Wedding: In den Wohnblocks der Chausseestraße wohnen fast nur Menschen, die nicht Maier oder Schulze heißen. Sie schauen tief in andere Welten, das sieht man an Hunderten von Satellitenschüsseln. Damit empfangen die Bewohner TV-Signale aus aller Welt – und besonders die von rund 170 türkischen Fernsehsendern. Etwa 4,5 Stunden sollen sie am Tag fern sehen, oft läuft die Kiste auch nebenbei, als angenehmes Hintergrundrauschen.
Über diesen Anblick machen sich Stadtplaner seit Jahrzehnten Sorgen. Sind die Bewohner wirklich in Berlin angekommen oder bleiben sie gefangen in einem Medienghetto? Doch der Schein trügt. Die vielen Schüsseln mögen ein Stück Heimat in die vier Wände bringen, aber besonders die jüngere Generation schaut sich TV Total und Dieter Bohlen längst genauso an wie türkische Seifenopern.
Friedrichshain: Irgendwo auf einem Dach im Samariterviertel. “Don’t watch stupid TV” hat jemand auf eine einsame Satellitenschüssel geschrieben. Wie kann man nur so dumm sein, sich eine Glotze in die Bude zu stellen? Der Verfasser dieser Botschaft gegen die Verblödung kam wohl selbst nicht von allzu weit her. Aus Stuttgart oder Bremen, vielleicht aus London.
Die meisten Zugezogenen in diesem Bezirk scheinen jedenfalls nicht unter so starken Heimweh zu leiden wie einige Bewohner des Wedding. Sie geben sich in der Regel mit den 26 Digitalkanälen zufrieden, die über eine kleine Box zu empfangen sind – außer jenem Kulturkritiker natürlich.
Aber nach einem Halbjahres-Trip durch die Mongolei wäre wahrscheinlich auch er heimlich erfreut über eine Folge Lindenstraße oder die Stimme von Harald Schmidt.
Fotostrecke: Berliner Seitenblicke
Foto (1) von Henning Onken, Foto (2) von Christian Hetey










Also ich finde diese Schüsseln echt eine Grund, da Menschen mit eine bestimmte sociale Hintergrund zu erwarten. Das können sie auch sehen an Gardinen. Geschmack entlarvt, wenn man das so sagen kann..
wieso sollten leute aus anderen ländern nicht sender aus ihrer heimat empfangen? ist doch gut, den kindern ein stück eigene kultur vermitteln zu können. auch wenns “nur” fernsehen ist..
klar, gebühren zahlt keiner gern. aber ein gutes hörfunk und fernsehprogramm ist halt nicht umsonst. der rbb hat gerade vor zwei wochen angekündigt, dass wegen fehlender mittel das wie ich finde sehr gute radio multikulti eingestellt werden muss.
http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/das-ende-von-multikulti/?src=TE&cHash=bdf8018863
@Frieda
Wegen “fehlender Mittel”? Bei den ‘zig Milliarden Zwangsgebühren, die die Staatssender jährlich erhalten? Wohl eher wegen fehlender Zuhörer wird der Multikultisender in Brandenburg eingestellt, meist du nicht auch? Denn Multikulti und Brandenburg, das passt nämlich so in etwa zusammen wie Eisbein und Leberknödel und China.
in berlin sind nun mal mehr leute von gez-gebühren befreit als in anderen bundesländern, entsprechend fallen die einnahmen des rbb aus. brandenburger alle über einen kamm zu scheren, finde ich nicht richtig. es sind nicht alle so dumpf national, wie sie suggerieren.
mulitkulti ist wichtig für eine metropole wie berlin, auch wenn es ganz klar ein nischenprodukt öffentlich rechtlicher ist.
die öffentlich-rechtlichen sind eben die einzigen, die sich qualitäts- und nischenprogramme leisten könnten, und das ist genau nur durch die gebühren möglich – in der freien wirtschaft geht so etwas nicht.
und natürlich trägt sich ein radio multikulti nicht von selbst. das wird dadurch finanziert, dass man eben auch schlichte pop- und schlagersender hat, die im vergleich sehr viel weniger kosten verursachen, aber durch die höhere hörerzahl mehr werbeeinnahmen erzielen kann.
daher scheitern ja auch alle privaten programme mit anspruch – man muss eben mindenstens zwei sender haben: einen billigen ramschsender, der das geld reinbringt und einen teuren qualitätssender, der dadurch subventioniert wird. aber wozu, wenn man mit dem ramschsender alleine mehr verdienen kann.
Klasse Foto – gute Perspektive!!
Ob sich da jemand von den GEZ Schergen traut zu klngeln bezweifel ich sehr stark.
@nina
wo leben Sie denn?
Diese Kinder die hier in Deutschland geboren wurden, haben scheinbar noch nie “ihre “Heimat” gesehen.