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Archiv für das 'Kinder'-tag

Wer erklärt Berlins Kleinsten, wie Umweltschutz funktioniert?

Kinderparadies in der Reichberger Straße in Kreuzberg - Foto: Anne Onken

Bonjour Tristesse – das könnte der Auftakt einer Serie über Berlins grässlichste Kita-Fassaden sein, aber lassen wir das.  Viele Kitas bekommen dank Konjunkturpaket II neue Anstriche, Dächer und Fenster -  vielleicht auch diese in der Reichenberger Straße in Kreuzberg.

Nie mehr soll Wind durch zugige Fenster in Berliner Kitas pfeifen, Wände werden gedämmt, die Häuser sollen energieeffizient werden. Schön wäre es, wenn die Energieumgestaltung Anlass dafür wäre, Umwelterziehung in der Kita stärker zu verankern.

Es könnte den Kindern erklärt werden, weshalb ihre Kita umgebaut wird und warum es total wichtig ist, kein Licht umsonst brennen zu lassen. Oder dass der CD-Player schnell wieder ausgemacht werden sollte. Wer schon als Kind mit Umweltschutz und sinnvoller Energienutzung vertraut gemacht wird, dürfte auch als Jugendlicher und Erwachsener bewusster mit Energie umgehen. Ob die Verantwortlichen in den Kitas darüber nachgedacht haben?

Die Kinderwagen-Mafia

Man muss kein Fan schneller Autos sein, um sich für einen sportlichen Kinderwagen zu entscheiden. Fand zumindest Nina, die sich nicht auskannte mit Kinderwagen, Buggys etc. In Prenzlauer Berg sehen das offenbar viele junge Eltern so – die gleichen Modelle tauchen immer wieder auf. Bugaboo und Quinny heißen die Porsches unter den Baby-Karren. Glaubt man einer Freundin aus Hamburg, haben Leute, die mit einem Billig-Buggy durch die Straßen laufen, in Stadtteilen wie Hamburg-Eimsbüttel oder eben auch Prenzlauer Berg ein ernsthaftes Image-Problem.

Außenstehende mögen diesen Gruppendruck vielleicht komisch finden – Eltern scheinen aber andere Sorgen zu haben. In Geburtsvorbereitungskursen in Prenzlauer Berg geht das Gerücht um, eine Kinderwagen-Mafia habe es auf Edel-Kinderwagen abgesehen und breche selbst Hoftore und Kellertüren auf. “Über Fahrrad-Diebe können die nur lachen”, meint Nina, “wer schließt schon einen Kinderwagen vor einer Bäckerei ab?” Ihre Hebamme kenne Familien, die ihren Kinderwagen bei Ebay wiedergefunden hätten. Im Internet tauschen besorgte oder beklaute Eltern hier oder hier oder hier Tipps und Strategien aus.

Foto: Tim Lossen

Kiez im Wandel: Tschüss Hundekackwiese, hallo Kinderladen!

Foto: Anne Grieger
Punks ziehen mit dem Einkaufswagen um, Studenten leihen sich eine Robbe und der saturierte Mittelstand lässt sich das Klavier von Umzugs-Profis die Treppen rauf wuchten. Das ist natürlich ein Klischee, aber oft kann man so im Vorbeigehen mit ansehen, wie sich der Kiez verändert. Stürzt er ab? Steigt er auf? Wird’s hier bald “igittigit?”

Besser geht das Kiezwatching nur noch auf einem Bürgerfest im Park. So wie auf dem Friedrichshainer Forckenbergplatz. Wer blühende Landschaften sucht, kann zumindest dort eine finden. Auf der Wiese krabbeln Babyherden wie am Kollwitzplatz, Kinder schaukeln und ihre Eltern reden über Schwangerschaftsprobleme.

Die ehemaligen Platzhirsche sind jetzt zu Zaungästen geworden und nur bei näherem Hinsehen zu entdecken. Mitten im Trubel sitzt einer von ihnen – ganz wie früher trinkt er gedankenverloren sein Bier. Auf einer Bank am Rand wartet ein struppiger Mischling vergeblich darauf, dass ihm sein bunt-geschecktes Herrchen ein Stöcklein wirft. “Arschlecken” hatte jemand quer über das Schild mit der neuen Parkordnung geschrieben. Doch die neuen Regeln kamen Schritt für Schritt mit den neuen Nachbarn.

In einem Punkt jedoch laviert der nun familienfreundliche Samariterkiez weiter vor sich hin: Es fehlen geeignete “Nachwuchs-Verwahr-Anstalten”, die jeder aufstrebende Kiez braucht. Es werden zwar schicke Townhouses en masse gebaut, doch vor der Plattenbau-Kita in der Liebigstraße bleiben junge Eltern schockiert stehen. Es sind noch Plätze frei aber mein Kind hier in dieser Asbest-Falle? Wenig einladend auch die Äußerlichkeiten einer neuen Kita in der Warschauer Straße. “Trotzdem würde ich dort mit meinem Sohn mal reinschauen”, sagt ein Vater aus Prenzlauer Berg, der in Ostdeutschland geboren ist. Es wird noch eine Weile dauern, bis hier Läden mit französischer Kindermode Geld abwerfen…

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Vom Hundekiez zum Kinderkiez

Kunst oder Sozialkritik? In der Gärtnerstraße in Friedrichshain haben Unbekannte Kinderschuhe an eine Mauer genagelt. Einige Erklärungsansätze:

  • Auf dem unbebauten Grundstück dahinter entsteht bald ein neuer Kindergarten. Die Initiatoren werben mit der Schuh-Aktion für das Projekt mit kunstpädagogischem Anspruch.
  • Hundebesitzer sollen mehr Rücksicht auf Kinder nehmen, da diese mit ihren kleinen Schuhen andauernd in Hundemist treten.
  • Der Kiez um den Boxhagener Platz soll den ewigen Studenten gehören, Familien besser ihre Koffer packen und nach Prenzlauer Berg ziehen.

Was auch immer die Botschaft war: Auf dem Spielplatz am Boxhagener Platz tummelten sich trotz schlechten Wetters zahlreiche Kids – in Gummistiefeln.

Kleine Gaben unter der Plastiktanne

“Anderen geht’s schlechter als uns” – mit solchen Botschaften erreicht Bild täglich Millionen von Lesern. Heute also die Geschichte einer Berliner Familie, die sich nur eine Plastiktanne leisten kann. Von teuren Geschenken ganz zu schweigen.

Der älteste Sohn wünscht sich eine Videospiel-Konsole, hat sich aber mit einer “billigen Autorennbahn” aus Plastik zu begnügen, die er sich auch noch mit den beiden Brüdern teilen muss. Auch die Tochter bekommt nur eine gebrauchte Puppe. Klöße und Kartoffeln, eine Gans für den ersten Weihnachtstag und Würstchen für Heiligabend sprengen das Familienbudget vollends.

Ja, vielleicht war der Text so eindrücklich geschrieben, dass man für die Familie spenden würde. In der stillen Hoffnung, die Symptome kurzfristig zu lindern. Der Gedanke scheint aber nicht im Vordergrund zu stehen, eine Kontoverbindung sucht man vergeblich. Ob es vielen Bild-Lesern ähnlich geht?

Foto: Pot Noodle

Deine Stirn als Werbefläche

An einer der S-Bahn-Haltestelle sitzen drei Halbwüchsige, auf ihrer Stirn prangt jeweils ein Sticker eines Mobilfunkanbieters. Sieht aus wie ein Tattoo, ist aber wasserlöslich und kann nach drei Wochen abgewaschen werden. So sieht es der Vertrag vor. Die Schüler verprostituieren sich für eine Marke, mit der sie wenig verbinden, verkaufen ihren Körper als Werbefläche gegen Geld. Zukunftsmusik, sicher, keine Begegnung im Dezember 2007.

Aber es könnte bald soweit sein. An Berliner Universitäten startet das Schweizer Start-Up-Unternehmen smaboo Anfang dieses Monats eine Werbekampagne für den Mobilfunkanbieter Debitel. Studierende bekleben ihr Notebook zwölf Wochen lang mit dem Werbespruch “Ich telefonier’ für nen Apple und ‘n Ei” und erhalten dafür etwa 150 Euro. “Embedded branding” heißt diese Marketing-Strategie im Fachjargon.

Ein attraktiver Nebenverdienst, zweifellos. 50 Euro – das sind mindestens 20 Milchkaffees. Man kann davon ausgehen, dass Studierende sehr wohl entscheiden können, ob sie ein bestimmtes Produkt bewerben wollen, oder nicht. Dass ihre Kommilitonen, die überall an der Universität mit Werbung bombardiert werden, nicht auf schlechte Angebote reinfallen. Wenn es aber dazu kommen sollte, dass Leute nicht nur ihre Fensterscheiben, Autotüren und so weiter vermarkten, sondern sogar ihren Kindern Namen von Unternehmen geben? Alea Toyota König und Maximilian Persil Uhu Schreiner?

Wie werden Eltern diese Entscheidung später erklären? “Sorry für den zweiten Namen, liebe Alea, aber uns fehlte zum Zeitpunkt deiner Geburt einfach das nötige Kleingeld…”?

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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