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Archiv für das 'Friedrichshain'-tag

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Berlin brutal #12: Von Flaschensammlern und Rattenfängern

Glas klirrt, im Hof durchwühlt jemand Altglas-Tonnen. Es ist nicht das erste Mal, dass Leute darauf hoffen, in unserer Straße ein paar Cents durch Mehrwegflaschen dazu zu verdienen – aber dafür durch Hinterhöfe streifen? Im benachbarten Park konnte man im Sommer abends oft die gleichen Gesichter beobachten, Menschen, die verschämt nach leeren Bierflaschen griffen, um diese dann eilig in ihren Taschen verschwinden zu lassen.

Da zieht ein älterer Herr mit Aktentasche los, ein scheinbar normaler Frührentner in Popelin-Klamotten, der zur Aufbesserung seines Monatsbudgets offenbar auf diesen Nebenverdienst angewiesen ist. Viele seiner “Kollegen” sind bei näherer Betrachtung ähnlich unscheinbar: Ältere Frauen mit Einkaufsrollern, die sich nach einem Blick in den Müllbehälter schnell wieder unauffällig unter die Leute mischen.

Vielleicht ist der Eindruck selektiv, aber die Zahl derer, die jenseits von regulärer Erwerbsarbeit, Hartz IV oder nach verspekulierten Lehmann Brothers Zertifikaten ihre Haushaltskasse aufbessern müssen, scheint weiter zu steigen. Es gibt kaum noch einen Supermarkt in Friedrichshain, vor dem kein Straßenzeitungsverkäufer sein Glück versuchen würde, von S- und U-Bahnen ganz  zu schweigen. Auf der Fahrt mit der S-Bahn nach Potsdam begegnet man pro Strecke mindestens zwei Zeitungsverkäufern und einem Straßenmusiker, oft sogar mit Kindern im Schlepptau.

Wenn Henner Schmidt, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP im Berliner Abgeordnetenhaus, dann auch noch fordert, arme Berliner sollten sich ein Zubrot durch Rattenjagd verdienen, kann einem nur schlecht werden.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Endstation Ostkreuz

Drängeln, schubsen oder wahlweise anderen volle Einkaufstüten in den Bauch rammen – in diesen Tagen am Ostkreuz keine Seltenheit. “Es geht hier zu wie auf dem Schlachthof”, grummelt ein Mann in grauer Daunenjacke, der seine Familie vor sich her schiebt, bemüht, schnell wegzukommen. Der Bahnhof, der seit über zwei Jahren im laufenden Betrieb umgebaut wird, ist alles andere als gemütlich.

Bahnsteige werden erneuert, Fahrgäste zum Umsteigen gezwungen. Niemand will länger als nötig im eisigen Wind stehen, wer eben kann, meidet das Ostkreuz. Hier trotzdem einige Eindrücke..

Fotostrecke: Ostkreuz-Umbau

Von der Landung eines Ufos in Berlin-Friedrichshain

Es ist halb zwei Uhr morgens und da ist ein Licht, ein gleißendes Leuchten vor dem Fenster. Es kommt näher. Senkt sich vom Himmel herab. Schau nicht hinein, lauf weg, sonst nehmen dich die Aliens mit nach Tralfamadore. Tschüss Berlin? – Nein, Schnitt! Noch einmal.

Sie stehen unter ihrem Ufo auf der Straße und sehen ziemlich menschlich aus, die Aliens. Das Licht fällt auf Fassaden und eine falsche Bushaltestelle, die sie von irgendwo her in die Rigaer Straße in Friedrichshain verfrachtet haben. Noch am Tag danach sieht man hier Menschen verwundert auf einen Bus nach Nirgendwo warten, aber das nur nebenbei.

“Nein, Sie können nicht durch, hier wird gedreht”. Den ganzen Abend geht das schon so und am meisten genervt sind die Helfer der Filmcrew, die den Frust von Anwohnern abbekommen. Schließlich knallt es – Böller fallen vom Dach, ein Mitarbeiter erleidet einen Hörschaden. Die Polizei schnappt zwei Verdächtige, von denen einer eine Hassi, also eine Sturmhaube trägt.

Die Aliens sind also mitten unter uns und sind nicht immer nur Banker. Manchmal tragen sie auch Sturmhauben oder flimmern und leuchten einem im Fernsehen entgegen. Gute Nacht!

Fotostrecke: Berlin bei Nacht
Foto: Christian Hetey

Strand ohne Bars: Endzeit im Niemandsland

Erst wenn es richtig kalt wird, fällt die Ödnis hinter der East Side Gallery ins Auge. Der schmale Sandstreifen an der Spree ist seit dem Bau der Mauer ein Niemandsland geblieben, das mal eine Wagenburg beherbergte und nach deren Räumung Strandbars als Zwischennutzer anzog.

Mit dem Sommer sind die Holzbuden und Liegestühle verschwunden, in der Ferne blinkt einsam eine Riesen-Anzeigetafel der O2-World vor den Türmen der Oberbaumbrücke. Bewegung herrscht nur noch auf der anderen Seite der Mauer, wo jetzt Denkmalschützer in grünen Anoraks patrouillieren und Touristen verwarnen, die ihre Initialien auf der Mauer hinterlassen wollen.

Nächsten Sommer geht die Party weiter, versprechen die Betreiber des Oststrands, doch über kurz oder lang machen die Baupläne von Mediaspree den meisten Strandbars am Spreeufer den Garaus.

Diese Angst teilt der Betreiber der Bar 25 in der Holzmarktstraße, wenige hundert Meter weiter in Richtung Mitte. Eine Tochtergesellschaft der Berliner Stadtreinigung will dort Hotels, Büros und Wohnungen bauen – und die Partypeople samt ihren Holzhütten bis zum 31. Oktober hinauswerfen. Freiwillig gehen wollen die jedoch nicht.

Strandbars sind den meisten Friedrichshainern und Kreuzbergern symphatischer als Büroklötze, soviel hat der Bürgerentscheid “Mediaspree versenken!” gezeigt. Doch anders als die verhassten Investoren hat sich die Masse der Strandbar-Betreiber auch nicht verhalten: Was frei für alle zugänglich sein sollte, wurde eingezäunt und am Eingang selektiert ein Türsteher gnadenlos die lange Schlange. Spreeufer für alle? Nein, das ist wie in einer Promi-Disse.

Aber jetzt, wo der Winter kommt, möchte man rufen: Seht her, das Spreeufer gehört wohl nie mehr so sehr den Berlinern wie gerade jetzt!

Fotos: Das Berliner Spreeufer

Berlin brutal #12: Im Hitler-Look über die Landsberger Allee

In den meisten Bezirken Berlins ist es egal, wie man sich gibt, mit welchen Klamotten man herumläuft. Das fällt immer wieder Leuten auf, die vorher in vermeintlich chiceren Städten gewohnt haben. Mehr als befremdlich heute ein Fast-Zusammenstoß mit einem Hitler-Double in Friedrichshain – Frisur und Schnäuzer saßen nahezu perfekt. Der Kerl sah nicht aus, als wolle er zu einem Drehtermin, auf der Rückbank seines Autos lümmelte ein Typ in Armee-Outfit.

Intuitiv blieb ich stehen, obwohl die Fußgänger-Ampel grün zeigte. Starrte in den roten (!) Kleinwagen mit Brandenburger Kennzeichen. Der Mann am Steuer starrte zurück, gab dann aber Gas. Ich malte mir aus, Friseuse in einer brandenburgischen Kleinstadt zu sein: Da poltert dann ein Kerl herein, der “einmal wie Hitler” verlangt? Grotesk. Überhaupt: In welchem Umfeld bewegen sich solche Leute, welcher Arbeitgeber würde sie beschäftigen? Als Kundenberater? Wofür?

In Köln planten Rechtsextreme vor einigen Wochen einen Kongress, auf dem selbst rechte Spitzenpolitiker der aus dem europäischen Ausland teilnehmen sollten. Die Veranstaltung ist grandios gescheitert, unter anderem, weil sich die Taxi-Fahrer der Stadt weigerten, Teilnehmer zu befördern, Kneipiers kein Bier ausschenkten und und und. Sollte das nicht auch in Berlin und Brandenburg möglich sein?

Fotos aus Friedrichshain

Die Überlebenden der Umweltzone kehren zurück

Verschwunden im Umland oder billig gen Osten verschachert: Aufgeräumt sollte Berlins Autobestand eigentlich sein, seit mit dem Start der Umweltzone im Januar ältere Autos draußen bleiben müssen – oder für viel Geld mit Feinstaubfiltern nachzurüsten sind. Die Sünder der Umweltzone verstecken ihre Karren seither auf Privatparkplätzen oder außerhalb der neuen Demarkationslinie. In der Kiefholzstraße in Treptow, zum Beispiel, finden Anwohner kaum noch Parkplätze, weil alles voll steht mit alten Wagen.

In den letzten Monaten ähneln die Einschränkungen jedoch mehr dem Rauchverbot in Kneipen: Erst pafft man draußen, dann wieder drinnen: Vergesst die Strafen, weg mit der Dummweltzone! Der Senat verzeichnet eine starke Zunahme der erwischten Zonensünder, auch wenn die zu zwei Dritteln als Touristen nach Berlin kommen und die Strafzettel als eine Art Willkommensgruß erhalten.

Glück hat, wer mit seinem Oldtimer der “Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes” dient und sich den Ärger sparen kann.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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