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Mediaspree: Wo die Grenze zwischen oben und unten verläuft

Wenn Grenzen fallen, geht uns ein Licht auf. Weil Menschen auf der Mauer tanzen oder weil man einfach so nach Polen kommt. Wenn Grenzen dagegen so sang- und klanglos verlaufen, wie sich Farben auf einem wässrigen Aquarell vermischen, bleibt die Veränderung meistens unbemerkt. Obwohl die Folgen auf lange Sicht genauso einschneidend sind.

In Berlin sieht man das besonders gut an dem berühmten Hausprojekt Köpi in Mitte. An dessen Brandwand prangte die hehre Weisheit “Die Grenze verläuft nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten”. Der Spruch an der Trutzburg hielt solange, bis die Bagger kamen – auf dem Foto sind sie schon zu sehen – und einen neuen Betonbau hochzogen.

Damit die Botschaft an die Völker der Welt nicht verhallt, hat jemand nachgebessert – am Gewerbehof nebenan. Der anonyme Sprayer ist allerdings nicht weit gekommen – er hat bei “verläuf…” das Weite gesucht. Dass er damit trotzdem sagt, was am Spreeufer von Kreuzberg und Friedrichshain vor sich geht, ist ihm nicht aufgefallen.

Willkommen in der Grauzone, in der es vorläufig weder einen Kiez der Reichen noch Armutsquartiere gibt. Wo die Alteingesessenen sozusagen bei 30 Grad gewaschen werden, bis sie die Miete nicht mehr aufbringen können und wegziehen. Und damit unfreiwillig eine neue Grenze errichten.

Fotostrecke: Fassaden der Hauptstadt

Update 01.08.2008: Der oder die Sprayer lassen sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen und sind jetzt dreieinhalb Worte weiter gekommen, wie auf dem Foto zu erkennen ist.

Update 15.08.2008: Es ist vollbracht, der Spruch ist tatsächlich fertiggestellt worden, wie mir ein Leser schrieb. “Die Grenze verläuft nicht zwischen oben und unten, sondern zwischen Dir und mir”, heißt es jetzt.

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12 Kommentare zu “Mediaspree: Wo die Grenze zwischen oben und unten verläuft”



  • Mich ärgert diese ganze Mediaspree-Sache.
    Wowi steht hinter den Investoren, überlässt, jetzt wo fast alle Verträge unterzeichnet sind, der Bezirksversammlung die Entscheidung.
    Warum ist früher keiner auf die Idee gekommen, die Bebauungspläne an den jetzigen Bestand der Club und Ideenlandschaft anzupassen?
    Soll das wirklich alles eines Tages weg sein, Maria, Oststrand und der freie Blick über die Warschauer Brücke? Obwohl Letzteres schon jetzt eingeschränkt ist, denn jedem wird der schöne Monitor aufgefallen sein, der direkt am U-Bahnhof steht.
    Nichtbetroffene werden spätestens, wenn der erste Club oder die erste Location weichen muss, was ja eigentlich schon geschehen ist, daran erinnern wie schön FHain und X-Berg mal waren….
    Lasst es “Grenzsteine” hageln…..


  • @Liquid

    Passt schon. Mediaspree (wer auch immer diesen Namen erfand?) wird umgesetzt und das ist auch richtig so.
    Diese Clubs und angeblichen Strandbars (obwohl die Spree keinen Strand hat bzw. man dort nicht baden kann) sind alle nur provisorisch dort. Das war von Anfang an klar.
    Nun kommen dort Gebäude hin die sehr sehr viel Geld nach Berlin bringen. Sowie sehr viele Arbeitsplätze.

    Es ist wichtiger für eine Stadt Steuerzahler zu bekommen als nur Mittelempfänger durchzufüttern die auf den Erhalt Ihres Schlaraffenlandes pochen.

    Das sich die Bewohner von Kreuzberg, Friedrichshain und Mitte zum besseren wandeln ist normal (gute Wohnlage und Gegend kostet eben und sollte auch nicht vom Amt subventioniert werden) und wird auch in den anderen Bezirken so kommen.

    Wer kein Geld hat in Mitte o.ä. zu wohnen muss sich eben den Wohnort aussuchen der zum Geldbeutel passt.


  • “Lasst es “Grenzsteine” hageln……”

    Was soll das sein? Ein Aufruf zur Neuauflage revolutionärer Demos? – Die Planungen für Mediaspree sind nicht erst seit der Aktion “Mediaspree versenken” Gegenstand einer Diskussion über die Berliner Stadtentwicklung. Was als Zwischennutzung zu Anfang ganz selbstverständlich als solche hingenommen wurde, ist einem Teil der Bezirksansässigen erst bewusst geworden, als die wesentlich Arbeit getan war. Die Party an der Spree hat die spät aufgewachte Szene wohl davon abgehalten, rechtzeitig was zu unternehmen. Und sich dann aufregen, dass beschlossene Verträge eingehalten werden..


  • @Hagel:
    “Es ist wichtiger für eine Stadt Steuerzahler zu bekommen als nur Mittelempfänger durchzufüttern die auf den Erhalt Ihres Schlaraffenlandes pochen.”

    Da werden gleich alle Klischees ausgepackt! Als würden nur Mittelempfänger ihrem „Schlaraffenland“ hinterher trauern und versuchen dies zu erhalten bzw. Lösungen dafür zu finden! Ich zähle zumindest nicht dazu, denn ich bin Steuerzahler und finde es einfach nur geil in Berlin zu leben, so wie es ist!

    @Memis
    “Die Party an der Spree hat die spät aufgewachte Szene wohl davon abgehalten, rechtzeitig was zu unternehmen. Und sich dann aufregen, dass beschlossene Verträge eingehalten werden..”

    Dagegen kann ich nichts sagen und du hast wahrscheinlich sogar damit Recht. Nur geht’s nicht ums aufregen, sondern dem Bewusstsein was Berlin hat, weshalb so viele nach Berlin kommen, hier leben, arbeiten und die Stadt schätzen.


  • @Liquid

    Ich als einer der wenigen Berlin von Geburt an kann dir eins sagen.

    Diese Stadt lebt nur durch Veränderung. Wenn ich da an das Berlin meiner Kinderheit, das meiner Jugend und das jetzige (bin 35) denke? Alles immer anders. Oder nur mal das Berlin meiner Eltern oder Großeltern?

    Mal so über den Daumen würde ich sagen alle 5 Jahre hat man eine komplett andere Stadt anderen Kiez…andere Menschen.

    Berlin ist ständige Veränderung- war es schon immer. Keiner der heutigen Clubs oder Strandbar wäre ohne diese Stadtveränderung entstanden.

    Entweder du bleibst also auf deinem (gefühltem) Level stehen oder passt dich der Stadt an.

    Verändere Dich mit Ihr (oder auf Neu-Berlinerisch – Be Berlin!).


  • @Hagel
    Mit der bloßen Neunmalklugheit eines Stammberliners überzeugen Sie nicht. Dass sich die Stadt dauernd wandelt ist keine aufsehenerregende Neuheit und -fragen Sie mal rum- auch schon in weiten Teilen der zugezogenen Neuberlinern kein Geheimnis mehr. Welche intellektuelle Leistung sie dagegen in ihren 35 Jahren noch immer nicht vollbracht haben, ist die Einsicht, dass der typische Berliner Wandel kein Wandel in Richtung Konformität, Selbstverkauf unter Wert und Bauprojekte um jeden Preis (dank einigermaßem wachen und regelmäßig hervortretendem zivilgesellschaftlichen Protest) war und in Zukunft auch nicht sein darf. Es ist nicht die Veränderungsdynamik der Spreedreieck-Baustelle oder die fortschrittvorgaukelnde Aussicht auf ein Mediaspree, was die Stadt für seine Bewohner bewohnenswert macht. Es ist der morbide Charme des dazwischens, des Unfertigen und dass Berlin sich traut, auch hier und da mal schmutzig zu sein (und bleiben zu dürfen!) und Stadtentwicklungsprojekte und -Perspektiven zu entwicklen, die nicht dem städtebaulichen Schönheitsideal einer Pralinenschachtel-City wie Paris oder Glas&Stahlbetonstadt wie London entsprechen.

    Die Art wie unbestimmt Sie über Mediaspree schreiben (“Nun kommen dort Gebäude hin die sehr sehr viel Geld nach Berlin bringen. Sowie sehr viele Arbeitsplätze.”) und ihre Frage nach dem Namensstifter für das Projekt lässt vermuten, dass Ihnen auch hier ihr Geburtsberliner-Status nicht über ihre Unkenntnis über das Mediaspree-Projekt hinweg hilft.
    Selbstverständlich erzeugt Mediaspree Beschäftigungseffekte ohne Zweifel. Die werden sich aber für Menschen in sozialversicherungspflichtigen Normarbeitsverhältnissen in Grenzen halten. Ein großer Teil wird als atypisch beschäftigte Leih- oder Teilzeitarbeitende wie in den geplanten Call Centern von Karstadt Quelle arbeiten, den breiten Niedriglohnsektor miteingeschlossen. Es kann Ihnen dann passieren, dass sie mit genau dieser polemischen Argumentation gegen “durchgefütterte Mittelempfänger” ins Schwimmen geraten, wenn in den Glaspalästen an der Spree in Zukunft die “Aufstocker” arbeiten, die staatlicherseits zusätzlich ihrem Niedrigeinkommen existenzsichernd versorgt werden müssen. Ein schönes Beispiel übrigens, das sich ihre schwarz-weiß Argumentation von steuerzahlenden Leistungsträgern und Schmarotzern nicht lange aufrechterhalten lässt.
    Höherqualifizierte Beschäftige im Medien- und Kommunikationsbereich werden im übrigen schon wie beim Einzug der Universal-Zentrale und MTV von den Unternehmen von woandersher mitgebracht.

    Dass Sie am Ende aber dann noch Bewohner in Quartieren mit teureren Mieten als die “besseren” bezeichnen irritiert ziemlich stark.

    (Strandbars heißen übrigens Strandbars, weil dort ein Strand aufgeschüttet ist. Und ja, man soll angeblich auch an imitierten Stränden nicht nur baden, sondern auch mal einfach nett was trinken können)


  • @ hagel

    “Wer kein Geld hat in Mitte o.ä. zu wohnen muss sich eben den Wohnort aussuchen der zum Geldbeutel passt.”

    das ist der beschiss es gibt leute, die seit 20/ 30 jahren und länger dort wohnen und auch deren kinder haben das recht, beim auszug von daheim, dort zu wohnen, wo sie immer gewohnt haben!!!

    berlin besteht nicht nur aus zugezogenen, heuschreckenschwärmen und spaß touristen. berlin ist (war?) auch die heimat von manch einem…


  • @schoeneberger

    Hab mal Ihren Text überflogen- Nicht gelesen, denke das ist auch nicht nötig.

    Eins ist mal sicher: Mediaspree wird kommen und die Mieten in allen Innenstadtbezirken weiter steigen.
    Genau wie die Innenstadt sauberer werden wird weil die “neuen” Bewohner sauberer sind.

    Was auch immer sie da mit Paris oder London vergleichen- die Berliner Innenstadt sollte dahin streben (wird sie auch tun).


  • Bin ein großer Fan von den ganzen kleinen selbstgemachten Locations entlang der Spree, und dort auch öfters unterwegs bis morgends.

    Dass es jetzt einen reflexhaften Protest gegen die zigarrerauchenden Kapitalisten gibt die dort alle vertreiben war einerseits zu erwarten, andererseits ist das auch ein Segen denke ich. Berlin lebt vom Wandel, man sollte es nicht versuchen zu konservieren, das geht komplett daneben (siehe Tacheles). Entsprechend ist es amüsant zu sehen, wie konservativ die Demonstrationen dort auf mich wirken, obwohl alle von sich weisen würden, auch nur ansatzweise konservativ zu sein.

    Ganz abgesehen davon und nebenbei: Mitwirkung ist gut und wichtig! Aber bitte zur rechten Zeit, nicht verpennen, und dann wenn mans zu spät rafft noch empört was melden wollen.


  • Im Gegensatz zu Tempelhof – ick war für offenhalten, warum lügen :-) – überzeugen bei Mediaspree so manche Pro- und Contra-Argumente gleichermaßen. Klar, dass die Arbeitsplätze die Proliste anführen. Hier muss was geschehen, Brachland wird als hip total überschätzt und teure Strandbars können sich HartzIV-Leute sowieso nur schwer leisten. Und DURCHGEHEND 50 Meter Uferfreiraum klingt ja fast nach Freihaltetrasse für eine zukünftige Autobahn, ungemütlich! Die meisten Contra-Argumente in die Richtung waren Schall und Rauch, Aktionismus eben, Spaß am Mediaspree versenken, Wohlstandskinder spielen Revolution. Aber es gab gute, überzeugende Argumente: Nicht, dass hier reurbanisiert wird ist das Problem, sondern wie – städtebaulich gesehen. Eine Gegnerin sprach von der Pflicht zur Verhinderung von uninspirierter 80er Jahre Investorenarchitektur. Richtig so! – fiese Beispiele, wie die meisten dieser Bauten ausgesehen hätten, sind sowohl auf Werbematerial zu sehen gewesen als auch anhand von früheren Investorenarchitektur-Bauten wie direkt an der Jannowitzbrücke.

    Die Hoffnung liegt auf einer der städteräumlichen Bedeutung (das Areal grenzt an die Altstadt!) angemessenen urbanen Bebauung, die erstmals aus diesem Teil der Spreeufers das volle Potenzial schöpft. Wenn hier Langweilkästen, Glas-Stahl-Monster und ähnliche Egotrip-Komplex-Globalbauten entstanden wären, hätte man Berlin städtebaulich nicht geholfen.


  • “Die Grenze verläuft nicht zwischen Oben und Unten sondern zwischen
    Dir und Mir.”

    http://streetfiles.org/photos/detail/39435/


  • vielen dank schöneberger, sie sprechen mir aus der seele.
    ich hoffe, die ignorante einstellung von hagel ist ein einzelfall und nicht symptomatisch für viele andere “berliner”
    “Hab mal Ihren Text überflogen- Nicht gelesen, denke das ist auch nicht nötig.” so kann man fehlendes argumentationsvermögen auch vertuschen..
    viele ihrer aussagen implizieren eine äußerst bedenkliche haltung.

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