Habe von Fußball nicht viel Ahnung, aber ich habe ihn kommen sehen, den Sieg über England. Das Wetter war einfach zu gut, die Leute in Berlin zu ausgelassen mit ihrer schwarz-rot-goldenen Kriegsbemalung im Gesicht. In Kreuzberg schossen Deutschland-Fans schon am frühen Nachmittag in die Luft – in freudiger Erwartung.
Ich hätte also für Deutschland tippen sollen, wie so viele. Am besten lägen ohnehin die, die von Fußball nicht viel verstehen, habe ich mir sagen lassen. Bei der nächsten WM tippe also auch ich Fußball-Muffel. Aus Gruppendruck. Und aus Protest gegen die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
Die verbreitet nämlich wirklich schlechte Laune in diesen Tagen. So lange sich diese Wetten in einem gemäßigten Bereich bewegten, in Bürogemeinschaften und Freundeskreisen, seien Spannung und Spaß garantiert, heißt es krampfig in einer Pressemitteilung. Alles darüber hinaus sei gefährlich.
Besonders warnt die BZgA vor Live-Wetten, bei denen hohe Geldeinsätze auf Ergebnisse während des Spiels abgegeben werden. Diese Art von Wetten könnten süchtig machen, so die Leiterin der BZgA, Elisabeth Pott. Der Grund: Viele Teilnehmer neigten zu Selbstüberschätzung und würden viel mehr Geld ausgeben als zunächst geplant. Inwieweit die Zahl der Spielsüchtigen nach Fußball-Weltmeisterschaften steigt, bleibt das Geheimnis der BZgA.
Wie gut das nur alle vier Jahre Fußball-Weltmeisterschaften stattfinden. Dann ist das Suchtpotential nicht so groß. Präventiv könnte man natürlich auch nur alle sechs Jahre eine Weltmeisterschaft ausrichten.
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Ich komme fast jeden Tag am Zoo vorbei, an Eseln und Lamas. Die Esel schreien oft herzzerreißend – Sympathien bringt ihnen das aber kaum. Der King des Zoos ist Knut. Noch immer harren Fans mit Dauerkarten vor seinem Gehege aus. Stundenlang, wochenlang. Leute mit Expertenwissen und Knut-Ansteckern am Revers. Knut sei ein richtiger Softie, erzählt eine Rentnerin. Nicht mal einem Frosch könne er etwas zuleide tun. Ihre Augen leuchten, als berichte sie von ihrem Lieblingsenkelkind. Sie schaut jeden Tag bei ihrem Knut vorbei – es sei denn, sie ist verreist oder krank.
Den Wassergraben zwischen sich und dem Eisbären überwindet die Frau mühelos mit ihrem Teleobjektiv. Seine Entwicklung hat sie von Beginn an dokumentiert. Zuerst mit einer geliehenen kleinen Knipse, dann mit einer eigenen Spiegelreflexkamera. Auch andere Knut-Aktivisten sind scharenweise zu Saturn am Zoo gelaufen, um sich dort mit tollen Kameras und Objektiven einzudecken. Einige haben sogar Zoo-Aktien gekauft, um morgens schon ab sieben Uhr zu Knut zu dürfen.
Und Knut? Der läuft wie ein hospitalisierter Kranker in seinem Gehege auf und ab und wartet auf Futter. Sult sich in einer Kuhle, jagt Enten. Die Meinungen darüber, ob er einen kleinen psychischen Knacks hat oder nicht gehen auseinander. Ist auch egal. Etwas ganz Besonderes ist Knut ja. Knacks hin oder her.

Die Idee ist schön: Anwohner können das eintönige Grau ihrer Straße nicht mehr sehen, die leeren vermüllten Beete und verödeten Seitenstreifen. Bei Einbruch der Dunkelheit, wenn sie sich unbeobachtet fühlen, greifen sie zu Spaten, Schaufeln und pflanzen Setzlinge an, Krokusse und Tulpen. Einige Tage später blüht es in der Nachbarschaft, Hundebesitzer gucken irritiert und führen ihre Lieblinge woanders aus.
Der Guerilla-Gärtner als Kiez-Retter. Auf der Suche nach begrünten Ecken, über die immer wieder berichtet wurde, war ich in Prenzlauer Berg, Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg unterwegs. An vielen Ecken in diesen Bezirken sieht es mittlerweile tatsächlich lieblich gepflegt aus – nicht nur in den Beeten vor der Tür sondern auch auf Fensterbänken im Erdgeschoss.
Erdgeschosswohnung in Prenzlauer Berg
Blumenkübel vor einer Kneipe in Kreuzberg
Beet vor einem Blumenladen in Friedrichshain
Blumenkasten vor einer Kneipe in Prenzlauer Berg
Beet vor einer Praxis in Friedrichshain
Grün vor einem Wohnhaus in Kreuzberg
Beet vor einem Wohnhaus in Prenzlauer Berg
Beet vor einem Café in Mitte
Viel Grün, aber die meisten der hier dokumentierten Kiezverschönerungsversuche sind Ladenbesitzern zu verdanken. Menschen, die den Bürgersteig vor ihrem Lokal attraktiver machen wollen. Was die Anwohner nicht schaffen oder leisten wollen, übernehmen diese Geschäftsleute. Also Leute, greift zur Schaufel! Diese Farbtupfer in den Straßen Berlins sind toll, gerade an grauen Tagen wie heute.

Sie waren beeindruckend, die Proteste der Anti-Atom-Bewegung am Wochenende. Über 100.000 Leute sind in Schleswig-Holstein auf dem platten Land zusammen gekommen, um gegen eine Verlängerung der Kernkraftwerkslaufzeiten zu demonstrieren. Wäre so etwas auch in Brandenburg denkbar?
Seit einiger Zeit wird dort über eine Technologie gestritten, mit der das klimaschädliche CO2 aus Kohlekraftwerken abgeschieden und unterirdisch eingelagert werden soll. CCS – Carbon Capture and Storage. In Ketzin (Havelland) will Vattenfall im Sommer Kohlendioxid aus der Pilotanlage Schwarze Pumpe unterirdisch entsorgen. Auch in Neutrebbin (Märkisch-Oderland) und Beeskow (Oder-Spree) sollen Erkundungsarbeiten für mögliche Speicher beginnen.
Die Pläne sind umstritten: Umweltverbände und Bürgerinitiativen werfen den Energiekonzernen vor, an der schmutzigen Braunkohle festhalten und sie dank CCS als umweltfreundlich verkaufen zu wollen. Von CO2-Bomben und Versuchsdeponien ist da die Rede, mit Risiken, die einfach nicht abzuschätzen seien. Die EU sollte Fördergelder für erneuerbare Technologien einsetzen, fordert etwa die Initiative CO2 Endlager Stoppen.
Vielleicht wehren sich die Brandenburger ja wirklich mit Nachdruck. Setzen Parteien unter Druck, die Vattenfall freie Hand lassen. Protestieren, auch wenn viele der Dörfer wie ausgestorben wirken und nur an vereinzelten Häuser Plakate gegen die Vattenfall-Pläne hängen. In Gorleben haben sich die politisch Verantwortlichen und die AKW-Betreiber zunächst auch ziemlich verkalkuliert.
Die Berliner Verkehrsbetriebe haben heimlich, still und leise eine neue Hausordnung eingeführt. Skateboard fahren – verboten. Verweilen auf den Bahnsteig ohne Absicht, eine Fahrt anzutreten – verboten. Abfallbehälter durchsuchen – verboten. Außerdem die Weitergabe und der Verkauf gebrauchter Fahrscheine. Und noch ein paar weitere Lappalien wie Vögel füttern, Abfall ins Gleisbett werfen.
Überlegen Sie mal kurz, wie viele dieser möglichen Verstöße Sie begehen könnten. Unbewusst vielleicht. Ok. Die Hausordnung dürfte Sie also nicht weiter stören. Aber die paar Flaschensammler, die verschämt im Müll wühlen und dann zwei drei Cola-Flaschen in ihren Rucksäcken verschwinden lassen, wahrscheinlich schon. Die schnell weiter huschen, in der Hoffnung, nicht erkannt zu werden.
Das sind keine Leute, die andere Fahrgäste belästigen. Ihnen bricht eine wichtige Einnahmequelle weg. Sie werden weitere Wege zurücklegen müssen, um den gleichen Schnitt zu machen. Und vielleicht auch anderswo hartnäckiger hinter gerade geleerten Flaschen hinterher jagen. “Sie haben gleich ausgetrunken, könnte ich bitte die Flasche bekommen?” Das fände ich dann als Parkbesucherin nicht so witzig.
Radfahrer sind prinzipiell rücksichtslos, sie gefährden andere und vor allem sich selbst. Und sie fahren andauernd über Rot. Deshalb muss die Polizei sie schützen; durch Kontrollen. So ähnlich dürfte wohl die offizielle Begründung lauten. Ein Blick in die Unfallstatistik zeigt: Bei Verkehrsunfällen, in die Radfahrer verwickelt waren, sind diese 2008 in 51 Prozent der Fälle Hauptverursacher gewesen. Grund genug also, um sie zu erziehen.
Ich bin über eine rote Ampel gefahren. An einer leeren Kreuzung in Friedrichshain, kein Auto und erst recht kein Kind in Sicht, dem ich ein schlechtes Vorbild hätte sein können. Der Streifenwagen stand hinter anderen parkenden Autos, die Beamtin, die die Zeit nach dem Rotsignal stoppte, hatte sich ebenfalls gut getarnt. 100 Euro soll der Spaß kosten, außerdem einen Punkt in Flensburg.
Es gibt etliche Ampeln in dieser Stadt, die entbehrlich sind, die geradezu danach schreien, missachtet zu werden: Weil kein anderer Verkehrsteilnehmer weit und breit zu sehen ist. Der Wille zur Einsicht ist daher begrenzt. In Paris wird man belächelt, wenn man an einer menschenleeren Kreuzung an einer roten Ampel stehen bleibt. Und der Gendarm schlendert ganz selbstverständlich über Rot. Ein bisschen mehr Gelassenheit statt preußischer Prinzipienreiterei wäre schön in Berlin.
So bleibt der Eindruck, bevormundet und ebenso unangenehm – gemolken worden zu sein. In den zehn Minuten, die der Polizist brauchte, um meine Personalien festzuhalten, sind zwei weitere Radfahrer ins Netz gegangen – weitere 200 Euro an Bußgeldern also. Auf die Stunde hoch gerechnet, macht das 1800 Euro. Kein schlechter Schnitt. Wenn dieses Geld für die Ausbesserung von Radwegen und Einrichtung von neuen Fahrradstreifen verwendet wird, wäre ich versöhnt. Anderenfalls ziemlich zerknirscht.
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