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“In die Schwabenhauptstadt wollen wir nicht”

Simon-Dach-Straße - Foto: Henning Onken

Sie gehöre auf die andere Seite der Spree, sagt Steffi, 27, Studienabsolventin. Nicht wegen der Kirche mit den vernagelten Fenstern oder der vielen türkischen Läden, sondern einfach, weil Neukölln in Westberlin liegt. “Wenn wir das nächste Mal umziehen, dann definitiv nach Friedrichshain.” Steffi ist in Lichtenberg aufgewachsen, in einer Wohngegend, für die wohl kein Kiez-Begriff existiert. Partys werden woanders gefeiert, ein paar Stationen mit der U5 weiter westwärts, im Friedrichshainer Südkiez.

Ines und Thomas zieht es nach sechs gemeinsamen Jahren in Hellersdorf ebenfalls nach Friedrichshain. Drei Zimmer sollen es sein, vielleicht auch vier. “Über Prenzlauer Berg hatten wir nachgedacht, das erschien nahe liegend.” Aber sie haben den Gedanken schnell wieder verworfen. Fragt man weiter, so wird deutlich: Prenzlauer Berg ist für viele, die in den Oststadtteilen aufgewachsen sind, nicht mehr Berlin. Die Menschen, die dort die Cafés, Spielplätze und Galerien bevölkern, sind Zugezogene. “Wessis” vorwiegend aus dem Schwabenland, Hessen oder NRW, die dort ihr Brauchtum pflegen und selbst Kirchen einen unverhofften Mitglieder-Boom bescheren.

Friedrichshain scheint da (noch) anders zu sein. Sicher, auch dort trifft man auf Leute aus Wuppertal oder Nürnberg, aber nicht so geballt. Der Stadtteil mit der “guten U5-Anbindung” wirkt heterogener: Punks leben neben Senioren, dazwischen Techno-Fans, Studenten aus Marzahn und Hausbesetzer. Aber auch die kommen in die Jahre, ziehen aus Hausprojekten aus und in kleine Wohnungen mit Zentralheizungen.

Einfach eine Frage der Zeit. Eine Prenzlaubergisierung des Stadtteils hat eingesetzt, zweifellos. Das ist gut für den Haushalt. Wo Leute über regelmäßige Einkommen verfügen, steigt das Steueraufkommen. Und natürlich nimmt die Zahl der Geburten zu: Bereits in diesem Jahr ist die Geburtenrate Friedrichshain-Kreuzbergs prozentual stärker gestiegen als die Prenzlauer Bergs. Ob Neugeborene allerdings ähnliche Namen erhalten, wie in Prenzlauer Berg oder Charlottenburg, bleibt allerdings eine spannende Frage

Foto: Henning Onken

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9 Kommentare zu ““In die Schwabenhauptstadt wollen wir nicht””



  • Wer oder was ist Berlin? Die meisten, die hier leben stammen irgendwoher, nur nicht aus Berlin.
    Wahrscheinlich ist Steffi ebenfalls aus Westdeutschland, denn- merke: Niemand ist Berlin ist ‘berlinerischer’ oder hipper, als der, der selber bis gestern noch bei den Eltern in Kosemuckel zuhause war.
    Insoweit ist Steffis Beitrag sehr typisch Berlin und sehr provinziell.


  • Ich bin glücklich seit über einem Vierteljahrhundert in der Innenstadt West zu wohnen und nicht im urbanen Hinterwald Lichtenberg, wo die Einwohner die Welt nur aus dem Fernseher kennen, die Frauen Cindy, Sandy, Mandy oder Katleen heißen und weder Arbeit noch Mann aber dafür jede Menge Kinder haben.


  • @Kiezmann: Das ist ja schön für Sie, Ihr Urteil zeugt von ziemlicher Voreingenommenheit, leider. Waren Sie schon mal in Lichtenberg? Schade, sollten Sie unbedingt mal hin.


  • Prenzlauer Berg mag heute ein einziger Spielplatz für Kinder von Bessergestellten sein, die aus ganz Deutschland sich hier ansiedeln. Das ist schön für sie – aber traurig für Menschen, die von dort vertrieben wurden. Die Opfer dieses Stadtumbaus finden keine Erwähnung mehr, sie leben jetzt in Hohenschönhausen oder eben Lichtenberg, wo die Mieten noch bezahlbar sind.
    Vertreibung findet statt, auch durch den neuen Mietspiegel!


  • Der Autor scheint den Umstand, dass die Zahl der Geburten in diesen Stadtbezirken zunimmt, als negatives Zeichen zu deuten. Mehr Kinder=mehr Wessis=mehr Yuppisierung oder so ähnlich.

    Dabei kann eigentlich für unsere Gesellschaft keine bessere Nachricht geben als diejenige, dass mehr Kinder geboren werden oder?

    Für mich als Nichtberliner ist es auch sehr merkwürdig zu sehen, dass in Berlin immer noch “Westberlin” und “Wessi” als Kategorien existieren, und dass jemand überhaupt noch so denkt. Aber vielleicht sollte man als Nichtberliner einfach die Klappe halten. Und nie nach Berlin kommen, geschweige denn ziehen (diesen Eindruck erhält man leider, wenn man die Aussagen in diesem Posting liest).

    Letzte Frage, dann halte ich wirklich die Klappe: worin unterscheidet sich eigentlich das “Brauchtum” eines Schwaben, Hessen oder NRW’lers von demjenigen eines Ureinwohners (Ost-)Berlins?


    • Ihre Einwände sind vollkommen berechtigt – die “Berliner” sind schnell überfordert und genervt. Aber man stelle sich mal vor, was aus dieser Stadt werden würde, wenn die vielgescholtenen Rheinländer, Schwaben, Franken etc einfach wegblieben mit Ihrem seltsamen “Brauchtum” (sogar in die Kirche gehen sie) Oder wenn Berlin mal nicht mehr so hipp ist bei den Touristen? Trends verlaufen in einer Glockenkurve… Dann würde die inselhafte Provinzialität voll durchbrechen und die Berliner könnten wieder voll in ihrem Saft schmoren und von den alten Zeiten träumen…


  • @Rentweinsdorf: Ich beschreibe hier Beobachtungen, die skurril anmuten, die ich aber so immer wieder gemacht habe. Eine steigende Geburtenrate begrüße ich genauso wie Sie – eine Gesellschaft wird dadurch lebendiger und die Folgen der demografischen Entwicklung sind ja hinlänglich bekannt.


  • Hier noch ein Link zu einem interessanten Artikel über Türken in Prenzlauer Berg.

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/102246/index.php


  • macht immer wieder spass hier reinzuschauen.
    @monitor: Ab in Deine Provinz! – Berlin is unsere Provinz!

    prenzl wird wieda unsa…

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  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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