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Archiv für das 'Plattenbau'-tag

Nur Kunst: Neue Plattenbauten im Kiez

Während die halbe Republik Fußball schaut, könnte der ein oder andere Künstler die Gelegenheit ergreifen, ungesehen Plakate zu kleben. Dieser zu einem Plattenbau umfrisierte Stromkasten stand schon so im Friedrichshainer Südkiez, bevor Deutschlandfahnen vor vielen Balkonen wehten.

Wer mehr Streetart sehen möchte: Am 5. Juli eröffnet in Friedrichshain die Streetart und Urban Art Ausstellung URBAN AFFAIRS. Viele der bekannten Berliner Streetartisten werden dort vertreten sein.

Die Ausstellung läuft vom 5. Juli bis zum 3. August 2008 in der Brauerei Friedrichshöhe, Landsberger Allee 54.

Fotostrecke: Berliner Streetart

Schlaflos am Bersarinplatz

Palmwedel am Bersarinplatz - Foto: Anne Grieger

In der Bezirksverwaltung von Friedrichshain sitzen offenbar Leute, die mitdenken. Und für gute Ideen zu haben sind. Am Bersarinplatz, einer der befahrensten Plätze im Bezirk, wurden vor einiger Zeit Palmwedel und andere exotische Gräser gepflanzt. Ein wenig Grün zwischen all den spätsozialistischen Plattenbauten des Typs WBS 70. Abgas- und hitzeresistente Pflanzen, die nicht gleich eingehen und wahrscheinlich billiger sind, als die sonst gängige Friedhofsbepflanzung.

Das Konzept klingt gut, doch den Anwohner ist es offenbar gleichgültig. Menschen sieht man auf der Insel inmitten des Kreisverkehrs selten, und wenn, dann mit Hund. Zweimal die Woche müsse die Fläche von Hundekot befreit werden, schreibt der Landschaftsplaner Marc-Rajan Köppler, der das Projekt 2006 initiiert hat und ehrenamtlich weiterführt. Auch Stauden werden wahllos rausgerupft.

Das hätte wohl den Namensgeber des Platzes, Nicolai Bersarin, ganz schön in Rage versetzt. Der erste sowjetische Stadtkommandant soll 1945 innerhalb weniger Tage zackig die öffentliche Ordnung und Grundversorgung der Bevölkerung wiederhergestellt haben. Auch wenn er nicht genug gegen vergewaltigende Rotarmisten getan hat, wurde ihm dafür Jahre später von der DDR posthum die Ehrenbürgerschaft verliehen (und dann 1992 von der BRD gleich wieder entzogen).

Ein Besuch des Bersarinplatzes lohnt sich vor allem nachts. Dann ist alles dunkel und ruhig und der Platz erstrahlt in einem schaurig-grellen Licht. Einem Licht aus Neonröhren, mit denen die neue Eigentümerin des Plattenbaukomplexes jedes Dach anstrahlt – das dürfte den Anwohnern so manche schlaflose Nacht bereiten.

Bersarinplatz bei Nacht - Foto: Henning Onken

Fotostrecke: Berlin bei Nacht

Von der Kaufhalle zum Sexdiscounter

Foto:Anne Grieger

Etwas trostlos wirkt die Kulisse des Potsdamer Erotik-Marktes an diesem Dienstag morgen, es gibt aber tatsächlich Kunden. Meist ältere Männer, die schnell das Weite suchen. Keine zwei Kilometer Luftlinie vom Park Sanssouci, dem die Unesco den Status des Weltkulturerbes verlieh, steht also dieser Klotz aus DDR-Zeiten.

Vor der Deutschen Einheit war der eingeschossige Bau wahrscheinlich eine Kaufhalle, ein volkseigener Supermarkt mit staatlich festgelegten Preisen. Heute kommen vor allem Schnäppchenjäger auf ihre Kosten. Geiz ist geil, besonders wenn es um Artikel geht, die man nicht für jedermann sichtbar auf der Fensterbank im Wohnzimmer aufbauen kann.

Ob sich nach der Privatisierung Widerstand gegen Erotik-Discounter-Konzept formiert hat? Anwohner, die eher einen Abriss des Gebäudes befürwortet hätten, als eine derartige Nutzung? Wenn auch kaum Investoren Interesse an einem solchen Objekt haben dürften – es gibt durchaus wertvolle Zwischennutzungs-Konzepte für leerstehende DDR-Bauten.

In Berlin-Friedrichshain haben sich etwa Künstler provisorisch in einer ehemaligen Kindertagesstätte eingerichtet. Bis das Gebäude abgerissen wird, bleibt viel Raum für Vernissagen, Workshops und Partys.

Künstler-Kita: Zusammen malen bis zum Abriss

Was lässt sich tun gegen Leerstand in Berlin? Von Anwohnern fast vergessen, rottete bis vor kurzem eine Plattenbau-Kindertagesstätte am Bersarinplatz in Friedrichshain vor sich hin. Im letzten Jahr versuchten einige Hausbesetzer, den dreigeschössigen Bau als Kulturzentrum zu nutzen, doch die Polizei setzte der Aktion schnell ein Ende.

Im Juni 2007 zogen 32 Künstler in die Kita und dürfen diese in Absprache mit dem Besitzer bis zum Abriss im nächsten Jahr nutzen. Bis dahin richten sie dort Ateliers ein, musizieren gemeinsam, malen und feiern Partys. Traurig über das nahende Ende des Projekts und den Verlust ihrer Räume sind sie nicht.

Das Temporäre sei Teil des Konzepts der Künstler-Kita, meint etwa Julian Ronnefeldt, der Gründer des Projekts. Wenn an gleicher Stelle im nächsten Jahr Loftwohnungen gebaut werden, werden er und seine Künstler-Kollegen mit etwas Glück schon woanders arbeiten können: Es gibt in Berlin noch viele baufällige Gebäude, um die sich niemand kümmert, darunter auch so manche Plattenbau-Kita…

Mehr Infos unter: www.k-ita.de

Hinter Friedrichshain. Do widzenia, Lichtenberg!

Alt-Friedrichsfelde

Alle wollen Texte über Berlins Ostbezirke, aber kaum jemand opfert ernsthaft einen Tag, um die Schlafstädte aus DDR-Zeiten selbst zu erkunden. Schade eigentlich. Schaurig schön Lichtenberg mit seinen “Neubausiedlungen” (Platten, die ab Anfang der 70er Jahre entstanden, und weitgehend saniert wurden), den vielspurigen Straßen und dem großen Bahnhof, an dem Fremde ungerne umsteigen. Der Reiz besteht vor allem darin, dass man kaum Touristen oder Berlin-Schwaben begegnet und auch keinen Rheinländern.

Folgt man der Frankfurter Allee von Friedrichshain Richtung Osten, gelangt man automatisch nach Alt-Friedrichsfelde. Die Straße, in der die Gebäude zig-geschossig in den Himmel ragen, hieß früher “Straße der Befreiung” und verbindet Berlin und Warschau wie eine Achse. Wer noch weiter ostwärts fährt, landet irgendwann in Moskau. Hier, wo niemand aus Restdeutschland freiwillig seine Zelte aufschlagen würde, in einer kleinen Nebenstraße, haben sich Arbeiter aus Polen niedergelassen.

Sie haben Wäscheleinen gespannt, Satellitenschüsseln montiert und polnisches Bier herangeschafft. Reichlich abgerockt wirkt das unsanierte Gebäude, auf der Rückseite wuchert das Unkraut von den Balkonen. Ob es sich hier aushalten lässt?

“In dem Haus war früher ein Kinderheim”, erzählt eine Freundin, die in der Nachbarschaft aufgewachsen ist. Kinder gibt es in dem Bezirk immer weniger, an Schulschließungen führt offenbar kein Weg vorbei. Von den neun Gymnasien 2003/2004 sind laut einer Publikation des Bezirkes im Jahr 2006 gerade mal sechs übrig geblieben, von neun Gesamtschulen 2003/2004 nur fünf. Im Jahr 1995 gab es doppelt so viele sechs- bis 18-Jährige wie heute.

Die polnischen Arbeiter – fernab von ihren Familien, von ihren eigenen Kindern irgendwo in Breslau oder Danzig. Bedeuteten die Plattenbausiedlungen, die im gesamten früheren Ostblock von Halle bis Stettin gleich aussahen, vielleicht ein Stück Heimat in der Fremde?

Wahrscheinlich sehen es die Leute eher pragmatisch und haben sich gar nicht erst um Altbauwohnungen in Prenzlauer Berg bemüht. Die Mieten in Lichtenberg sind vergleichsweise moderat und aufgrund der vielen Hochaltrigen im Bezirk scheint es einen Bedarf an haushaltsnahen Dienstleistungen zu geben. Gleich gegenüber befindet sich übrigens ein Altenheim – vom gleichen Wohnungstyp wie das frühere Kinderheim – nur aufwendig saniert.

Das Ende eines Marzahner Plattenbaus

Plattenbau Abriss in Marzahn

Am Ende gleichen sich die Bilder – alles sieht aus, wie am Anfang: Auf der Wiese stapeln sich Platten und daneben wird gewerkelt. Wenn Arbeiter einen WBS 70 zerlegen, reißen sie Bauelemente komplett mit Fenstern und Gardinen heraus. Die liegen jetzt vor der Ruine in der Wuhlestraße und warten auf den Abtransport. Auf jeder Platte ist das Fertigungsdatum noch lesbar: 13. Mai 1983, 27. Juni 1983.

Damals lagerten diese Platten hier, um im Legoland des sozialistischen Wohnungsbaus zu 11-geschössigen Hochhäusern zusammengesetzt zu werden. Den Sozialismus vorantreiben: Erst wurde die S-Bahn gebaut, dann schoss der erste Satellit der Marzahner Großsiedlung in die Höhe.

Plattenbau Abriss in Marzahn

“Wir blicken voller Angst in eine ungewisse Zukunft.” Die Entscheidung zum Abriss kam besonders für ältere Bewohner überraschend, die vor mehr als zwei Jahrzehnten als erste hier einzogen. Ein Mieter wollte nicht freiwillig gehen und lebte bis kurz vor Beginn der Abrissarbeiten allein in einem Geisterhaus. Doch die meisten seiner ehemaligen Nachbarn haben sich mit der Situation längst arrangiert, wohnen in umliegenden Neubauten oder in sanierten Platten.

“Gut, dass der Klotz endlich wegkommt”, freut sich ein Anwohner. Die Senatsverwaltung macht unsanierte Platten wie diese für einen Leerstand von zwölf Prozent in den 1323 Wohnungen im Kiez um die Wuhlestraße verantwortlich.

Plattenbau Abriss in Marzahn

Platte mit Aussicht? Aus den Wänden, zwischen den sich das Leben hunderter Menschen abspielte, entsteht wieder Beton. Alles kommt zurück und wandelt nur seine Form im Arbeiterschließfach-Zyklus. Und die alte Form passte nicht mehr in unsere Zeit. Aber hat sie nicht einen kleinen städtebaulichen Moment lang hell geleuchtet, hat von Berlin bis Ulan Bator im ganzen Ostblock Menschen ein Zuhause gegeben.

Und nicht überall müssen alte Plattenbauten verschwinden. “Das sieht aus wie bei uns”, meinte eine Bekannte aus Moskau, als wir mit dem Auto aus dem Umland auf die Silhouette von Marzahn zu fuhren. Sie hat gelächelt. Wirklich.

Hellersdorf: Museumswohnung in der Platte “WBS 70″

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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