
Sie heißen Barkas, Hanomag oder Mercedes und werden demnächst aus der Berliner Innenstadt verbannt. Die ehemaligen Feuerwehr-Transporter, Kübelwagen der Nationalen Volksarmee und Mannschaftsbusse der Berliner Polizei sind oft seit Jahrzehnten ausgemustert – und für ihre jetzigen Besitzer ein “Traum auf Rädern.” Mit dem Start der Umweltzone innerhalb des S-Bahnrings ab Januar wird es jedoch eng für alte Autos wie diese. Selbst wenige Jahre alte Dieselfahrzeuge müssen für die Feinstaubplakette einen Rußpartikelfilter nachrüsten.
“Es gibt keine sauberen Autos – zumindest keine, die ich mir leisten kann”, ärgert sich Martin über die “Dummweltzone”. Der 27-jährige Kreuzberger sitzt im Heck seines geräumigen Mercedes-Transporters und wärmt sich an einem kleinen Ofen, den er mit Holz befeuert. Auf dem Gaskocher steht ein Teekessel. Wenn Martin in dem Auto schläft, kommt er von der Matratze aus noch bequem an das Regal mit Büchern und CDs. Sogar ein Sternenhimmel verschönert den kleinen Wohnraum. An die Rückseite seines Autos hat der handwerklich geschickte Hartz-IV-Empfänger einen Briefkasten geschweißt, aber das ist eher ein Witz, wie er einräumt. Mit Freundin und Kind fährt er im Sommer nach Frankreich und Spanien.
Fahrzeuge wie Martins “rollendes Wohnzimmer” gehören besonders in Friedrichshain und Kreuzberg zum Straßenbild. Viele Anwohner dort dürfte es freuen, wenn den “großen Stinkern” künftig die Einfahrt in die Innenstadt verwehrt wird. Ob sich dadurch die Berliner Luft wesentlich verbessert, ist allerdings fraglich. Wenn gleichzeitig der Energiekonzern Vattenfall für rund eine Milliarde Euro ein Kohlekraftwerk in der Hauptstadt bauen lässt, dürften zumindest die CO2-Emissionen von alten “Freak-Autos” kaum ins Gewicht fallen.
Fotostrecke: Berliner Hinterhöfe
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