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Archiv für das 'Friedrichshain'-tag

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Ruhe

Die am häufigsten wahrgenommene Umweltbelastung ist Lärm. Auf der Suche nach einem ruhigen Ort in der Stadt fand ich mich irgendwann auf dem Friedrichswerderschern Friedhof an der Bergmannstraße wieder. Ein riesiges Areal mit Grabstätten aus dem 19. Jahrhundert, unkrautüberwachsenen Familiengruften und alten Parkbänken. Absolute Stille dort, es gab nicht mal Fledermäuse.

Das ist nun einige Wochen her und sicherlich nicht der Geheimtipp für den Sommer. Dort eine Zeitung auszupacken, erscheint pietätlos. Aber die Alternativen? Die Hasenheide gleich um die Ecke ist weitläufig genug, sodass man von den angrenzenden Straßen nichts hört. Diesen Park haben jedoch vorwiegend türkische Familien in Beschlag genommen. Und Dealer. Zweitere bewegen sich relativ lautlos, erstere weniger. Handys bimmeln orientalisch, stumme Kinder wünscht man ja niemandem.

Was ist neu an alledem? Nichts. Ich könnte fortfahren und mir den nächsten Park vornehmen. Den Volkspark Friedrichshain zum Beispiel. Auch der ist laut – die Schnellstraßen und die Tram. Dennoch: Die BVG setzt nun in Friedrichshain offenbar alles daran, um die Anwohner nachts nicht mit der lauten Ausbesserung der Gleise zu traktieren. Immerhin. Vielleicht werden bald auch wieder begrenzte Fahrverbote wegen Feinstaub eingeführt?

Rätselraten um einen vermissten Hund

Schwer zu sagen, wie viele Hunde täglich in Berlin den Besitzer wechseln. Einige Leute können offenbar nicht widerstehen, wenn sie vor dem Supermarkt einen fremden Hund sehen. Sie binden den Köter los und laufen dann einfach weiter. Mal abwarten, was passiert. Hunde sollen ja angeblich jedem folgen, der mit einem kleinen Bestechungsimbiss lockt.

“Iman” muss ein integrer Rottweiler gewesen sein, einer, der sicher nicht jedem beliebigen Hundebetörer zum Opfer gefallen wäre. Sonst hätte Danny, sein Besitzer, sicherlich keine Belohnung über 1500 Euro ausgesetzt. Dennoch: Wer wird schon in Kreuzberg oder Neukölln seinen Kampfhund “Iman” nennen? Fahrlässig. Geradezu eine Einladung an Kidnapper, die ihre religiösen Gefühle verletzt sehen. Oder an radikale Tierschützer, die Danny Tierquälerei unterstellen, so abgemagert, wie der Hund auf dem Zettel aussieht. ‘Rätselraten um einen vermissten Hund’ weiterlesen

Der verschollene Nachbar

Mein Nachbar ist ausgezogen. Er hat mir weder Bescheid gesagt, noch habe ich seinen Umzug bemerkt, geschweige denn ihm geholfen. Erst ist mir aufgefallen, dass in der Wohnung nebenan andere Musik lief: Drum ’n’ Bass anstatt klassischer Musik oder Schlagern. Dann habe ich im Treppenhaus gesehen, dass ein mir unbekannter, wesentlich jüngerer Mann, begleitet von seiner Freundin, die Wohnungstür von Herrn S. aufschloss. Ich sagte verdutzt hallo, und bin gleich auf meinen Balkon gegangen. Der überklebte Name an der Klingel bestätigte später meinen Verdacht – sicher war ich aber bereits beim Anblick seines Balkons: Herr S. war weg – die putzigen Gartenzwerge waren nämlich verschwunden.

Herr S. war ein älterer Mann mit grauen Haaren und Brille, der gern seine Ruhe hatte. Zum ersten Mal begegneten wir uns im letzten Sommer. Ich war gerade eingezogen und stand auf dem Balkon. Ich hatte meinen CD-Player angemacht, die Balkontür stand offen. Ich lehnte mich über das Geländer. Neben mir plötzlich eine Stimme: „Ihre Musik ist zu laut, das ist die reinste Zumutung.“ Er höre alles, sagte Herr S., ohne mich vorher begrüßt zu haben. ‘Der verschollene Nachbar’ weiterlesen

Alles verändert sich, ohne dich

X-Beliebig -Hausprojekt in der Rigaer Straße Ecke Liebigstraße nach einer Protestveranstaltung in der Nacht in Berlin Friedrichshain - Foto: Henning Onken

“Alles verändert sich, wenn du es veränderst”. Das hat Rio Reiser gesagt, als er noch für die “Ton Steine Scherben” sang. Es klang verheißungsvoll, als ließe sich die Welt im Handumdrehen umpolen. In Berlin-Friedrichshain haben das einige Dutzend Leute am Wochenende wörtlich genommen, haben Mülltonnen auf die Straße gerollt und ein kleines Auto angezündet. Vielleicht war da aber auch einfach nur Wut über Veränderungen, die hilflos machen, weil sie von Anderen ausgehen – wie eine Welle, die immer nur auf bestimmte Personen zurollt. Die Anderen, das sind die, die auf ihr reiten.

Begonnen hatte alles mit einem Aktionswochenende “Rigaer Straße fights back”, das sich mit Workshops, Partys und Diskussionsrunden gegen “Kommerzialisierung und Yuppiisierung des Kiezes“ stark machen wollte.

Sonntag Nachmittag: Vor dem Hausprojekt X-Beliebig sitzen an die hundert Leute in der Frühjahrssonne. Auf der anderen Straßenseite springt ein CDU-Mitglied aufgeregt in seinen Lackschuhen herum: “Die öffentliche Sicherheit liegt mir am Herzen”, bekennt er und zeigt auf den Berlin-Aufmacher der Morgenpost: “Linksautonome proben für den 1. Mai“, steht dort über einem Riesen-Bild des brennenden Autos. Andere Zeitungen hatten stilsicher lieber gleich alte “best of” Krawallbilder aus dem Archiv gekramt. Er sei hinausgeworfen worden, klagt der CDU-ler, nachdem er durch ein offenes Fenster in die Kneipe des Hausprojekts geklettert sei. Erstaunlich, die Bewohner und deren Gäste wollten tatsächlich nicht mit ihm Party machen. ‘Alles verändert sich, ohne dich’ weiterlesen

Schwarzmalerei in der Rigaer Straße

2007-03-16“Sieh an, Pinocchio und seine Freunde!” – jeden Tag malte ein Typ mit Hut und seine Freundin mit Dreadlocks die Wand ein wenig weiter mit tanzenden Figuren voll, ein Märchenwald wuchs in der Rigaer Straße. Hin und wieder holten sie sich sogar einen Scheinwerfer und pinselten im Dunkeln. Doch seit ein paar Tagen ist Schluss damit: in einer nächtlichen Racheaktion ist die Fassade des Hausprojekts Rigaer 94 auf ganzer Länge übermalt worden, zensiert sozusagen. Sogar ein Bekennerschreiben hing an der nun schwarzen Wand. Darin wurden die beiden Künstler faschistischer Umtriebe bezichtigt und dazu aufgefordert, bei echten Punks in die Lehre zu gehen.

Hm, was soll man darüber denken? – Zunächst einmal interessant, dass sich Menschen überhaupt über die Gestaltung der Häuserfassaden Gedanken machen, in denen sie leben. Dass in den noch verbliebenen ex-besetzten Häusern Berlins Grabenkämpfe ausgetragen werden, ist bekannt. Schade nur, dass diese Wand jetzt so aussieht, als wäre der Hausbesitzer mit einem Trupp Maler dagewesen.

Kleines Update: Inzwischen hat mir ein Ex-Bewohner der Rigaer 94 erzählt, dass es sich bei den tanzenden Figuren um bezahlte Auftragsmalerei des Hauseigentümers handelt. Dieser wolle seinen Gebäuden damit einen alternativ-trendigen Touch geben, was wiederum den Bewohnern überhaupt nicht passe.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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