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Archiv für das 'Friedrichshain'-tag

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O2 World: Nächste Ausfahrt Wrangelkiez?

O2-Arena

Das Potsdamer-Platz-Feeling der frühen 90er Jahre gibt es noch: Auf der Warschauer Brücke stehen zwar keine Touristen vor einer Infobox Schlange, um sich über das Bauvorhaben Nahe des Ostbahnhofs zu informieren: Aber die Kräne, die dort gegenüber der East Side Gallery in den Himmel ragen und bei Einbruch der Dunkelheit wie schlafende Riesen wirken, erinnern an den Bauboom der Nachwende-Zeit.

Am Ostbahnhof entsteht die O2 World – eine Mehrzweckhalle, in der ab Herbst nächsten Jahres bis zu 17.000 Menschen Konzerte und Sport-Ereignisse anschauen sollen. Nur der Bau eines Riesenrades war dem US-Investoren Philip Anschutz anscheinend eine Nummer zu groß. Ein Aufreger ist die Baustelle aber trotzdem: Es scheint schon für einen Artikel zu reichen, wenn dort einige Stahlträger montiert werden.

Videoüberwachter Charme von abgeriegelten Bürobauten am Spreeufer?

Trotz der zahlreichen Berichte in der Berliner Presse bleiben offene Fragen: Wozu brauchen wir eine weitere Großhalle, die den “Kuchen aus Veranstaltungen” nicht vergrößern kann? Und falls die Halle doch zum Besuchermagneten wird: Wie wirkt sich der Massenansturm auf Süd-Friedrichshain und Kreuzberg 36 aus?

Im Rahmen des Investorenprojekts Media Spree wurden zwischen Jannowitz- und Elsenbrücke brach liegende Gelände am Spreeufer mit dem Ziel gekauft, im ehemaligen Grenzgebiet Medienunternehmen anzusiedeln. Als Vorbild des vom Senat geförderten Stadtumbaus gelten “HafenCity” Hamburgs oder die “London Docklands”. Der videoüberwachte Charme von abgeriegelten Bürobauten im Regierungsviertel macht sich auch am Spreeufer breit, nicht nur bei Universal und MTV.

Wenn sich Angestellte und Besucher in die “angesagten Bars und coolen Locations” aufmachen, wie es in einem Werbefilm der Investorengruppe heißt, dann dürfte sich dort einiges ändern. Nicht nur Latte Macchiato-Trinker mit Apple-Laptops im Wrangelkiez, sondern auch steigende Mieten werden die Folge sein. Die schöne neue “Sauerstoffwelt” wird zumindest viel CO2 produzieren, wenn wie geplant eine Autobrücke von der Brommystraße über die Spree gebaut wird.

Im Kiez wird geplündert

Kleiderbox in der Liebigstraße - Foto: Henning Onken

Schon wieder ist dieser Altkleidercontainer in der Liebigstraße umgekippt und geplündert worden. Zerschlissene Jeans, Pullover aus den 70er Jahren und ein Paar Pumps, die meiner Großmutter hätten gehören können, liegen verstreut darum herum.

Wer tut so etwas? Kinder ohne Taschengeld? Jugendliche, die hoffen, ein seltenes T-Shirt von Nike zu finden? Oder Punks, die gleich noch ein paar Löcher mehr in die kaputte Hose schneiden? Wahrscheinlich haben sich hier Menschen bedient, die unter dem Radar unserer Versorgungssysteme leben und das Plündern von Containern gewohnt sind. Hinter vielen Supermärkten etwa stehen unverschlossene Behälter mit Lebensmitteln, die oft noch gut essbar sind.

Es sieht jedenfalls ganz so aus, als wolle der Kiez diese Klamotten nicht hergeben. Vielleicht würde es helfen, wenn hier ein Regal aufgestellt würde, aus dem sich die Nachbarschaft offen bedienen kann. An einigen Stellen in Berlin gibt es bereits diese “Freeboxen”, wie etwa in der Schliemannstraße in Prenzlauer Berg oder vor dem linksalternativen Wohn- und Kulturprojekt Köpi in der Köpenicker Straße in Friedrichshain. Problem ist hier allerdings, dass diese Art Kieztausch-Projekte ohne helfende Hände leicht als Entsorgungsstellen missbraucht werden – also mit Dingen zugemüllt werden, wirklich niemand mehr haben will.

Umsonstbox in der Schliemannstraße - Foto: Henning Onken

In Berlin konkurrieren mehrere Organisationen um alte Textilien, deren Entsorgung im Hausmüll verboten ist. Humana stellt seit 1990 Container vor Supermärkten und Wohnhäusern auf, gilt jedoch als umstritten. Kritiker unterstellen dem “Imperium der Kleidersammler” Nähe zu einer Sekte. Inzwischen unterhält Humana auch mehrere große Second-Hand-Läden in Berlin. Mit Containern vor Supermärkten ist auch die Firma Contex präsent, die auf eine “gewerbsmäßige Erfassung” ihrer Sammlung aufmerksam macht. Das Deutsche Rote Kreuz verteilt Kleiderspenden an Obdachlose oder bringt die Textilien in Katastrophengebiete.

Automaten mit Seele

Fotoautomat - Serie - Foto: Henning Onken

Es rappelt und blitzt in der Box an der Warschauer Straße. Zwei Paar Turnschuh schauen unter dem Vorhang hervor und drinnen wird gekichert. Ein kurzer Spaß – wenig später treten zwei Teenagerinnen in die Nacht heraus, werfen sich ihre Jacken über und warten. Vier Minuten braucht ein Fotoautomat, um zu entwickeln, zu trocknen und die Aufnahmen auszuspucken. Neugierige Hände ziehen den schmalen Streifen mit vier Schwarz-Weiß-Fotos hervor und als die beiden Teenies ihre Köpfe glückselig zusammenstecken, wirkt es, als hätten sie hier in dieser tristen Baulücke eine Disko entdeckt. Das war’s, sie ziehen von dannen und die kleine Klickmaschine ist wieder betriebsbereit.

Merkwürdig, es gibt so viele Kameras wie nie zuvor in Deutschland, und gerade Mädels in diesem Alter haben ihre Lieben längst auf dem Foto-Handy: Anna und ich auf dem Abi-Ball, mein blöder Bruder und die Eltern auf Langeoog, alles schon da und alles digital. Und dennoch hocken sie hier kichernd hinter dem Vorhang und werfen Euros in einen alten Automaten, den ein sibirischer Immigrant 1925 in New York erfunden hat.

“Schreck lass nach, bin ich das, so verstockt?”

Diese Kiste ist anders, sie lässt uns allein. Wir ziehen den Vorhang zu und in dem kleinen Raum ist kein Fotograf. Der die Regieanweisungen gibt und befiehlt, den Kopf mehr nach rechts oder links zu drehen und dazu noch nervös herumzappelt. Die Situation im Automaten ist anders, wir behalten die Kontrolle. In diesem kleinen Raum sind wir mutig. Wie oft wir uns unbewusst gegenseitig kontrollieren und zensieren, wird manchmal deutlich, wenn wir uns zufällig in einer Fensterscheibe spiegeln: Schreck lass nach, bin das ich, so verstockt?

Und noch etwas: Digital ist besser, aber manchmal auch langweilig. Wir können 100 Aufnahmen von einer Situation machen, mit keiner zufrieden sein und sie doch alle behalten. Die alten analogen Fotoautomaten geben uns nur vier. Sie lassen sich scannen oder noch einmal abfotografieren – aber sie bleiben doch Unikate.

Schwarz-Weiß-Fotoautomaten in Berlin:

- Kastanienallee, Prenzlauer Berg (gegenüber vom Prater)
- Marienburgerstraße, Prenzlauer Berg (vor Kaisers)
- Bar 25 (am Ostbahnhof), Friedrichshain
- Warschauer Straße 60, Friedrichshain (Baulücke zwischen Kopernikus- und Revaler Straße)
- Oranienburgerstraße, Ecke Große Hamburger Straße, Mitte
- Rosenthaler Platz, Mitte
- Zossener Strasse (vor Kaisers), Kreuzberg

Lindas Ex: Der Stalker vom Boxi

Lindas Ex - Foto: Henning OnkenDies ist die Geschichte einer tragischen Liebe, jedenfalls dachte ich das, als ich anfing, diesen Text zu schreiben. Jemand klebt Nacht für Nacht den Friedrichshainer Kiez zwischen Boxhagener Platz und Ostbahnhof mit selbstgezeichneten Plakaten zu: Die Motive ändern sich, die Botschaft bleibt gleich: “Linda, komm zurück – Scheiß Winter ohne Linda, Linda hat gesagt, ich sei erbärmlich.” Trennungsschmerz im Linda-Mantra bis zur Besinnungslosigkeit. Inzwischen sind drei Jahre vergangen und noch immer finden sich Überreste dieser besessen gekleisterten Kunst an Hauswänden.

Wer ist Lindas Ex? – ist er endlich glücklich mit jemand anders geworden oder hat sie ihn erhört? Ist er nach Indien gefahren und hat in einem Ashram ein Glück gefunden, das nicht von dieser Welt ist?

Google weiß es besser. Lindas Ex ist Roland Brückner, ein in Berlin lebender Künstler aus Lindau – deshalb der Name Linda, die es niemals gab, wie er schreibt. Das Projekt Lindas Ex hat er aufgegeben, eine Kunsthochschule besucht und ist mit der Ausstellung “Tracing Linda” im Museum für Kommunikation gelandet. Inzwischen zeichnet er Cover für die zitty und hat das Bloggen für sich entdeckt.

Ob öffentlicher Phantomschmerz oder tief empfundenes Leid: Roland Brückners Kampf um seine Linda ist so etwas wie eine urbane Legende des Friedrichshainer Südkiezes geworden.

Weitere Bilder von Lindas Ex

My mind is shot! – oder: Danke, Albert!

LSD auf der Warschauer Brücke - Foto: Henning Onken

Irgendwer hat sich mitten auf der Warschauer Brücke erschossen. Nein, es ist anders als ihr denkt, denn dies ist keine Geschichte über Blut und Leichen, davon gibt es genug. “LSD-25 – Albert Hoffmann” steht auf dem Radweg und ein paar Meter weiter, kurz vor dem Geländer mit Blick gen Westen bekennt jemand: “My mind is shot!” Albert Hoffmann ist nicht der Gründer einer Berliner Getränkeladen-Dynastie, bei dem sich die halbe Stadt mit Hartalk eindeckt, sondern der Erfinder von Lysergsäure Diäthylamid – LSD also.

Ein harmloser Schweizer Professor, der 1943 beim Radfahren wundersam vom Weg abkam, als er die psychoaktive Wirkung seiner Substanz zum ersten Mal erlebte. Dann traf er auf einen Ex-Harvard-Professor namens Timothy Leary, der das Zeug an Universitäten verteilte und die Dinge nahmen ihren Lauf…

In love with LSD - Warschauer Brücke

Hoffmann hin oder her – ich_hoff’_mal, dass unsere unbekannt trippenden Künstler nur ganz abstrakt gedacht haben, sie könnten fliegen. Von der Warschauer Brücke, ein paar hundert Meter über rumpelnde S-Bahnen hinweg, um dann ganz die Stadt zu verlassen, nur noch der Sonne entgegen.

Telepolis: Ein Gespräch mit Albert Hofmann
Hoffmann, Albert: LSD – Mein Sorgenkind

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Gentrifizierung: Warme Sanierung im zweiten Versuch?

Ausgebranntes Haus in der Rigaer Straße Ecke Proskauer Straße in Berlin Friedrichshain - Foto: Henning Onken

Schlafender Punk, der wegen eines Brandes im Hausprojekt Rigaer 84 in den Morgenstunden des 28.05.07 seine Bleibe verloren hat - Foto: Henning Onken

Es hat gebrannt – mal wieder. Vor fast genau zehn Jahren flüchteten die Bewohner der Rigaer Straße 84 schon einmal vor den Flammen. Raus auf die Straße, Blaulicht, Feuerwehr und hektisch ein paar Habseligkeiten retten, um dann irgendwo anders unter zu kommen. Gestern ist genau das wieder passiert und diesmal ist das Haus noch weiter herunter gebrannt. “Die Feuerwehr hat lange Zeit nichts gemacht”, erzählt ein Bewohner. Über die Brandursache ist noch nichts bekannt, doch an der Interessenlage zwischen Besitzer und Mietern hat sich seit 1997 wenig geändert. Er will sanieren, sie wollen gemeinsam günstig wohnen.

Den Brand von 1997 haben Unbekannte in den Dachstühlen des Hauses gelegt. Doch nach langer baupolizeilicher Sperrung, Behördenhickhack, Besitzerwechsel und Instandsetzung kehrten die Bewohner zurück. Dem neuen Besitzer waren offenbar die bestehenden Mietverträge verschwiegen worden. Ob sich die vor die Tür Gesetzten durchsetzen können, ist fraglich.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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