sonderregelungen spekulieren. In Schöneberg hat etwa ein Restaurant-Besitzer einen ausrangierten Bus zum Raucher-Mobil umgebaut. Seine Gäste können trotz des Rauchverbots ohne zu frieren genüsslich ihrer Sucht frönen.

Kaum eine gesündere Alternative, als zu Hause den Kohleofen anzuwerfen: Der kann nämlich neben Giften wie Dioxin und Teer auch krebserregende Kohlenwasserstoffe (PAH) produzieren. Nicht zu vergessen die Unmengen an Feinstaub, die ja im Straßenverkehr mit der Umweltzone begrenzt werden sollen.

Warum also nicht gleich etwas mehr Miete zahlen und auf das Auto verzichten? Gesünder wäre es in jedem Fall.


Neue Kommentare

  • Köster: Tempelhof ist dicht. Diese Brot&Butter Messe ist ein Witz. Bis dieser Flughafen zu das geworden ist, was...
  • icke: jetzt lass mich raten wer das geschrieben hat………..grin s. Gruss von mir an...
  • Jürgen Spiegel: nur zur Neuköllnisierung – das erlebe ich als jahrzentelanger Neuköllner anders: Wohltuend,...
  • Peter: Mit der “Neuköllnisierung Tempelhofs” rechnet wohl jeder. Das man was gegen die kriminellen...
  • Psylon: Die verlängerte Hasenheide war mit Schließung des Flughafens vorauszusehen. Ob allerdings die libanesischen...

Zufallsfotos

Kostenlos abonnieren

Unser RSS-Feed enthält alle neuen Artikel. Ihr könnt sie auch bequem als E-Mail abonnieren

fensterzumhof.eu gibt es jetzt auch in einer Smartphone-Version

Meist Diskutiert

Umfragen

Wo kann man guten Gewissens Lebensmittel kaufen?

Ergebnis ansehen

lädt ... lädt ...

Anzeige

Berliner Streetart

Berlin bei Nacht

Fassaden der Hauptstadt


Seite 1 von 3123