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Archiv für das 'Fotografie'-tag

Stadt der Frauen

Sie trägt ein schlichtes schwarzes Kleid und schaut stets woanders hin, wenn ich an ihr vorbeigehe. Die dunkelhaarige Frau begegnet mir häufig, in mehreren Stadtteilen hängen Plakate mit ihren Profil- oder Rückenansichten an offiziellen Werbeflächen. Keine Streetart also, sondern Werbung der dritten Art.

Eine der jüngsten und dümmsten Kampagnen dieser Kategorie in Berlin stammte von Rammstein, in diesem Fall aber handelt es sich um kaum zu entziffernde Werbung der Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. Die unbekannte Frau hat der Berliner Fotograf Michael Schmidt in den neunziger Jahren fotografiert, als Teil seiner Serie “Frauen”. Er findet es reizvoll, dass seine Plakate den meisten Passanten ein Rätsel bleiben. Die Bilder müssen niemanden aufklären, keinen verführen, denn schließlich fördert die Kulturstiftung des Bundes die Biennale.

Mehr unter: BerlinBiennale.de

Fotoblogger sucht Alltagsberliner

Florian Reischauer ist 25 Jahre alt und zieht fotografierend durch die Straßen Berlins. Gegenstand seiner Bilder sind die Bewohner der Hauptstadt, denen er das Blog “Pieces of Berlin” gewidmet hat. Ich habe ihn getroffen und einige Fragen gestellt.

Florian, auf deinem Blog sammelst du Aufnahmen von Berlinern, die du auf der Straße knipst. Quatscht du wahllos Leute an oder suchst du einen bestimmten Menschenschlag?

Die Aufnahmen sollen ganz Berlin zeigen, Menschen jeden Alters und Aussehens. Das müssen nicht besonders auffällige Personen sein, sondern auch Leute, an denen man sonst achtlos vorübergeht. Ich fahre mit meinem Moped in verschiedene Bezirke und begebe mich dort auf die Suche.

Auf welche Reaktionen triffst du bei den Berlinern?

Anfangs hat es mich etwas Überwindung gekostet, Menschen anzusprechen. Etwa ein Drittel macht mit, bei den Jüngeren sind es fast zwei Drittel. Rentner sind auch recht locker. Schwierig wird es bei Migranten, die meistens skeptisch bleiben. Trotzdem sind die Reaktionen fast immer nett, auch wenn Menschen ablehnen.

Wie kam es zu dem Projekt?

Ich bin in Ried im Innkreis, geboren, also in Oberösterreich. Nach dem Abschluss auf einem Foto-Kolleg in Wien bin ich vor drei Jahren nach Berlin gezogen. Anfangs habe ich eine Art Foto-Tagebuch geführt und bin dann später auf die Idee mit dem Blog gekommen. Bislang habe ich nicht bereut, nach Berlin gezogen zu sein. Es ist toll, Menschen kennenzulernen, auch durch dieses Projekt.

Die Bilder erinnern mich an Fotos aus meinem Kinderalbum, zerkratzt und verblichen. Wie machst du deine Aufnahmen?

Ich benutze eine alte Mittelformatkamera. Alle Kratzer und Löcher im Material sind echt und nicht mit Photoshop hinein gezaubert.

Dann kannst du aber kaum 20 Aufnahmen einer Person machen, wie es durch die Digitalfotografie üblich geworden ist.

Nein, ich mache pro Person nur ein Foto und ein kurzes Interview. Hin und wieder missrät auch ein Bild, was aber auch nicht schadet. Dann war dieser Moment eben so. Wichtig ist mir, dass die Fotos nicht inszeniert wirken und ihre Spontanität bewahren. Auch die Angaben zu der Person sollten nicht zu lang werden, damit sich der Betrachter seine eigene Geschichte zu dem Bild kreiren kann.

Was machst du, wenn du nicht fotografierst?

Ich verdiene mein  Geld als Produktionsassistent bei zwei Berliner Fotografen. In meiner Freizeit betreibe ich mit einigen Freunden den offenen Projektraum Ida Nowhere in Neukölln, wo jeden Samstag kleine Performances stattfinden.

Alle drei Fotos sind von Florian Reischauer, das mittlere zeigt ihn selbst, beim Döner-Essen in einem Fotoautomaten. Seine Berlin-Ansichten hat Florian auch in einem Foto-Buch zusammengefasst.

Automaten mit Seele

Fotoautomat - Serie - Foto: Henning Onken

Es rappelt und blitzt in der Box an der Warschauer Straße. Zwei Paar Turnschuh schauen unter dem Vorhang hervor und drinnen wird gekichert. Ein kurzer Spaß – wenig später treten zwei Teenagerinnen in die Nacht heraus, werfen sich ihre Jacken über und warten. Vier Minuten braucht ein Fotoautomat, um zu entwickeln, zu trocknen und die Aufnahmen auszuspucken. Neugierige Hände ziehen den schmalen Streifen mit vier Schwarz-Weiß-Fotos hervor und als die beiden Teenies ihre Köpfe glückselig zusammenstecken, wirkt es, als hätten sie hier in dieser tristen Baulücke eine Disko entdeckt. Das war’s, sie ziehen von dannen und die kleine Klickmaschine ist wieder betriebsbereit.

Merkwürdig, es gibt so viele Kameras wie nie zuvor in Deutschland, und gerade Mädels in diesem Alter haben ihre Lieben längst auf dem Foto-Handy: Anna und ich auf dem Abi-Ball, mein blöder Bruder und die Eltern auf Langeoog, alles schon da und alles digital. Und dennoch hocken sie hier kichernd hinter dem Vorhang und werfen Euros in einen alten Automaten, den ein sibirischer Immigrant 1925 in New York erfunden hat.

“Schreck lass nach, bin ich das, so verstockt?”

Diese Kiste ist anders, sie lässt uns allein. Wir ziehen den Vorhang zu und in dem kleinen Raum ist kein Fotograf. Der die Regieanweisungen gibt und befiehlt, den Kopf mehr nach rechts oder links zu drehen und dazu noch nervös herumzappelt. Die Situation im Automaten ist anders, wir behalten die Kontrolle. In diesem kleinen Raum sind wir mutig. Wie oft wir uns unbewusst gegenseitig kontrollieren und zensieren, wird manchmal deutlich, wenn wir uns zufällig in einer Fensterscheibe spiegeln: Schreck lass nach, bin das ich, so verstockt?

Und noch etwas: Digital ist besser, aber manchmal auch langweilig. Wir können 100 Aufnahmen von einer Situation machen, mit keiner zufrieden sein und sie doch alle behalten. Die alten analogen Fotoautomaten geben uns nur vier. Sie lassen sich scannen oder noch einmal abfotografieren – aber sie bleiben doch Unikate.

Schwarz-Weiß-Fotoautomaten in Berlin:

- Kastanienallee, Prenzlauer Berg (gegenüber vom Prater)
- Marienburgerstraße, Prenzlauer Berg (vor Kaisers)
- Bar 25 (am Ostbahnhof), Friedrichshain
- Warschauer Straße 60, Friedrichshain (Baulücke zwischen Kopernikus- und Revaler Straße)
- Oranienburgerstraße, Ecke Große Hamburger Straße, Mitte
- Rosenthaler Platz, Mitte
- Zossener Strasse (vor Kaisers), Kreuzberg

Tschüss, Herr Actionfotograf!

“New York is a friendly town”, heißt es auf einer Leuchtreklame, an der hin und wieder jemand vorbei geht und in die Nacht verschwindet. Weegee, der Fotograf, muss gelacht haben als er abdrückte. Denn die meisten seiner Bilder zeigen die Abgründe New Yorks: Jugendliche Banditen, Erschossene im Rinnstein, Mörder in Handschellen auf der Polizeistation. Oder die Fotografierten sind in einen grausamen Verkehrsunfall verwickelt. Fast immer sind es Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt gerieten.

An dieser Ausstellung im Berliner Postfuhramt sind mir nicht nur interessante Bilder aufgefallen, sondern auch eigene Vorurteile bewusst geworden: Der Mann, der in seiner Blutrache lag, musste ein Schwarzer sein. Jemand, der irgendwie den HipHop Gangsta Style von heute mit dem Look von damals kultivierte. Stattdessen tragen die Leichen im New York der 30er Jahre gepflegte Anzüge, italienische Schuhe und meistens liegt auch noch ein Hut in Reichweite. Kurz, es sind oft Menschen die aussehen, als seien sie gerade auf dem Weg ins Theater. ‘Tschüss, Herr Actionfotograf!’ weiterlesen

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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