Schwer zu sagen, wie viele Hunde täglich in Berlin den Besitzer wechseln. Einige Leute können offenbar nicht widerstehen, wenn sie vor dem Supermarkt einen fremden Hund sehen. Sie binden den Köter los und laufen dann einfach weiter. Mal abwarten, was passiert. Hunde sollen ja angeblich jedem folgen, der mit einem kleinen Bestechungsimbiss lockt.
“Iman” muss ein integrer Rottweiler gewesen sein, einer, der sicher nicht jedem beliebigen Hundebetörer zum Opfer gefallen wäre. Sonst hätte Danny, sein Besitzer, sicherlich keine Belohnung über 1500 Euro ausgesetzt. Dennoch: Wer wird schon in Kreuzberg oder Neukölln seinen Kampfhund “Iman” nennen? Fahrlässig. Geradezu eine Einladung an Kidnapper, die ihre religiösen Gefühle verletzt sehen. Oder an radikale Tierschützer, die Danny Tierquälerei unterstellen, so abgemagert, wie der Hund auf dem Zettel aussieht.
Die Spuren führen nicht nur nach Kreuzberg, sondern auch nach Lichtenberg und Mitte. Zumindest der erste Stadtteil ist für seine großen Beißmaschinen bekannt. Danny, ein Skinhead? “Macht euch nichts vor Leute, das war wieder einmal so ein irrer Aktionskünstler, der Plakate in der ganzen Stadt aufgehängt hat“, meint ein Typ in einer Friedrichshainer Kneipe, als ich mit einer Kopie des Aufrufs zurückkomme, den ich an der Anzeigen-Wand entdeckt habe. Wir beschließen, Danny anzurufen. Keine Antwort. Dann beim zweiten Versuch die Bandstimme: Der gewünschte Gesprächspartner ist vorübergehend nicht zu erreichen. Also dann doch ein Happy End für Danny plus Hund? Wahrscheinlich musste er soviel berappen, dass er sich kein Mobiltelefon mehr leisten kann. Er hatte bestimmt ohnehin genug – nach den vielen neugierigen Anrufen.









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