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Eine Journalistin besucht den Polnischkurs

Als ich den Klassenraum betrat, erblickte ich ein unbekanntes Gesicht in der Runde. Eine neue Schülerin? Nein, sie stellte sich als angehende Journalistin vor. Sie wollte einen Artikel schreiben über Polnisch-Lernen an einer Berliner Volkshochschule. Während des Unterrichts beobachtete sie den Lehrer und die Mitschüler. Danach suchte sie einen Gesprächspartner. Ich war bereit für 15 Minuten Ruhm. Sie machte ein Foto und schrieb meinen Namen und meine E-Mailadresse auf.

“Warum lernen Sie Polnisch?” war ihre logische Einstiegsfrage. Ich erzählte über die geografische Nähe zu Berlin, meine Reiseerlebnisse, die spannenden Entwicklungen im neuen EU-Staat, die große Herausforderung, eine total fremde Sprache zu erlernen, die – finanzielle und moralische – Unterstützung durch den Arbeitgeber.

Dann fragte sie mich nach den Schwierigkeiten. Erstmal gilt es, die Aussprache mit den zahlreichen schwer auseinanderzuhaltenden Zischlauten in den Griff zu bekommen. Die komplizierte Grammatik erschwert das Sprechen, aber vor allem die Wortschatzerwerbung ist zeitaufwendig – besonders wenn man keine andere slawische Sprache kann. Polnisch zu lernen erfordert Durchhaltevermögen: Auch bei mir hat die Motivation schon öfter nachgelassen, etwa weil ich noch immer wenig von der gesprochenen Sprache verstehe oder weil ich den Eindruck habe, kaum Fortschritte zu machen.

Erfolgserlebnisse? Die gibt es zum Glück auch. Ich kann mich z.B. an meinen ersten Genetiv erinnern (to jest auto mojego brata) und war sehr zufrieden, als ich mit Hilfe einer Perfektivform im Präteritum ausdrücken konnte, dass ich nicht alles verstanden habe (nie zrozumia?em wszystkiego). Bei Besuchen in Polen habe ich festgestellt, dass meine Fragen durchaus verstanden wurden. Und eine Freundin in Warschau habe ich mit einer SMS auf Polnisch überrascht.

Meine 15 Minuten waren vorbei, und der Hausmeister warf uns aus dem Raum. Auf dem Weg zum U-Bahnhof fragte sie mich noch, ob ich mich vielleicht an lustige Versprecher erinnern konnte. Leider fiel mir nicht ein, dass ich “pisac’” (schreiben) und “czytac’” (lesen) häufig verwechsele: “Ich habe heute Morgen die Zeitung geschrieben.” Auch nicht, dass ich mal gesagt habe, dass ich aus der Heimat die “Stunde” (godzina) vermisse, und nicht die “Familie” (rodzina).

Die Journalistin verabschiedete sich und verschwand in der U-Bahn Richtung Wittenau. Seitdem habe ich nichts mehr von ihr gehört.

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3 Kommentare zu “Eine Journalistin besucht den Polnischkurs”



  • hut ab – polnisch ist echt schwer. habs an den nagel gehängt nach dem zweiten kurs.


  • Ich habe wegen einer “emotionalen Bindung” an eine junge Polin den Weg in so eine Sprachenschule gefunden, deren erste Stunde bereits vorbei war, was nach Aussage der Schulleitung nicht so schlimm wäre.

    Denkste – der Einstieg in der zweiten Stunde offenbarte mir, dass in der ersten Stunde so viel an Vorstellung und Heranführung stattgefunden haben muss, dass ich so gut wie nichts mitnehmen konnte.

    Tolle Schule, tolle Lehrerin – wirklich, aber für mich einfach ein zu später Einstieg. Von daher blieb es dann auch dabei, bis zum nächten Kursbeginn war es auch mit der “Bindung” vorbei und somit war auch die Motivation weg. Schade eigentlich.

    Polnisch ist übrigens wohl weniger gefragt als westeuropäische Straßen, von daher liegen die Kurse immer weit auseinander (bis genug Schüler da sind, an einer priv. Sprachschule ca. 3-6 Schüler/Gruppe). Wir waren übrigens zu dritt!


  • polnisch ist nicht schwer, muss man nur viel üben. konnt ihr auch hier schauen, ist super bequem von zu Hause
    http://www.deutsch-polnisch-online.de/
    Empfehlenswert

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  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
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  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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