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Archiv für das 'Medien'-tag

Zorn, Ärger und dann auch noch gerecht..

Kolumnisten haben es nicht leicht, besonders dann nicht, wenn die Kolumne “Mein Ärger” heißt, täglich erscheint und gerade nicht viel passiert in der Stadt. Gunnar Schupelius, Chef-Reporter der B.Z., empört sich in seinem letzten Beitrag über die seit nunmehr fast zwei Jahren geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen – auf 65 Kilometern des 1.540 km langen Hauptstraßennetzes darf nachts nur Tempo 30 gefahren werden. Mit 25 Stundenkilometern im Taxi über menschenleere Straßen in Richtung Wilmersdorf zu tuckern sei eine Zumutung, das Lärmschutz-Argument völlig aus der Luft gegriffen, meint Schupelius.

Mag ja sein, dass Wilmersdorfer Witwen einen guten Schlaf haben. Wer aber mit über 50 Km/h durch einige Ecken von Kreuzberg oder Friedrichshain düst, dem kleben wenig später entweder jugendliche Halbstarke an der Stoßstange, die es ihm beweisen wollen – auf dem Kottbusser Damm finden nachts zum Beispiel nicht selten Autorennen statt. Oder er läuft Gefahr, mit leicht angetrunkenen Radfahrern ohne Licht zusammen zu stoßen, was letztlich auch wieder einen Zeitverlust bedeutet. Warum also nicht gleich die S-Bahn nehmen? Wäre sicherlich auch der ideale Ort, Stoff für die nächste Kolumne zu finden.

Fernseh-Duell: Wedding gegen Friedrichshain

Chausseestraße in Wedding - Foto: Henning OnkenWedding: In den Wohnblocks der Chausseestraße wohnen fast nur Menschen, die nicht Maier oder Schulze heißen. Sie schauen tief in andere Welten, das sieht man an Hunderten von Satellitenschüsseln. Damit empfangen die Bewohner TV-Signale aus aller Welt – und besonders die von rund 170 türkischen Fernsehsendern. Etwa 4,5 Stunden sollen sie am Tag fern sehen, oft läuft die Kiste auch nebenbei, als angenehmes Hintergrundrauschen.

Über diesen Anblick machen sich Stadtplaner seit Jahrzehnten Sorgen. Sind die Bewohner wirklich in Berlin angekommen oder bleiben sie gefangen in einem Medienghetto? Doch der Schein trügt. Die vielen Schüsseln mögen ein Stück Heimat in die vier Wände bringen, aber besonders die jüngere Generation schaut sich TV Total und Dieter Bohlen längst genauso an wie türkische Seifenopern.

Friedrichshain: Irgendwo auf einem Dach im Samariterviertel. “Don’t watch stupid TV” hat jemand auf eine einsame Satellitenschüssel geschrieben. Wie kann man nur so dumm sein, sich eine Glotze in die Bude zu stellen? Der Verfasser dieser Botschaft gegen die Verblödung kam wohl selbst nicht von allzu weit her. Aus Stuttgart oder Bremen, vielleicht aus London.

Stupid TV - Foto: Christian Hetey

Die meisten Zugezogenen in diesem Bezirk scheinen jedenfalls nicht unter so starken Heimweh zu leiden wie einige Bewohner des Wedding. Sie geben sich in der Regel mit den 26 Digitalkanälen zufrieden, die über eine kleine Box zu empfangen sind – außer jenem Kulturkritiker natürlich.

Aber nach einem Halbjahres-Trip durch die Mongolei wäre wahrscheinlich auch er heimlich erfreut über eine Folge Lindenstraße oder die Stimme von Harald Schmidt.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Foto (1) von Henning Onken, Foto (2) von Christian Hetey

So bloggt Berlin

Immer wieder werden wir gefragt, welche Berlin-Blogs unbedingt lesenswert seien. Es müsse ein oder zwei allumfassende “Überblogs” der Hauptstadt geben, die einem die Suche ersparen. Wie so oft ist die Antwort eine Liste. Ja, es gibt sie – Menschen, die direkt und unverfälscht berichten, aus ihrem Leben oder Kiez. Und es werden mehr.

Manche Blogs sind ziemlich speziell – etwa wenn jemand einzig und allein über seinen Hund schreibt. Andere wiederum erleben eine kurze Blüte und schlafen dann wieder ein. Aber das ist gut so, wir wünschen Berlin alles, nur kein “Überblog”. Und wenn wir sagen, dass die nachfolgenden Tipps relevant sind – sie sind es. Aber nicht vollständig.

  • Spreeblick: Das wohl meistgelesene Blog aus Berlin von Johnny Haeusler, Frédéric Valin, Malte Welding und anderen. Beiträge haben nicht immer Berlin-Bezug.
  • Das Modersohn-Magazin: Claudia Klinger wohnt nahe der Modersohn-Brücke in Friedrichshain, widmet sich in ihrem Weblog aber auch anderen Ecken des Stadtteils. Sie bloggt u.a. über Stadtrückbau, Umweltverschmutzung und Lebensqualität in Friedrichshain.
  • Hauptstadtblog: Gemeinschaftsblog mehrerer Autoren, in dem (fast) alle relevanten Berlin-Themen kommentiert werden. Jeden Tag erscheint eine Presseschau. Teilweise entstand der Eindruck, die Springerpresse hätte sich eingekauft, so sehr wurde für den Flughafen Tempelhof getrommelt..
  • A Berlin: Weblog des Schriftstellers Didier Laget, originelle Alltagsbeobachtungen, vor allem aus Kreuzberg und Neukölln. Tolle Fotos.
  • Just.blogsport.de: Kunst ist Kommerz – das muss aber nicht immer so sein. An vielen Stellen Berlins ist sie lebendig, ohne dass ihre Schöpfer das große Geld machen. Es gibt in Berlin kaum ein leerstehendes Fabrikgelände, auf dem er nicht war: Just zeigt in seinem Streetart-Blog die Stadt als Leinwand – mit guten Fotos.
  • Ostkreuzblog: Seit 2006 dokumentiert Stefan in seinem Online-Tagebuch den Umbau des Ostkreuzes, fotografiert, wertet Presseartikel aus.
  • blog.rebellen.info: pEtEr und Nilos Blog aus Kreuzberg mit den Schwerpunkten Musik und Kunst, insbesondere Streetart.
  • Berlin ist: Ausführliche und ansprechend bebilderte Rezensionen zu Ausstellungen, Konzerten von Magnus Hengge und Mitstreitern.

Eigentlich ist diese Liste viel länger. Welches Berliner Blog vermisst ihr? Schreibt doch bitte einen Kommentar mit Link zu der Seite.

Neues Deutschland im Rentnerkiez

Großer “Coup der BRD” und “Silberlinge für Ungarn” – an diesen Artikel in der Tageszeitung Neues Deutschland (ND) muss ich am Franz-Mehring-Platz in Friedrichshain hin und wieder denken, wenn die großen Lettern auf dem Hochhausdach zwischen den Plattenbauten auftauchen. Ein Rentner hatte mir einige Wendezeit-Ausgaben aus seinem ND-Archiv geliehen. Wie er über den Massenexodus von DDR-Bürgern in den Westen dachte, war klar: Die Partei hat immer Recht, heute mehr denn je.

Inzwischen ist auch das ehemalige SED-Zentralorgan auflagenabhängig und auf der Suche nach neuen Lesern. Manches Autorenstück berichtet links aber undogmatisch über Lateinamerika und wäre kaum anderswo zu lesen gewesen. Wie die großen Hauptstadt-Blätter veranstaltet auch das ND Podiumsdiskussionen und Matineen. Anfang Oktober gibt es etwa eine Veranstaltung, auf der Honecker-Nachfolger Egon Krenz die Justiz im Arbeiter- und Bauernstaat mit der “BRD” vergleicht. Der Eintritt ist umsonst. Auf der neu gestalteten Webseite werden zudem kostenlose Englischkurse beworben – eine Weltsprache, an der man kaum vorbeikomme.

1993 zog die Redaktion an den Ostbahnhof und kehrte vor zwei Jahren wieder zurück an die alte Adresse. Dort liegen auf den Gehwegen noch die alten quadratischen Platten aus den 70er Jahren. Ein paar Straßenecken weiter hat vor kurzem Deutschlands erster seniorenfreundlicher Supermarkt eröffnet und bereichert den Kiez mit breiten Gängen und Lupen für kleingedruckte Preisschilder.

Damit wären wir zurück bei dem linientreuen Rentner mit dem ND-Archiv. Gelingt es der Zeitung, die 1987 in einer einzigen Ausgabe gleich 41 Mal das Foto von Erich Honecker abdruckte, auch jüngere Leser zu erreichen? Will sie künftig im sozialdemokratischen Mainstream schwimmen? “Wir sind eine [...] Zeitung mit einer Themenpalette wie alle anderen”, sagt Chefredakteur Reents. Mit einer Kolumne “heute vor 50 Jahren im ND” dürfte sich das Blatt aber noch einige Jahrzehnte zurückhalten.

Fotostrecke: Fassaden der Hauptstadt

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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