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Kiez im Wandel: Tschüss Hundekackwiese, hallo Kinderladen!

Foto: Anne Grieger
Punks ziehen mit dem Einkaufswagen um, Studenten leihen sich eine Robbe und der saturierte Mittelstand lässt sich das Klavier von Umzugs-Profis die Treppen rauf wuchten. Das ist natürlich ein Klischee, aber oft kann man so im Vorbeigehen mit ansehen, wie sich der Kiez verändert. Stürzt er ab? Steigt er auf? Wird’s hier bald “igittigit?”

Besser geht das Kiezwatching nur noch auf einem Bürgerfest im Park. So wie auf dem Friedrichshainer Forckenbergplatz. Wer blühende Landschaften sucht, kann zumindest dort eine finden. Auf der Wiese krabbeln Babyherden wie am Kollwitzplatz, Kinder schaukeln und ihre Eltern reden über Schwangerschaftsprobleme.

Die ehemaligen Platzhirsche sind jetzt zu Zaungästen geworden und nur bei näherem Hinsehen zu entdecken. Mitten im Trubel sitzt einer von ihnen – ganz wie früher trinkt er gedankenverloren sein Bier. Auf einer Bank am Rand wartet ein struppiger Mischling vergeblich darauf, dass ihm sein bunt-geschecktes Herrchen ein Stöcklein wirft. “Arschlecken” hatte jemand quer über das Schild mit der neuen Parkordnung geschrieben. Doch die neuen Regeln kamen Schritt für Schritt mit den neuen Nachbarn.

In einem Punkt jedoch laviert der nun familienfreundliche Samariterkiez weiter vor sich hin: Es fehlen geeignete “Nachwuchs-Verwahr-Anstalten”, die jeder aufstrebende Kiez braucht. Es werden zwar schicke Townhouses en masse gebaut, doch vor der Plattenbau-Kita in der Liebigstraße bleiben junge Eltern schockiert stehen. Es sind noch Plätze frei aber mein Kind hier in dieser Asbest-Falle? Wenig einladend auch die Äußerlichkeiten einer neuen Kita in der Warschauer Straße. “Trotzdem würde ich dort mit meinem Sohn mal reinschauen”, sagt ein Vater aus Prenzlauer Berg, der in Ostdeutschland geboren ist. Es wird noch eine Weile dauern, bis hier Läden mit französischer Kindermode Geld abwerfen…

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13 Kommentare zu “Kiez im Wandel: Tschüss Hundekackwiese, hallo Kinderladen!”



  • Ja und, was soll mir der Bericht nun sagen? Dass einige nun langsam feststellen dass es in ihrem Kiez nun doch nicht so ist, wie der Traum es zeigte.
    Vielleicht die rosarote Brille absetzen und gegen Klarsicht Gläser ersetzen.
    Französische Kindermode. C%A kennt man dort bestimmt nicht. Wäre ja dann
    chinesische Kindermode.


  • Tja, die Welt dreht sich weiter. Auch wenn man es nicht glauben will Berlin auch.

    Es müssen ja nicht in jedem Park der Stadt Säufer, Drogenhändler, Nigerianische Trommler, Campingtische+Campingstühe+Grill oder freilaufende Hunde+Hundedreck vorhanden sein.

    Einfach mal zur Erholung Spielplätze und Kinder sind doch auch schön.


  • Gestern hat meinen Hund ein natürliches Bedürfnis ereilt und er erleichterte sich in der Friedrichshainer Warschauer Straße, auf dem Grünstreifen, weitab vom menschlichen Trampelpfad, laut riefen mich zwei Damen auf dem Fahrrad an und schwenkten Hundescheißtütchen vor meiner Nase. “Haste wohl vergessen”, riefen sie mir aufmunternd zu.
    Konsterniert sammelte ich das Häuflein ein und warf es in den Papierkorb. Das wilde Friedrichshain ist ja jetzt ein wenig weniger wild, dachte ich.

    In die Simon-Dach Straße gehe ich nicht mehr gern, die ist der Ballermann von Berlin inzwischen. Schade. Schön Klamotten kaufen kann man allerdings etwas weiter abseits, in der Wühlischstraße. Das ist viel entspannter als in Mitte oder in der Schönhauser. Wir haben uns inzwischen wohnmäßig etwas rausbewegt aus dem Keipenbermuda und sind in die Allee gezogen, von der wir hoffen, dass sie niemals so richtig hip wird, ein frommer Wunsch? Dann gehts nach Pankow!


  • “Einfach mal zur Erholung Spielplätze und Kinder sind doch auch schön.”

    Spielplätze und Kinder = Erholung?
    Diese Gleichung macht sicher nicht nur für viele Friedrichshainer keinen Sinn.

    Kann mich Franziskas Frage nur anschliessen.
    Was will und dieser Text sagen?
    In FH gibt es jetzt auch Kinder?
    FH goes PB?
    Besser schwangere Frauen und krabbelnde Babys als Punks und Penner?
    Nur ein Kiez mit Kinderspielplatz auf jeder Grünfläche ist ein guter Kiez?

    Vermutlich soll hier politisch korrekt neutral berichterstattet werden.
    Auch eine unschöne Entwicklung.


  • Als Punk und Penner, das herzige Brüderpaar, sich noch in die Hosen geschissen hat, weil zwei lustige Hündchen bloß ein bisschen mit ihnen spielen wollten, wie haben sie da nach der Kita-Tante geschrien. Vergeblich, sie hatten keine. Heute freilich gelten sie als Milieusymbole, samt Köter und Kodderschnauze. Wenn der Kietz sich wandelt, sollten wenigstens die beiden noch bleiben. Der Folklore und Touris wegen.


  • Also nichts gegen Leute mit Kindern, aber suche seit fast einem halben Jahr eine bezahlbare Wohnung in Friedrichshain (600 Euro warm fuer 66 m2) und das ist fast nicht mehr moeglich. Man kann foermlich miterleben, wie die Mieten von Monat zu Monat steigen. Fuer Studenten ist Friedrichshain schon jetzt kaum noch bezahlbar, wie eben auch Prenzlauer Berg. Also wirklich nach Pankow oder Neukoelln?


  • @Sandra

    Nichts gegen Studenten aber davon gibts in Friedrichshain und Prenzl. Berg mehr als genug.

    Die Preise habt Ihr euch schön selbst kaputt gemacht indem Ihr diese Gegend zum Szenebezirk erkoren habt. Schön blöd.

    Vielleicht wirklich mal nach einem anderem Bezirk umschauen. Pankow ist auch teuer.

    Wedding und Neukölln ist Studenten-günstig. Aber welcher Deutsche will da schon wohnen?


  • @Sandra
    warte mal ab, in zehn Jahren kostet dann son Appartement locker um die 900€uronen.
    Stimmt schon was peter sagte, seid mit dran Schuld dass ihr euch den Kiez verschickimickiet habt.
    Dann gibts auch genug Klientel für “französische” Kinder Klamotten.

    Und für arme Studenten bleiben dann die heutigen Ghetto-Bezirke übrig.


  • Frage in Ernst: “Es werden zwar schicke Townhouses en masse gebaut, doch vor der Plattenbau-Kita in der Liebigstraße bleiben junge Eltern schockiert stehen. Es sind noch Plätze frei aber mein Kind hier in dieser Asbest-Falle”

    So weit ich weiss, und natürlich weiss ich nicht so viel, das ist “Rufmord” dieser Kitas . Aber wenn nicht, bitte ich um eine Anweisung zu offizielen Berichten darüber (sogar in der TS).

    Und @ Sandra, es tut mir Leid, aber ich weine mit Dir nicht. Bin auch arm und so, und finde immer was. Es klingt wie diese Jammer “Ich hätte doch gern im Helmholzplatz wohnen aber es ist da so teuer”. Naja, das Leben ist nicht gerade Fair. Es gibt genug leere Wohnungen in Berlin (so gar im Zentrum)


  • Oh nein, die Welt verändert sich. Und nachher dreht sie sich auch noch.

    Es ist doch klar, dass innenstadtnahe Wohnlagen sich verteuern. Wer glaubt denn im ernst daran, dass Moabit in der Nähe des Regierungsviertels in 10 Jahren noch vorwiegend von geringverdienenden Menschen bewohnt wird? Es gibt nunmal kein Grundrecht auf “Verbleib im Kiez”. Ich bin schon etwas verwundert, wenn ich die konservativen Denkstrukturen von jungen linksorientierten Menschen betrachte. Alles soll sich ändern, aber doch irgendwie so bleiben wie es ist.

    Nö.


  • Kiez? Der Stephanplatz zum Beispiel, einst Platz der Besseren, heutzutage – nach Saniuerung -, zu einem Kinderspielplatz degradiert worden. Die Diktatur der Kinderwagen, ein Sieg für die Spießer. Ein Kiezladen, der nur hinter solch einem Schwachsinn steht, und an einer Entwicklung unseres “Kiezes” zu einem Kunst- und Kunstgalerie Kiez nicht interessiert. Soll das Hauptstadt sein. Na ja, ich denke eher nicht.


  • @katrin: Vielen Dank für diesen klaren und realistischen Kommentar.

    Und er bestätigt meine eigenen Erfahrungen. Die vermeindlich linksorientierten, die alles besser machen wollen, stellen sich meist doch als die größten Spießer heraus. Alles soll sich ändern,zum besseren versteht sich, aber irgendwie soll es auch so bleiben wie es ist. Selbst immer schön im “Chefhain” wohnen, weils so schön “anders” ist, sich gleichzeitig aber über den ganzen “Szenescheiß” aufregen. Noch ein bisschen verklärte Ostalgie dazu und hippe Anti-Wessi Sprüche draufziehen, daß macht Eindruck bei den “richtigen” Kiezbewohnern.
    Wenn das kein Spießertum ist!


  • @ Leviathan und die Anderen, die alles immer halb so wild finden.

    Also, entweder gehört ihr zu den Neuzugänglern in solchen Bezirken oder ich kann mir die Arroganz der Antworten nicht ganz erklären. A) Sind nicht alle, die sich über die Veränderungen beschweren linksalternativ oder Autonome B) Geht es nicht darum, dass man unbedingt “hip” wohnen will aber keine Kohle bereit ist zu zahlen. Manche leben einfach seit zig Jahren in ihrem Kiez und fühlen sich dort zu Hause. Und das sind nicht alles “nostalgische Ossis”. Man will halt nur nicht durch horrende Mieten genötigt werden, die vertraute Gegend zu verlassen. Ich kann das voll und ganz nachvollziehen. Ich bin 1999 in den Friedrichshain gezogen. Damals habe ich für eine frisch sanierte 2-Zimmer-Wohnung 300 DM bezahlt. Ich wohne heute in der selben Straße, auch mit 2 Zimmern und zahle nun 600 Euro. Warum? Weil der Stadtteil inzwischen im Touri-Führer steht? Entschuldigung, aber dieses Prinzip, Stadtteile wegen ihrer jungen, kreativen Bewohner zu vermarkten und diese dann zu vertreiben ist einfach etwas, was man durchaus in Frage stellen darf. Man kann doch nicht alles kritiklos hinnehmen und es dann noch beklatschen. Vielleicht sollt ihr da mal ein bisschen mehr Sensibilität an den Tag legen.

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