“Wo ist Käpt’n Nemo?” stand lange Zeit an der Fassade des Tacheles in der Oranienburger Straße. Jules Vernes’ Romanfigur Nemo brach mit der Welt und zog sich auf ein geheimnisvolles Unterseeboot zurück. In den vergangenen 20 Jahren war das Kunsthaus Tacheles ein Ort, an dem anarchisch und bunt geträumt wurde. In Bildern, Skulpturen, auf Ausstellungen und Partys. Jetzt werden die Künstler schmerzlich daran erinnert, dass ihre Ateliers eben doch nicht 20.000 Meilen unter dem Meer verortet sind, sondern mitten in Berlin. Umgeben von Hotels, Bürobauten und Geschäften. Jeder Quadratmeter hat seine Währung.

Die Zwangsversteigerung der alten Kaufhausruine betreibt ausgerechnet die HSH Nordbank, eine Bank, die von Steuerzahlern mit Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch gerettet wurde. Der Trägerverein, der anstatt 50 Cent Jahresmiete rückwirkend mehr als 100.000 Euro zahlen soll, ist nun pleite.

Das Tacheles ist einer der wenigen Orte in Mitte, die Menschen noch staunen lässt, wenn sie zum ersten Mal in diese Gegend kommen. Staunen darüber, dass so etwas heute noch existiert. Denn was da unter den Hammer kommt, ist auch einer der letzten Reste des Berlins der 1990er Jahre. Ein Fleck, der Mitte interessant macht, finde ich.

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Fotos vom Tacheles
Artikelfoto von Christian Hetey

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