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Zugezogenen-Debatte: Wir bleiben alle in Prenzlauer Berg!

Für die Ignoranz - Foto: Henning Onken

"Für die Ignoranz": Unsanierte Fassade in der Lychener Straße, 2006 - Foto: Henning Onken

Mehr als eine Woche lang haben Leser von fensterzumhof.eu heftig über eine Plakataktion in Prenzlauer Berg diskutiert: “Wir sind ein Volk! – Und ihr seid ein anderes” heißt es an Wänden, Litfasssäulen und Stromkästen.

Wer hätte gedacht, dass 20 Jahre nach dem Beginn der Umstrukturierung dieser Spruch für so viel Unruhe sorgt? Der Wandel, durch den sich die Bevölkerung von Prenzlauer Berg fast komplett austauschte, hat Narben hinterlassen. Und die sind offenbar größer, als sich selbst Menschen vorstellen können, die in den vergangenen Jahren in die sanierten Kieze gezogen sind.

Die Debatte zeichnet ein buntes und vielschichtiges Bild des Bezirks und seiner Bewohner. Und sie wirft ein Licht auf jene, die aus verschiedenen Gründen gegangen sind. Ich unternehme hier den Versuch, die Argumente nachzuzeichnen.

– DIE VORWÜRFE –

“Ihr reichen zugezogenen Spießer”

Sie greifen sich “selbstverständlich die schönsten Wohnungen und Villen und zahlen gern horrende Preise, schreibt blitzableiter. Die Eingeborenen, die da nicht mithalten können, bleiben auf der Strecke und werden aus ihrer eigenen Stadt in Randbezirke verdrängt.” “Was habt ihr denn geschafft?”, fragt go,bmw,go. “Ihr habt euch in der Heimat die Miete nicht leisten können, seid in den Osten gegangen, weil’s so schön billig war.” Bei der Finanzierung ihres Lebensstils springen dann die Eltern ein, sind sich viele Leser sicher.

In den ganzen “hippen” Stadtmagazinen schreiben viele zugezogene Freiberufler, “um dann den alteingesessenen Berliner zu erzählen, was in der Stadt “cool” ist – weiß Tony. Die vielen alternativen Süddeutschen in Prenzlauer Berg arbeiten “mit ihren Privatschulen, Privatkindergärten selber daran, dass es mit der Chancengleichheit in Teilen Deutschlands bergab geht”, so Tony weiter.

Mario beklagt, dass ganze Strassenzüge von Großinvestoren aufgekauft werden. Besonders sauer stößt ihm und etlichen anderen Lesern die Doppelmoral der sogenannten Nimbys (not in my backyard) auf, “welche in Trendbezirke ziehen, aber dann über Lärm von alteingesessenen Clubs oder Lokalen klagen.”

“Westdeutsche Reihenhaussiedlung – der Bezirk verliert seinen Charakter”

Was ist nur aus der Bohème des Ostens geworden, die einst von Dissidenten, Kreativen und einfachen Arbeitern mit geerdeten Ansprüchen ans Leben (Ostler Eugen), geprägt wurde? „Die Stadt wird als Oberfläche wargenommen alles ist Transitraum und einer schnellen Veränderung unterworfen”, klagt bubu. Er kann nicht verstehen, “wie man ein städtisches Gesellschaftsmodell gutheißen kann in der nichts älter als höchstens eine Generation ist.“ Ossi Kleingeist Jungpionier weiß, was die Zugezogenen in Prenzlauer Berg suchen – “das Abenteuer Unterschicht”. “Meine Familie lebt seit Jahrhunderten hier, wir zahlen schon immer Steuern für diese Stadt und wir wollen sie genauso haben wie sie ist/war laut, dreckig, unfreundlich, provinziell und arm.” “Prenzlauer Berg gleicht schon seit langem charakterlich der Monokultur einer ländlichen Reihenhaussiedlung”, vergleicht bubu. Dem könnte Ostler Eugen glatt zustimmen. Er kommt eigentlich aus Bielefeld und ist “frustriert darüber, dass ich hier die ganzen Pappnasen wiedertreffe vor denen ich eigentlich geflohen bin.”

Gentrifizierung ist kein Naturgesetz, meint Aljoscha. Er blickt kämpferisch nach vorne. Die “Schlacht” die heute in Prenzlauer Berg geschlagen werde, entscheide auch über das “zukünftige Gesicht anderer Stadtteile, wie Pankow, Weissensee, Neukölln oder Wedding.”

– DIE VERTEIDIGUNG –

“So erzeugt man Fremdenhass”

Bank auf dem Kollwitzplatz - Foto: Nicole Graether“Heute sind es die Zugezogenen, morgen dann wieder farbige und anders denkende Menschen und zu guter letzt zündet Häuser und plündert man deren Eigentum”, bewertet kwo die Debatte. Statler-Waldorf sieht in den Plakaten ein altbekanntes Hetzmuster, bei dem ein klassischer Arm/Reich-Konflikt in einen völkischen Zusammenhang – den Schwabenhass – umgemünzt wird. “Wir sind ein Volk und Ihr seid ein anderes”, das ist Faschismus in Reinkultur.” Ossi im Westen pflichtet ihm bei: “Was heute in Berlin zur Abwechslung mal aus der linken Ecke kommt, klingt nahezu identisch und sollte deshalb mit allergrößter Vorsicht beobachtet werden. Wir Deutsche sind sehr anfällig gegenüber Hasspredigern, die soziale Probleme für ihre Zwecke missbrauchen.”

“Das ist wie wenn Dir nach 20 Jahren Ehe Dein Schwiegervater eröffnet, dass er Dich und deine Familie immer abgelehnt hat und Dich nie als Verwandten akzeptieren wird. Auch das muss man erstmal verdauen.”  (Statler-Waldorf)

“Vom Schutthaufen zu einem der schönsten Wohnquartiere

Der gemeine Urberliner habe selbst so seine Vorstellung von Idyll, schreibt bisc: “Verfallene Häuser, schmutzige Straßen, Graffiti”. Sybet vermutet hinter solchen Argumenten verklärte Jugenderinnerungen: Nach 18 Jahren Berlin sind nur wenige Ecken “noch so, wie ich sie in den 1980ern als Teenager so sehr liebte. Aber ist das nicht normal? Wer kann von sich schon behaupten, er habe sich in den letzten 20 Jahren nicht verändert?” “Sie dürfen eben nur nicht darauf hoffen, dass Sie den lächerlich, kleinlichen Mief aus der Zeit vor 20 Jahren zurückbekommen”, ergänzt Hühnerwürger polemisch.

Eine Stadt sei ein lebendiger Organismus, meint auch Statler-Waldorf. “Wenn sich meine Umgebung auf eine Weise verändert, dass sie zu mir nicht mehr passt, ziehe ich eben um. In keiner anderen vergleichbaren Metropole der Welt gibt es so viel guten, bezahlbaren Wohnraum wie in Berlin.” Das sei der normale Zyklus des Lebens von Mäusen und Häusern und Menschen.

“Antriebslose Alteingesessene”

Einige Leser machen eine überkommene DDR-Mentalität dafür verantwortlich. “Nur weil man sich im Osten damit zufrieden gibt, was einem vorgelebt wurde und man vielleicht zu antriebslos ist, selbst was zu erreichen braucht man nicht auf denjenigen herumzuhacken, die es schaffen sich nicht durch Berlin zum Looser machen zu lassen.“ (Gast)

Wenn der fleißige Schwabe dann aber ein Restaurant eröffne, “ist der Hass schnell vergessen und auch die Ostberliner/Innen bewerben sich um die Jobs als Bedienung”, meint Sachse.

Schwabe schließt ironisch mit der aus Hausbesetzern bekannten Kampfansage „Und ihr könnt noch so viele Plakate kleben…wir bleiben alle!“

***

Wer steckt dahinter?

Viele Leser glauben mangels eines Absenders vage an einen linken Hintergrund der Aktion. Eine andere interessante Deutung hat Bernd E: “Ich glaube, dass die Plakate nur eine ausgetüftelte Werbekampagne für einen Film sind. Irgendwann sehen wir im Kino “Ossis am Rande des Nervenzusammenbruchs” oder “Westler on the track back”.

Fotos aus Prenzlauer Berg

Foto: Henning Onken (1), Nicole Graether (2)

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35 Kommentare zu “Zugezogenen-Debatte: Wir bleiben alle in Prenzlauer Berg!”



  • Die Zusammenfassung ist brav gemacht. Eine Wahrnehmung daraus, nämlich die, “es zeichnete sich ein buntes und vielschichtiges Bild des Bezirks ab”, klingt jedoch leicht überzogen.
    Das Bild, was ich zusammenfassend wahrnahm ist: Das Bild ist bestenfalls zweischichtig. Zunächst wurden Fronten von den Untersichbleibenwollenden aufgebaut, die Reaktionen darauf fielen dann größtenteils und dem entsprechend, patzig aus. Und so weiter und so……. (Hühnerwürger eingeschlossen)
    In der Praxis wird und muss sich das legen, wie stets. Die ganze Aufregung ist künstlich und weder per Plakat oder Blogs zu lösen.

    Schönes Wochenende wünscht Wilmershausen*.

    *Das ist da wo die reichen Onkels wohnen, die ihre Sprösslinge in den Waldorfschulen, mit dicker Knete ruhig stellen.


  • Mein lieber Scholli! Alle dieser Wessibasher sind selber welche.

    “Ossi Kleingeist Jungpionier weiß, was die Zugezogenen in Prenzlauer Berg suchen – “das Abenteuer Unterschicht”. “Meine Familie lebt seit Jahrhunderten hier, wir zahlen schon immer Steuern für diese Stadt und wir wollen sie genauso haben wie sie ist/war laut, dreckig, unfreundlich, provinziell und arm.””

    Wer’s glaubt, wird seelig. Seit Jahrhunderten? Prenzlauer Berg gibt es gerade mal 100 Jahre. Und die meisten Ossis wollen die Stadt nicht arm und dreckig, die wollen saubere Straßen und Autos. Das sind die geflüchteten Bürgerkinderchen aus Bielefeld, die das wollen. Das war in Kreuzberg genauso: Die Zugezogenen haben einen auf Sozialromantik gemacht, die Alteingesessenen wollten, dass die Mieten steigen, damit diese Studentenpenner endlich wieder wegziehen.


  • Hallo Henning,

    deine Zusammenfassung nimmt wieder alle Befindlichkeiten auf, an denen sich so persönlich entzündet wird. Ich würde mich über eine detailliertere Offenlegung politischer Zusammenhänge und Interessen freuen. Schlammschlacht ist langweilig.


  • In einer Stadtentwicklung gibt es keinen Stillstand. Der Prenzlauer Berg erleidet das selbe Schicksal wie in München das Lehel, das Glockenbachviertel oder der Stadteil München-Haidhausen. Ich kenne Haidhausen und das Glockenbachviertel noch aus meiner Schulzeit in den 60er Jahren. Altbauten, bei denen es aus dem Kellerfenstern modrig roch. In den 70er und 80er Jahren erlebten diese Stadtteile ihre Transformation. Die Nachfrage einkommenskräftiger, jüngerer Mieter und Eigentümer nach attraktivem, städtischen Wohnraum setzte diese in Gang. Die Häuser wurden von Bauträgern gekauft, renoviert und nach WEG geteilt. Es folgten Mieterhöhungen. Einkommenschwache Mieter mussten sukzessive weichen. Das mag mann bedauern oder nicht. Aber, wie gesagt, es gibt keinen Stillstand und alles ist im Fluss…..


  • @ rieslingsrebe

    Du kannst dir nicht vorstellen wie scheissegal mir das ist, was in Mûnchen passiert ist. Das was in den Quartieren passiert ist nicht gottgegeben und schon gar nicht im glûcklicherweise gottlosen Berlin, insofern stimme ich BUBU zu, der eine politische Analyse fordert.
    by the way wird ein Grossteil derjenigen, die heute noch so tun als sei es komplett ok, wenn die Mieten steigen, und der Kiez mehr und mehr von blutleeren Gestalten bewohnt wird, sich noch wundern, wenn die letzte Welle der Gentrifizierung anrollt. Dann wird mehr und mehr Wohnraum als Urlaubsappartments umgewidmet. Schon jetzt stellen Makler fest, dass Wohnungen von Leuten gekauft werden, die nur einmal im Sommer kommen. Dies bedeutet eine Verknappung des Angebots und dann will ich mal sehen wie man mit einer 5 Kôpfigen Familie hier noch wohnen will, wenn die Mieten weiter durch die Decke gehen (Beispiele dafûr gibt es in allen Zentren der grossen Haupstâdte Europas). Aber es ist wohl cool, diejenigen hier in den Foren fertig zu machen, die nichts weiter getan haben mit einem Plakat den Finger in die Wunde zu legen. Aber wie gesagt/ warten wir ab, wenn diejenigen eines Tages selbst betroffen sein werden.


    • Es wird dadurch nicht besser, dass der Prenzlauer Berg sich jetzt in seiner Geringschätzung für München vereint.

      Im übrigen ist die Vorstellung, durch “jahrhundertelanges” Steuerzahlertum ein Stadtrecht zu erwerben, reichlich verfehlt. Außerdem halte ich weder mich, noch irgendeinen meiner Nachbarn (woher er auch kommen mag) für blutleer. Wer so etwas glaubt, hat seinen Nachbarn einfach noch nicht kennengelernt und interessiert sich nicht für ihn. Was er nicht muss, aber dann soll er auch nicht herumkrakeelen, was für ein Zombie der sei. Ich lächle schließlich auch nicht jeden Fremden an, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme.

      Ich halte es da wie Susanne: Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.


  • Na also, so langsam wirds auch hier wieder bräsig.

    Stoppt das Wiederkäuen Eurer Sichten, beschränkt Euch besser auf Vorschläge wie Ihr Euer Quartiersproblem allgemeinverträglich regeln könnt.
    Oder, verpisst Euch aus diesem Forum!


  • Die Stadtentwicklung in ihrem Lauf, halten weder Peng noch Ewald Lienen auf.
    Schreibt doch Euer Regierender im Tagesspiegel, Berlin sei der Standort für Zukunftsindustrien und habe das Potential, trotz der Wirtschaftskrise beste Chancen zum Vorreiter neuen Wirtschaftens und neuer Arbeitsplätze zu werden.
    Macht Euch auf eines gefasst. Wenn diese Prognose eintritt und der Zuzug von qualifizierten Personal nach Berlin beginnt/anhält, dann seid ihr weg vom Fenster. Da hilft Euer Greinen und Lamentieren über die Ungerechtigkeit der Welt im allgemeinen und im Prenzlauer Berg im besonderen nichts mehr. Das, was in München von 30 Jahren passierte, wiederholt sich auch hier. Das klingt zwar hart, aber es ist so, und die Geschichte geht über Euch hinweg.


    • Stadtentwicklung ist unkalkulierbar wie das Wetter, oder was? Was soll dieser Beitrag? Keine Ahnung, keine Meinung, keine Aussage, aber mal schnell was reinhauen in die Tasten. Kannste dir klemmen.


    • eigentlich wollte ich hier ja nichts mehr schreiben, aber folgender ausspruch liess mich nicht ohne weiteres am kommentieren vorübergehen – wenn auch mit fremden, nicht den eigenen worten..
      rieslingrebe schrieb: ”Macht Euch auf eines gefasst. Wenn diese Prognose eintritt und der Zuzug von qualifizierten Personal nach Berlin beginnt/anhält, dann seid ihr weg vom Fenster. Da hilft Euer Greinen und Lamentieren über die Ungerechtigkeit der Welt im allgemeinen und im Prenzlauer Berg im besonderen nichts mehr.”

      mit bitte um denkleistung: im folgenden erwarten sie alles alte hüte.. dennoch in anbetracht solcher argumentationsfehlleistungen wert darüber ernsthaft nachzudenken:
      ”In einem freilich läßt die ausgehöhlte Ideologie nicht mit sich spaßen: es wird gesorgt. ‘Keiner darf hungern und frieren; wer’s doch tut, kommt ins Konzentrationslager’: der Witz aus Hitlers Deutschland könnte als Maxime über allen Portalen der Kulturindustrie* leuchten. Sie setzt naiv-schlau den Zustand voraus, der die jüngste Gesellschaft kennzeichnet: daß sie die Ihrigen gut herauszufinden weiß. Die formale Freiheit eines jeden ist garantiert.” (adorno)
      *in dieser hinsicht ein auf lebensgestaltung, wohnkonsum, etc. zu erweiternder begriff, der diese formen gesellschaftlichen lebens ohnehin einbezieht..

      opak? – klar, aber sedimentiert!

      noch was? gerne!:
      ”Angesichts der kommenden Formen permanenter Kontrolle im offenen Milieu könnte es sein, daß uns die härtesten Internierungen zu einer freundlichen und rosigen Vergangenheit zu gehören scheinen.” (deleuze)

      Na dann. denkleistung erfordert, die allem anschein nach wohl als fehlend mit der ‘nachahmung’ vom ”witz” eher kompensiert wird..
      nochmal: schreiben möchte ich hier nicht mehr – erwartet demnach keine antworten. dem sozialfaschismus trotzen ist wichtig, aber nicht auf dem an kommentaren hier oft dargebotenen niveau.


  • Ich kann den Zugezogenen nur die Westberliner Bezirke ans Herz legen. Hier wird man nicht dumm angemacht, wenn man aus Wessiland kommt… Ich weiß auch garnicht was die alle in Prenzlauer Berg, Mitte, Friedrichshain wohnen wollen.


  • Leider bin ich erst jetzt auf diese Diskussion gestossen…
    Wir sind Neuberliner, sehr gerne übrigens und immer lieber.
    Wir arbeiten in Prenzlauerberg und betreiben da in einem schicken Altbau ein Einzelhandelsgeschäft, das uns gut ernährt.
    Wir konnten aber in dem selben Haus keine Wohnung anmieten, die wird nämlich genossenschaftlich verwaltet und die Wohnungen werden nur per hohem Beitrag und langer Warteliste vergeben. Andere Wohnungen in der Nähe sind zu teuer und Selbstständige können ihr Einkommen ja nicht nachweisen, sind insofern verdächtig, also wohnten wir erstmal am anderen Ende der Stadt. Dennoch werden wir von den alt Eingesessenen gerne mal schief angesehen, weil wir ja die Fettverdiener aus dem Westen sind.
    Dann sind wir “in den Westen” gezogen, nämlich nach Gesundbrunnen jenseits des Gleimtunnels. Unsere Nachbarn hier sind vielfach türkischer oder arabischer Herkunft. (In Prenzlauerberg trifft man die eher nicht.) Es ist nett hier, friedlich, freundlich, frisch renoviert und preiswert, aber es gibt kaum Milchkaffee. Von hier aus betrachtet, ist Prenzlauerberg wie Disneyland (besonders der Kollwitzkiez) – alles ein bißchen unwirklich und seltsam. In Gesundbrunnen gibt es Geschäfte mit Dingen, die man ausnahmslos zum täglichen Überleben braucht. In Prenzlauerberg gibt es Geschäfte in denen es mindestens zur Hälfte Dinge gibt, die kein Mensch wirklich zu irgendetwas braucht. Mit Menschen, alteingesessene und neu zugezogene, die sich eigentümlicherweise für den Nabel der Welt halten und die finden, man könne ja nirgendwo anders wohnen. Und das alles kaum 10 Fahrradminuten voneinander entfernt.
    Es handelt sich hier also kaum um ein “anderes Volk”-Phänomen, sondern vielmehr um ein “anderer Kiez”-Phänomen. So ist Berlin: die Welt im Kleinen mit kleinlichen Konflikten von kleingeistigen Leuten.

    Schöne Grüße an alle anderen – wer auch immer sie sind…
    S.Maresch


    • Dank an Sie verehrte Simone,

      immerhin ein erster Lichtblick auf diesen Seiten.
      Jemand der was tut, anstatt über Selbstverständliches ins Weinen zu verfallen.
      Machen Sie weiter so. Die paar Hansel und Hanselienen die da meinen die Deutungshoheit über einen Stadtbezirk und dessen Bevölkerungsstruktur zu besitzen, sind eh nicht so zahlreich wie sie denken wollen.
      Vorschläge zum Vergleich, was anpacken, stets Fehlanzeige, aus der Ecke kommt einfach nichts.

      Die hams noch nich jeschnallt, also übanehm Se inzwischn det Ruda und zeijen se den, det se och ohne monatlichn Scheck von Papi wat off de Beene jestellt ham.

      Tschüßchen Simone


    • Liebe Neuberlinerin,

      wenn Geschäfte im Prenzlauer Berg zur Hälfte Dinge verkaufen die kein Mensch braucht, frage ich mich was Ihr “Einzelhandelsgeschäft, dass uns gut ernährt” so zu bieten hat. Ihre vielfach türkischen und arabischen Nachbarn können sich Wohnungen im Prenzlauer Berg noch viel weniger leisten, aber im Milchkaffee-Disneyland muss man ja nicht wohnen, wenn man eine frisch renovierte und preiswerte in friedlicher Lage im Wedding gefunden hat!

      Gruß

      Nachfrager/in


  • ACHTUNG ACHTUNG!!!
    ab januar ca. 150 mitarbeiter vom suhrkampverlag in der pappelallee.
    aus FRANKFURT.Gibts dann hessenbashing???
    ich bin froh das die kommen,die geben geld aus und ich kann meine
    ANGESTELLTEN bezahlen.


  • Na klar gibts dann Bashing, egal ob gegen Hessen oder von anderswoher.
    Macht doch spass, intelligentere Profilierungsmöglichkeiten verwerten die Damen und Herren Basher aus PB nur ungern. Darin sind sie den Kollegen von der braunen Glatzenfraktion zu ähnlich.
    Doch keine Bange, das sind nur ein paar Leute, die sich da aufspielen.


  • jetzt würde ich mal hier ein anderes kriterium anbringen. kenne viele zugezogene, davon 80& wessis, die wieder aus berlin weggezogen sind. warum? meist hat es mit dem job zu tun da man in berlin schwer durchstarten kann. es gibt viele studis (von eltern finanziert) und es gibt viele, die auf hartz4 machen und nebenbei 2-3 nebenjobsjobs von den schwabis haben. so kommt man in berlin gut über die runden. die letze große zuzugswelle war ja so 2006, wo in vielen bundesländern studiengebühren erhoben wurde. alles soziolulturelle faktoren, womit berlin attraktiver wurde. einzige millionenstadt ohne studiengebühren! ein bekannter von mir ist vor kurzem zurück nach neustadt/weinstraße gezogenen. o-ton – geile zeit aber wenn ich jetzt nicht wegziehe, versack ich in der stadt. versackt zwischen berghain, drogen, jobsuche und blödem wetter! und das ist bei vielen so, 5 jahre, dann findet ein neuer austausch statt. überholt sich ja alles mal! was habt ihr für erfahrungen? würde mich jetzt mal interessieren!


    • Ich kenne einige Leute aus dem Studium, die schon wieder weggezogen sind: Eine Freundin, ursprünglich aus Halle, ist nach Duisburg gegangen für einen Uni-Job, eine andere arbeitet in der Schweiz und hat von dort aus nur noch eine dreistündige Heimfahrt zu ihrer Familie im Allgäu. Ist wirklich die Frage, wie lange man auf einen halbwegs passablen Job in Berlin warten kann und ob es ohne auch noch nett ist in den Szene-Kiezen..
      Ein anderes interessantes Phänomen: Die ganzen Exil-Rheinländer, die hier nach ihrer Pensionierung wenig hält. Aber in Prenzlauer Berg trifft man die natürlich seltener..


      • Zwei Sind nach Hamburg gegangen; eine Bekannte nach Leipzig und einer nach Rostock. Zwei mussten anch Stuttgart ziehen. Berlin ist immer ein Austausch – mache gehen, manche kommen.


  • zwei Dinge: zwischen Eingeboren und “Zugegezogenen” zu unterscheiden entspricht einer Dorfkultur (Beispiel München), keiner Großstadtkultur bzw. -gesellschaft, das sollte ein offener Laden sein. Der Gegensatz ist auch nicht eigentlich Ost-West, sondern Geld – kein Geld und Städter – Dörfler, und Westdeutschland war großstadtfeindlich, kulturell gesehen. Das war alles schmutzig und dreckig usw., ok war ein Wochenende in Paris, mal als Tourist kurz reingucken, Wochenmarkt etc… In der DDR galt die Großstadt hingegen die Wiege des Proletariats. Da ist also eine Kluft, und da treffen Gegensätze aufeinander. Der Nimby ist kulturell also ein Dörfler mit Geld, der den Wochenmarkt um die Ecke will aber Ruhe wie am Waldrand haben will. So einer nervt natürlich tierisch schon als einzelner, die Frage ist, ob es noch einen Assimilierungsdruck gibt, wenn die scharenweise ankommen oder ob die ein Ghetto bilden. Letzteres bahnt sich hier an.


  • ich bin 1999 aus meiner wohnung, die ich seit den 80er jahren bewohnte und auf eigene kosten zu ddr zeiten saniert habe, vom neuen (west)besitzer herausgeklagt worden. die miete wurde seit 1989 von damals 45,-mark(ost) auf über 400,-DM erhöht ohne das dafür ein handschlag getan wurde. nein, stop! die fassade wurde in einer tollen bonbonfarbe getüncht! ich hab mich vor gericht gewehrt und wie sollte es anders sein, verloren. jede auf diese art frei werdende wohnung in “unserem” haus wurde sodann luxusmodernisiert. die heutigen bewohner, allesamt zugezogen aus dem wessiland, zahlen für exakt die gleiche wohnung, jetzt allerdings mit marmorfliesen im bad, knapp 500,-€
    das nenne ich verdrängung der alteingessenen bewohner!
    noch lustiger wird es in 2-3 jahren wenn die schlapphüte aus pullach ihre neue residenz in der chausseestr.(ehemals stadion der weltjugend) in besitz nehmen. dann fallen hier nochmals ca. 2-3000 wohlsituierte beamte ein und werden dem wohnungsmarkt einen neuen schub verpassen!
    die neuzuzügler, egal woher sie kommen, können dafür eigentlich nix…angebot und nachfrage…die schuld an der gentrifikation liegt eindeutig bei der politik die dies zulässt und durch förderprogramme auch noch pusht!
    das was sich daraus ergibt, sieht man in diesen foren…getreu dem alten ausspruch: teile und hersche…


    • Doch, doch mittebewohner, es ist echt traurig, dass Sie für eine Wohnung, die größe nannten Sie vorsichtshalber leider nicht, ab 1990 mehr als 45,-Mark Ost zahlen mussten.
      Das sind und waren sie, die Geier unter den Vemietern, denen in ihrer Profitgier nicht mal die großzügige Miete von 45,- Ostmark genügte um ihre neuen Häuser zu sanieren. Pfui Teufel nochmal!

      Nun kostet dort eine luxussanierte Wohnungen, laut Ihrer Angabe, horrende, knapp 500,- € Miete. Würden Sie mir bitte die Telefonnummer dieses raffgierigen Westvermieters mitteilen? Ich möchte den mal anrufen, noch bevor die Schlapphüte aus Pullach das tun.


  • tja hühnerwürger, genau diese unqualifizierten äußerungen sind es die dazu führen das hier menschen wie sie als überheblich und großkotzig eingestuft werden…
    hätte mein einkommen im selben zeitraum den gleichen quantensprung gemacht, würde ich darüber warscheinlich kein wort verlieren.
    die whg. hat übrigens 51qm und wie gesagt, saniert wurde in diesem haus nichts, bis auf die getünchte fassade!


  • Tja verehrter Mittebewohner,
    wie Ihre persönliche Einordnung meiner Person ausfällt, kann für mich keinen Belang haben. Das solange wie ich Sie nicht kenne.
    Der Preis eines Angebots, Ware oder Wohnung, orientiert sich übrigens nirgendwo an den Quantensprüngen im Einkommen des Käufers oder eben Mieters.
    Ich könnte das durchaus, wie z.B. in Ihrem Fall bedauern, doch helfen würde Ihnen das nicht.
    Danke für Ihre sachliche Info, dass die Wohnung zum Preis von knapp 500 € nur 51 qm hat. Daher verzichte ich auf einen Anruf beim Vermieter, da auch ich diesen Preis, gemessen an Berliner Verhältnissen, für nicht Marktgerecht halte.
    Sehn Sie verehrter Mittebewohner, für den Fall, wo Sie nachvollziehbare Daten in Ihre Information einfügen, wird sogleich auch das Bild Ihrer Mitteilung klarer.
    Auf unqualifizierte Hinweise jedoch, werden eben zwangsläufig auch unqualifizierte Antworten folgen.
    Zum Schluß noch ein Tip an Sie:
    Sie sollten den Versuch machen, vorschnelle, unbelegte Vorurteile, über Leute von denen Sie absolut nichts wissen können, zurückzustellen, bis Sie mehr über sie wissen.
    Kaum etwas fällt doch unergiebiger aus, als auf Grund von persönlichen Erfahrungen mit einer/m einzelnen, gleich eine ganze Gruppe von Menschen zu diffamieren.
    Und ja, eigentlich müssten Sie das kennen.


  • Besonders ärgerlich finde ich solche Entwicklungen dort, wo einst Sanierungsgebiete den Hausbesitzern dicke Förderungen einbrachten.

    Wenn die schon Hochpreismieten raushauen wollen, dann bitte nicht mit Staatsgeldern.


  • Die zweite Welle der Westler kam um an unserer Freiheit teilzuhaben und sie brachten uns nicht mehr als ihre kleinbürgerlichen Ängste…
    Man kann nur hoffen, dass ihre Kinder ihnen dafür in den Arsch treten werden (und aus dem Viertel).


    • Aber klar Doktorchen,
      warum unterschlägst Du die erste Welle, die kam um Typen wie Dich mit Bananen zu füttern.
      Stimmt, die zweite Welle hat Dich dann schon dafür bestaunt, wie Du Deine Freiheit nutzt um Deine piefigen Ostallüren zu konservieren.
      Nun husch ins Körbchen Doktorchen, taugst nicht mal mehr zum Fiebermessen.


  • Immer wieder schoen, was hier fuer eine polemische, beleidigende, und unsachliche Diskussionskultur herrscht… erinnert mich fast an die Kommentare unter YouTube-Videos.

    Henning, danke fuer den Artikel.


  • Ich bin Neuberliner. Perenzlauerberger. Seit einem Jahr. Bis dahin wohnte ich in …
    Berlins Vorgarten: Potsdam.
    Bin ich nun einer von den bösen? Potsdam liegt ja auch im Westen, von hier aus gesehen.
    Das, was hier gerade diskutiert wird, hat in Potsdam schon 10 Jahre zuvor stattgefunden. Eine Breisgauisierung. Oder Jungefamiliemitvolvokombisierung, eben jene Bevölkerung, die mich verständnislos anschaut, wenn ich von der Veränderung der Stadt erzähle. “Ist doch schön, so wie es hier ist. Alles Grün und so.” Dass keiner mehr die Parks nutzen kann, weil dort ungefähr alles verboten ist, dass Menschen, die neben ein Fußballstadion gezogen sind, wegen Lärmbelästigung vor Gericht ziehen, wissen Zugezogene nicht, da sie sich nur mit anderen Zugezogenen unterhalten.
    Viele gebürtige Potsdamer haben es aufgegeben: Sie ziehen um. Zum Beispiel in den Prenzlauer Berg, um sich mit anderen Potsdamern zu treffen und über die Zugezogenen in Potsdam zu reden. So ist der Lauf der Menschen.


  • Also, ich war in den 80ern ja zuerst im Urlaub in West-Berlin (Neukölln, Schöneberg, Kreuzberg), später habe ich in Moabit gewohnt. Die griesgrämig-vergrätzten Alteingeborenen im Haus waren ja auch nicht gerade ein tolles Empfangskomitee, aber was hier an Platzhirschentum abgeht, erheitert mich doch ungemein.

    An Silvester hatte ich die Gelegenheit, mir selbst ein Bild vom Kollwitzplatz zu machen. Akustischer Eindruck: Klein-Stuttgart.
    Die Mischung ist aber schon anders, die Häuser, die Läden.
    Daß auch Potsdamer nach Prenzlberg ziehen, hätte ich nicht gedacht – ich hätte ja eher auf Karlshorst getippt (das ist so eine nette, ruhige, schöne, vergessene Ecke).

    Jedenfalls ist es ein mir eigentlich immer noch nicht recht erklärliches Phänomen, warum es diesen Run auf Prenzlauer Berg gab. Wo es doch in Moabit sooo viiele schöne sanierungswürdige Häuser hat und auch die Verkehrsanbindung sehr gut ist! (O-Ton Briefträger in Moabit 1995: “Also, ich bin ja aus Ost-Berlin.. aber hier siehts ja noch schlimmer aus als in Prenzlauer Berg!”)


    • Prima colorcraze, realistische Beobachtung aus Erfahrung genährt.

      Das Phänomen, Run auf PB, war für mich ebenfalls nicht nachvollziehbar, doch das ist mittlerweile Geschichte. Dieser Bezirk geht nun den Weg aller sanierten Innenstadtbezirke, denn etwas aussergewöhnliches, im Vergleich zu anderen, hatte/hat er kaum zu bieten.
      Ex selbstverständlich dem, was jede Region, Bezirk etc., gleich wo, jeweils an Unikaten, Menschen oder Gebäude, vorweisen kann.


  • Wie wahr…


  • @tnafix

    “Ich weiß auch garnicht was die alle in Prenzlauer Berg, Mitte, Friedrichshain wohnen wollen.”

    Ich ehrlich gesagt auch nicht. Dort sieht’s exakt genauso aus wie in Wanne-Eickel oder Bottrop, oder wie in ähnlich ungepflegten Arbeiterstädten. Die proppere Umgebung kann also nicht das Hauptkriterium sein. Viel mehr ist es wohl diese unmittelbare Urbanität, die diese Bezirke so attraktiv machen, da in diesen Vierteln die Bebauung und das Stadt- bzw. das Straßenraster noch wirklich und wahrhaftig so aussieht, wie man es als Europäer seit Jahrtausenden(Seit der Römerzeit)von einer Stadt gewohnt ist und man sich nicht stattdessen vorkommt, als wie wenn man in einer Kolonie(Marzahn, Gropiusstadt, usw.) auf dem Mars wohnte. Zudem braucht man in der Innenstadt auch kein (kostspieliges)Auto, um sein tägliches Leben zu bewerkstelligen. Alles ist sozusagen “um die Ecke”. Das hat schon seinen Reiz.

    Der Hauptgrund aber nach dem Prenzlauer Berg, Mitte, Friedrichshain oder auch nach Kreuzberg zu ziehen, liegt mutmaßlich wohl darin verborgen, dass diese Orte den größten zusammenhängenden Partnermarkt Deutschlands darstellen. Wie sehr gerade die Hormone und der Sexualtrieb einen typischen ZuzüglerInnen bis ca. 30zig Jahren dazu beflügelt, in diese Tweens-Ghettos zu ziehen, kann man sicher nur ansatzweise erahnen. Ich schätze aber mal, gerade dieser letztgenannte Einfluss wird mehr als überragend sein.


  • eijeijei lauter egoshooter hier unterwegs

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