Archiv für das 'Neukölln'-tag

Ämterchaos: So wehren sich Berlin-Besucher gegen die Umweltzone

Viele fluchen über das Ordnungsamt, andere schreiben nette Briefe. Hier eine Nachricht, die hinter der Windschutzscheibe dieser formidablen Ente am Neuköllner Maybachufer hing.

Liebes Ordnungsamt,

ich bin hier nur zu Besuch und dieses Auto ist 35  Jahre alt. Es ist ein Old-Timer und sie sollte normalerweise eine Ausnahmegenehmigung bekommen, aber das einzige Problem ist das sie Kennzeichen kommen aus Ausland. Ich war mehreren Mal in Zulassungsstelle, mehreren Mal bei dem Bezirksamt, und niemand weiss wie kann ich machen mit ein ausländisch Kennzeichen.

Der Eigentümer.

Street Style: Liberale Fönwelle in Neukölln

Friseursalon Weserwelle in der Weserstraße in Neukölln - Foto: Anne Onken

Was macht der Neuköllner in diesen Tagen? Auf einem Spaziergang durch den Reuterkiez wird er vielleicht vor diesem Haarsalon in der Weserstraße inne halten – und sich erinnern, dass er in einer Weltstadt lebt. In weniger als sechs Kilometern Luftlinie werden internationale Gäste empfangen, nimmt der neue Außenminister Englischunterricht. Und die Kanzlerin lässt Starfriseur Udo Waltz kommen.

Grund genug, sich selbst mal wieder einem Haarexperten anzuvertrauen? Die schleichende Winterdepression noch ein wenig hinauszuzögern dank neuem Großstadtlook? Bei der Freundin einer Freundin ging das Ganze nach hinten los. Ein Besuch bei einem “Haarstylisten”  im Reuterkiez löste bei ihr eine mittelschwere Depression aus. Besagter Haarkünstler war in Wirklichkeit gar kein Friseur und verpasste ihr ratzfatz ohne Vorwarnung einen Pony. Wo Ponys doch langsam aus der Mode kommen.

Ob man im Salon “Weserwelle” am Ende gar unter einer Trockenhaube landet und mit einer Fönwelle wieder aufwacht? Möglich wär’s. Gerade bei kleineren Läden empfiehlt sich ja eine Spezialisierung.  Das wäre echt cool – lauter Guidos im wilden Reuterkiez. Also, rennt zahlreich in die Weserstraße!

Vernissage Minisprech: Amy Winehouse in Neukölln

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Lidl späht seine Mitarbeiter aus, die französisch-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt kommt nach sechs Jahren Geiselhaft frei und Amy Winehouse trennt sich von ihrem Mann Blake. Lehman Brothers geht pleite. Sabrina Tibourtine hat diese und viele weitere Ereignisse des Jahres 2008 gesammelt. Für ihr Projekt Minisprech hatte sie Künstler gebeten, Schlagzeilen auf Postkarten zu illustrieren – tagesaktuell und fast ohne Worte. In Internet-Foren und in ihrem Freundeskreis trommelte die freiberufliche Illustratorin für ihr Nachrichten-Projekt.

_mg_4605 Knapp 70 Künstler und Illustratoren fanden die Idee toll und haben ihre Beiträge per Post an Tibourtine geschickt. An manchen Tagen zog sie mehrere illustrierte Postkarten aus dem Briefkasten, einige Künstler beteiligten sich monatlich. So kamen über 190 Einsendungen zusammen.

Amy Winehouse - Foto: Anne Onken“Spannend war, dass auch Nichtkünstler mitgemacht haben”, sagt Sabrina Tibourtine. Die jüngste Teilnehmerin, ein dreijähriges Mädchen, habe die Rettung einer Frau vor einem Krokodil gemalt.

Die Vernissage ist noch bis zum 2. November in der Musenstube in Neukölln zu sehen, die Illustration können bis 11. November über die Webseite von Minisprech ersteigert werden. Die  Hälfte des Erlöses wird an Ärzte ohne Grenzen gespendet.

Auktion der Illustrationen über www.minisprech.de

Vernissage Minisprech, Musenstube, Tellstraße  2, Berlin-Neukölln

Annette will in den Bundestag

Annette will in den Bundestag - Foto: Anne OnkenAnnette Köhn steht vor ihrem Atelier, der Musenstube, und malt mit Wasserfarben die letzten Plakate für die Bundestagswahl am 27. September aus: 150 hat die unabhängige Direktkandidatin aus dem Reuterkiez schon mit ihren Mitstreitern ausgemalt und aufgehängt -  alles Illustrationen von befreundeten Grafikern und Künstlern, die die 33-jährige Frau mit schwarzer Kastenbrille zeigen. “Erststimme Annette: Für MeinGeld – Bedingungsloses Grundeinkommen” steht auf einem, “Für Erhalt und Erschaffung kreativer Räume!” auf einem anderen.

“Ich konnte mir nicht vorstellen, mit meinem Foto hier überall im Kiez zu hängen”, sagt sie und deutet auf ein Portrait von Yusuf Bayrak, einem anderem parteilosen Neuköllner Direktkandidaten. Von Leuten auf der Straße erkannt zu werden – das wäre ihr doch nicht so recht.

Dabei dürfte die Freiberuflerin, die seit drei Jahren gemeinsam mit vier Mitstreiterinnen die Musenstube – eine Mischung aus Büro, Atelier und derzeit Wahlkampfzentrale – betreibt, im Kiez inzwischen bekannt sein. Immer wieder fanden Ausstellungen und Konzerte in der Musenstube statt, Annette hat mit Schülern der benachbarten Rütli-Schule einen Flyer zur Selbstdarstellung der Schule entworfen.

Wohl wegen ihrer Kiez-Prominenz könnte auch die Bergpartei auf Annette aufmerksam geworden sein: Sie hatte Annette einen Listenplatz in Neukölln angeboten – was diese zunächst entschieden abgelehnt hatte. Das Manifest der Partei von Berliner Kulturaktivisten überzeugte sie dann aber doch. Da die Bergartei nicht zur Bundeswahl zugelassen wurde, weil der Bundeswahlleiter Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Partei hatte, kandidiert Annette nun als eine von 23 unabhängigen Direktkandidatin in Berlin:   “Zu Ehren der Bergpartei”, wie sie in ihrem Weblog schreibt.

“Ich will mit meiner Kandidatur alle ansprechen”,  sagt Annette, “auch wenn die Kreativen natürlich meine Zielgruppe sind.”  In Neukölln, wo jeder vierte arbeitslos ist, könnte die Idee des unabhängigen Grundeinkommens einige Anhänger finden.  Sie selbst arbeite auch einen Teil ihrer Zeit unentgeltlich, erzählt Annette. Auch ihr Wahlkampf ist ein Low-Budget-Projekt, sie hat gerade einmal 250 Euro ausgegeben – die Arbeitszeit einmal nicht eingerechnet.

Ziegen auf die alte Landebahn

Schafe nach Tempelhof - Foto: Anne Onken

Tempelhof den Ziegen – ja, das hat was.  Anwohner könnten gegen eine kleine monatliche Gebühr ein Viech pachten, hätten täglich frische Milch. An besonderen Tagen würde das Gelände für Schul- uns Kindergartenkinder geöffnet; als riesiger Streichelzoo.

P.S. Das Plakat hängt übrigens an einem Eingang zur Hasenheide in Neukölln – einem Park, den viele Berliner leider aus den Augen verloren haben.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Klischee-Maschine Neukölln: Wenn Leitmedien den Absturz suchen

Hui, Spiegel-TV ist mal wieder investigativ, hat einen Film zu Neukölln gedreht, der in mehreren Folgen auf Spiegel Online zu sehen ist. Der erste kurze Clip zum “Hinterhof der Hauptstadt” ist seit heute online und porträtiert die “letzten Deutschen” im Bezirk. Natürlich in einer Kiez-Kaschemme, ausgerüstet mit Baseball-Schlägern gegen die Abgründe da draußen. In der nächsten Folge nähert sich der Regisseur dann einigen Gangsta-Kids.

Voyeuse, die ich bin, habe ich den Beitrag zu Ende geschaut – wenn auch mit Bauchschmerzen. Die Protagonisten kommen dabei nicht sonderlich gut weg: Eine wehrhafte Wirtin, die Wert auf die Feststellung legt, kein Opfer zu sein und ein latent fremdenfeindlicher Hausmeister, der sich dem Kampf gegen Sperrmüll verschrieben hat.

Aber darum geht es nicht. Mit reißerischen Sozialreportagen können Online-Medien jede Menge Klicks machen und ihren Zuschauern das Gefühl geben, anderen ginge es noch schlechter. Ressentiments und Vorurteile werden großzügig bedient, das Boulevard-Prinzip also auch beim Spiegel. Aber genug. Sonst entsteht hier noch der Eindruck, ich wollte ernsthaft Werbung für den Film machen.


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