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Was macht ein Bauer mit einer Bombe im Garten?

Foto: Christian HeteyHier das versprochene Interview mit dem Berliner Fotografen und Altamerikanisten Christian Hetey, das wir via e-mail geführt haben. Kurze Zeit später ist übrigens eine Fraktion der “Antideutschen” in den Ausstellungsort gestürmt und hat das abgebildete Bild wutentbrannt in viele kleine Teile zerrissen.

Warum dieser Bildersturm? Das lässt sich hier zumindest erahnen. Wer daraus nicht klug wird – hey, auch egal, Berlin steckt eben voller Überraschungen…

Erstmal ein Hallo an Christian Hetey. Wo bist du und was machst du?

Ich habe gerade ein Auslandssemester in Bogota, Kolumbien beendet. War danach erstmal für ne Woche an der Pazifikküste zum Ausspannen. Jetzt bin ich gerade in Südkolumbien, um Kontakte zu knüpfen für ne Doku, die ich mit einem Freund drehen will.

Gab es eine eindrückliche Begegnung, ein Ereignis, das dich besonders berührt hat in den letzten Monaten?

Viele nette Eindrücke. Nichts was mich jetzt umgehauen hätte. Na vielleicht meine ersten zwei Wochen in Bogota, wo ich in einem recht assigen Viertel im Zentrum gewohnt habe. Eine Straße weiter brannten nachts meist Lagerfeuer aus Plastikflaschen und davor saßen Obdachlose. Kannte ich vorher nur nur aus Filmen. Taxifahrer konnten wir beispielsweise nur mit Notlügen wie “nimm die Nächste, hier ist gerade Baustelle” dazu bewegen, uns vor die Haustür zu bringen.

Zu deiner ersten Ausstellung im Yellow Sunshine: was mich gleich beim Reinkommen erschlagen hat, ist ein Schablonen-Graffiti des World Trade Centers mit dem Nike-Logo “Just do it”. Verharmlost du damit nicht einen grausamen Gewaltakt, bei dem fast 3000 Menschen ums Leben gekommen sind?

Du hast dir das Bild nicht ganz genau angeguckt. Jemand hat das noch mit einem Edding kommentiert. Für mich ist das lediglich eine Kontroverse, die auf einer Athener Hauswand ausgetragen wurde, die für mich lediglich zwei gegensätzliche Meinungen zeigen und keine Stellungnahme von mir darstellen soll.

Ein paar Meter weiter sind zwei Bilder so platziert, als würden zwei Busse ineinander krachen. Was hat es mit dieser Collage auf sich?

Ein Bus ist ein gefakter Bundeswehrbus, den ich auf einer Demo mit der Aufschrift “Reisebüro Bundeswehr – Ziele in aller Welt” geknipst habe und der andere ist ein bombardierter Bus in der Kraina im heutigen Kroatien. ich wollte damit asymmetrische Kräfteverhältnisse in einigen kriegerischen Auseinandersetzungen andeuten.

Was macht dieser Typ mit einer Bombe im Garten?

Das ist ein serbischer Bauer, den die Nato diese Bombe in den Garten vor seinem Haus geworfen hat. Er hatte richtig Glück, dass es ein Blindgänger war. er meinte, dass er diese gerne wieder für irgendwas um die 200 Euro verkaufen würde. Das Leben dort hat sich auf alle Fälle seit den Bombardierungen geändert. Beispielsweise geben die Kühe durch den dadurch produzierten Stress Milch, die schneller sauer wird. Das stellt dort einen harten Einschnitt in die Lebensqualität dar.

Du warst in Serbien während der Nato-Angriffe und hast Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern beobachtet. Bist du ein Kriegs- und Krisenfotograf?

Nein, auf alle Fälle nicht. Auch wenn ich ein Fan von Robert Capa bin. Ich reise einfach gern, und wenn ich in einem Land bin, interessieren mich dann auch die Brennpunkte.

Lateinamerika zieht spätestens seit Chavez und eva Morales auch die europäische Linke wieder magisch an, scheint mir. Was ist dran an der Idee einer anderen Gesellschaft in diesen Ländern?

Mit Correa und Ortega sind aktuell noch zwei dazugekommen. Ich glaube, dass dort einige spannende Sachen passieren können. Anfang nächstes Jahr will ich mal nach Venezuela rüber und mir dort das Ganze ein bisschen mit eigenen Augen anschauen.

Bist du irgendwo zu Hause? oder gibt es Orte, an denen du denkst – hey, hier ist meine Heimat? oder ist Heimat ein bürgerliches Konstrukt von dem es gut tut sich zu trennen?

In einigen Ecken in Berlin fühle ich mich ganz wohl.

Last but not least deine Ausrüstung: mit was schießt du deine Bilder?

Die meisten Bilder der Ausstellung sind mit einer alten Pentax-Spiegelreflex aufgenommen. Habe mir aber gerade eine Digitalspiegelreflex gekauft.

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2 Kommentare zu “Was macht ein Bauer mit einer Bombe im Garten?”



  • Hey, die Bombe im Garten ist ganz schön scharf und eine geile Geschichte. Hab überlegt,m ob ich auch son Ding in meinem Garten habe.
    In meinem Leben sind die Blumen ausgegangen und ich hab überlegt, ob das an de Bombe liegt, die ich in meinem,Garten immer noch nicht entfernt habe. MAL SEHN1 Du hast mich auf ne Spur gebracht. Super


  • “where have all the flowers gone?” – hallo monty, vielleicht führst du mit dieser bombe in deinem garten mal einen diskurs, der hoffentlich nicht so endet wie hier. dort kommt die bombe zu dem vermessenen schluss, sie selbst sei gott und explodiert mit den worten “es werde licht!”
    liebe bombe, let there be frühling, bitteschön!

Die Kommentare sind zur Zeit geschlossen.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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