“New York is a friendly town”, heißt es auf einer Leuchtreklame, an der hin und wieder jemand vorbei geht und in die Nacht verschwindet. Weegee, der Fotograf, muss gelacht haben als er abdrückte. Denn die meisten seiner Bilder zeigen die Abgründe New Yorks: Jugendliche Banditen, Erschossene im Rinnstein, Mörder in Handschellen auf der Polizeistation. Oder die Fotografierten sind in einen grausamen Verkehrsunfall verwickelt. Fast immer sind es Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt gerieten.
An dieser Ausstellung im Berliner Postfuhramt sind mir nicht nur interessante Bilder aufgefallen, sondern auch eigene Vorurteile bewusst geworden: Der Mann, der in seiner Blutrache lag, musste ein Schwarzer sein. Jemand, der irgendwie den HipHop Gangsta Style von heute mit dem Look von damals kultivierte. Stattdessen tragen die Leichen im New York der 30er Jahre gepflegte Anzüge, italienische Schuhe und meistens liegt auch noch ein Hut in Reichweite. Kurz, es sind oft Menschen die aussehen, als seien sie gerade auf dem Weg ins Theater.
Im Unterschied zu der vom Pressetext reklamierten Spontanität des Sensationsreporters haben Weegees Bilder oft etwas Konstruiertes. Die Linienführung in dem Bild “Cop Killer” hätte sich ein Maler kaum besser ausdenken können, so sorgfältig hat Weegee die drei Personen platziert. Dass er auch in brutalsten Abgründen einen ästhetischen Blick bewahrt, macht ihn eben zu einem “Prototyp des modernen Bildjournalisten”.
Letztens schlug ich die Bild-Zeitung auf und dachte ausgerechnet an Weegee. Es war eine Nachtaufnahme eines Tatortes, und der Fotograf hatte sich tatsächlich gestalterische Gedanken jenseits der blutrünstigen Details gemacht. Er hatte die Schönheit jener langen Schatten bemerkt, die eine Gruppe von Polizisten vor dem hell ausgeleuchteten Ort des Schreckens in die Nacht warfen. Ob er Weegee kannte?
Wer es nicht in die Ausstellung geschafft hat, aber trotzdem neugierig geworden ist, kann hier einen Eindruck von Weegee’s Bildern gewinnen.









Hätte ja gerne die beiden Bilder zum Vergleich gehabt – weißt du, ob es die irgendwo im Netz gibt?
hallo diekmann, die bild-zeitung hat leider kein archiv für fotos, soweit ich weiß. sorry!
Danke für den Hinweis! Du machst mir großen “Appetit” auf einen Besuch der Ausstellung.