Nur nicht zu lange stehenbleiben und mit dem Nachbarn quatschen, vom Strausberger Platz bis zum Frankfurter Tor droht der Absturz. Die schönen Meißener Kacheln auf der größten Baustelle der DDR, sie fielen einfach herunter. Bei den Planungen zur Stalinallee, die in den Jahren 1951 bis 1957 überwiegend aus Trümmersteinen gebaut wurde, hatte man die Folgen der Witterung unterschätzt. Außerdem sollten die neuen Prachtbauten der Arbeiterklasse schnell fertig werden. Als Ersatz nahm man dann Kunststoffplatten. “Wie alle diese Stoffe sahen sie neu super aus und sind heute abgrundtief hässlich”, erzählt ein Rentner, der damals dabei gewesen sein will und den Kiez nicht verlassen hat. Es sei aber nur ein Planungsfehler gewesen, das sei im Westen genauso passiert, beharrt er.
Und heute? Nach der Wende wurde der Bauabschnitt unter Denkmalschutz gestellt - Vorwürfe von monumentalem Kitsch und Zuckerbäckerei hin oder her. Die meisten der Bauten sind längst durchsaniert und sogar die Kacheln glitzern wieder in unterschiedlichen Farbtönen. Vor sich hin rottende Abschnitte wie der auf dem Foto lassen sich erst auf den zweiten Blick entdecken. Und unter die Mieter der ersten Stunde mischt sich langsam eine junge Schicht von Zugezogenen.
Fotostrecke: Fassaden der Hauptstadt














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