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Archiv für das 'Alkohol'-tag

Die ein zwei Bier…

Foto: Henning OnkenGestern konnte ich nicht bloggen – zuviel Alkohol… Passt ins Bild? Als Studentin bin ich gegen Semesterende im Prüfungsstress. Gut, ich habe nichts getrunken, aber die Studie, die gestern überall zitiert wurde, hat mir zu denken gegeben. Forscher des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim kamen zu dem Befund, dass einer von drei Studierenden ein Alkoholproblem hat.

Bier trinken ist kein Unterschichtensport – ein weit verbreitetes Phänomen, das man jeden Abend beobachten kann in Berlin. Die Hälfte aller 30-Jährigen rennt am Wochenende nach 21 Uhr mit Bierflasche durch Kreuzberg oder Friedrichshain. In Kneipen und Clubs wird weiter getrunken – solange es zwei drei Bier am Wochenende bleiben, okay.

Ansonsten sehen wir meist weg. Gemütlich ein Glas Wein zum Essen trinken – niemand in der WG würde die Nase rümpfen, auch wenn dieses Ritual zur Gewohnheit zu werden droht. Mitbewohner zu erziehen, kommt nie gut an, einen schlechten Tag hat jeder mal, vielleicht auch zwei. Mit unseren Eltern wären wir wohl strenger. Neben diesen WG-Gewohnheiten gibt es eine Reihe “gesellschaftlicher Verpflichtungen” – den gemeinsamen Kneipengang nach der Vorlesung mit dem Betreuer der Abschlussarbeit und Kommilitonen etwa. Oder das Bier nach dem Unisport, nach dem Orchester oder der Freiwilligenarbeit im Verein. Ganz zu schweigen von ordinären Treffen mit Freunden.

Gelegenheiten, tief ins Glas zu schauen, gibt es also unzählige. Was alle anderen machen, kann ja nicht verkehrt sein, und wer besonders lustig war, riskiert halt einen dummen Spruch auf der StudiVZ-Pinnwand. Ja mei. Die gute Nachricht: Auch Leute über 35 wurden dort schon gesichtet. Irgendwie bleiben wir doch alle Studenten…

Foto: Henning Onken

Diszipliniertes Komasaufen

“Die Parkbank wird zum Barhocker, der Verteilerkasten zum Tresen, Baum und Gebüsch zum Männerklo …” Wer würde da nicht weiterlesen? Die Promenadenpost berichtet hautnah über das geballte Elend einer Neuköllner Wohnstraße. Die Gestalten, die in dem Artikel “Open Air Kneipen rund um die Schillerpromenade” skizziert werden, sind bekannte Kiez-Gesichter. Wenn sich der Schulhof leert und das Quartiersmanagement die Rolläden herunterlässt – die Straße in der Hand armer Trinker und Hundebesitzer?

Könnte man meinen, wenn man weiter liest. Anwohnerin Dagmar Z. sagt dem Blatt: “Ich finde es gut, dass das Café Selig [ein neu eröffnetes Café im Gemeindehaus] existiert. Seither haben wir einen guten Treffpunkt, und betrunkene Männer wagen es nicht mehr so oft, an die Genezareth-Kirche zu pinkeln.”

Sind die Autoren der Promenadenpost – eine Publikation des Quartiersmanagements übrigens – einfach nur ehrlich, und nicht zwanghaft an einer Profilierung des Problemkiezes interessiert? Oder prägen die Säufer auf dem Grünstreifen das Viertel wirklich nachhaltig?

Das vermeintliche neue “In-Viertel”

Als ich im letzten Jahr nach Neukölln zog und zur Einweihungsparty einlud, antwortete eine Bekannte fröhlich mit “Willkommen in neuen In-Bezirk”. Getroffen habe ich sie allerdings immer irgendwo in Kreuzberg oder Mitte.

Auch wenn in Neukölln vielleicht nicht mehr Leute auf der Straße Bier trinken, als in anderen Bezirken – die Atmosphäre ist bedrückender. Die Alkoholiker sind im Alter meiner Eltern, viele haben lange Zottelbärte und scheinen sich völlig aufgegeben zu haben. Ihr Limit kennen diese Gewohnheitstrinker gut. Wenn gegen 23 Uhr gegrölt wird, leitet dies oft das Ende des Abends ein.

Die Hunde “Wodka und Tequila” werden angeleint und es geht nach Hause. Die Kondition reicht nicht mehr für durchzechte Nächte, Frühschoppen setzt zumindest einige Stunden Schlaf voraus.

Komasaufen in Zahlen

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Jährlicher Alkoholverbrauch je Einwohner an reinem Alkohol, in Liter 2001: 10,4
Jährlicher Alkoholverbrauch je Einwohner an reinem Alkohol, in Liter 2005: 10,0
Werbeaufwendungen für alkoholische Getränke in Deutschland, in Millionen Euro 2001: 575
Werbeaufwendungen für alkoholische Getränke in Deutschland, in Millionen Euro 2005: 564
Werbeaufwendungen für Bier in Deutschland, in Millionen Euro 2001: 360
Werbeaufwendungen für Bier in Deutschland, in Millionen Euro 2005: 409

Zahl der Bundesbürger, die akut alkoholabhängig sind, in Millionen: 1,6
Zahl der Bundesbürger, bei denen Alkoholmissbrauch vorliegt, in Millionen: 2,66
Zahl der Jugendlichen bis 25, die stark alkoholgefährdet sind, in Tausend: 160 000
Zahl der “Mit-Betroffenen” Familienangehörigen von Alkoholikern, in Millionen: 8
Zahl der Kinder in Deutschland, deren Eltern alkoholabhängig sind, in Millionen: 2,65
Anteil der Gewaltakte, die unter Alkoholeinfluss begangen werden: 1/3
Anteil der Todesfälle bei Männern zwischen 35 und 65 Jahren, die auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen sind: 1/4
Bundesbürger, die jährlich in Folge schädlichen Alkoholkonsums sterben, in Tausend: 40.000
Verkürzung der Lebenserwartung für Personen mit chronischem Alkoholmissbrauch, in Jahren: 23

Risikoarme Schwellendosis bei gesunden Menschen pro Tag, in Gramm, bei Männern: 20-25
Risikoarme Schwellendosis bei gesunden Menschen pro Tag, in Gramm, bei Frauen: 10-12
Menge Bier, die diesen Werten entspricht, in Litern, bei Männern: 0,5-0,6
Menge Bier, die diesen Werten entspricht, in Litern, bei Frauen:0,25-03
Menge Wein, die diesen Werten entspricht, in Litern, bei Männern: 0,25-0,3
Menge Wein, die diesen Werten entspricht, in Litern, bei Frauen: 0,125-0,150

Durchschnittliche Alkoholmenge, den 16- bis 17-jährige männliche Jugendliche wöchentlich kosumieren, in Gramm, 2004: 127
Durchschnittliche Alkoholmenge, den 16- bis 17-jährige männliche Jugendliche wöchentlich kosumieren, in Gramm, 2007: 150
Durchschnittliche Alkoholmenge, den 16- bis 17-Jährige weibliche Jugendliche wöchentlich kosumieren, in Gramm, 2004: 42
Durchschnittliche Alkoholmenge, den 16- bis 17-Jährige weibliche Jugendliche wöchentlich kosumieren, in Gramm, 2007: 53

Binge drinking

Anteil der Jugendlichen, die angab, im letzten Monat mindestens an einem Tag fünf oder mehr Gläser Alkohol getrunken zu haben, in Prozent, 2005: 40
Anteil der Jugendlichen, die angab, im letzten Monat mindestens an einem Tag fünf oder mehr Gläser Alkohol getrunken zu haben, in Prozent, 2007: 50

Anzahl der Gläser Tequila, die im März zum Tod eines 16-Jährigen Zehlendorfer Schülers führten: 52
Preis für einen Liter Tequila von Aldi, in Euro: 7,99
Preis für ein Glas Tequila in der Bar in Berlin-Kreuzberg, in Euro: 1-3
Taschengeld, das Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 16 Jahren 2006 laut Hamburger Abendblatt monatlich zur Verfügung hatten, in Euro: 10-30
Taschengeld, Jugendliche im Alter von 17 bis 18 Jahren 2006 laut Hamburger Abendblatt monatlich zur Verfügung hatten, in Euro: 35-50

Zahl der Medienberichte, die seit März 2007 print und online im Tagesspiegel, der Berliner Zeitung und der Berliner Morgenpost zum Thema Jugendliche und Alkoholmissbrauch erschienen sind: 75

Quellen: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Foto: MightyMin

Pub Crawl – das organisierte Komasaufen

Flatrate-Trinken für englischsprachige Touristen: Inzwischen gibt es in Berlin mehrere Anbieter, die Besucher gruppenweise durch Kneipen und Clubs schleusen. Fünf Locations an einem Abend in einer Gruppe von bis zu zwanzig Leuten und das alles für zwölf Euro. Es sei nett, aber etwas stressig gewesen, meint die englische Mitbewohnerin, als sie wieder bei Kräften ist. Der Abend begann in der Revaler Straße in Friedrichshain und endete an einem unbestimmten Ort. “Ach, keine Ahnung, ich habe ein Taxi genommen”.
Pub Crawling in Berlin ist längst kein Geheimtipp mehr, das mag auch damit zusammenhängen, dass Lonely Planet, der beliebte englischsprachige Reiseführer, dieses Angebot inzwischen als Insider-Tipp aufgenommen hat. Gastwirte in Mitte sind genervt – einige wollen keine Gruppen mehr reinlassen.

In England sei es tabu, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken, erzählt die Mitbewohnerin weiter. Leute, die sich auf dem Weg zur Party noch schnell ein Becks kippen, gäbe es nicht. Dennoch sei “binge drinking” in Kneipen weit verbreitet. An Freitagen und Samstagen sollen einem Bericht des Guardian zufolge zwei Drittel aller Krankenwagen-Einsätze in London auf Alkohol-Exzesse zurückzuführen seien.
Die Erfinder der Kneipentouren in Berlin, ein australisches Ehepaar, haben so eine lukrative Nische im Berlin-Tourismus gefunden. Die Branche wächst, Pub Crawl Berlin stellt inzwischen neue Leute ein.

Website: Insider Tours
Täglich Pub Crawls in Mitte, Treffpunkt Hackescher Markt um 20.30 Uhr, 10/12 Euro

Website: Pub Crawl Berlin
Freitag bis Sonntag um 20 Uhr, Treffpunkt S-Bhf Warschauer Straße, 10/12 Euro

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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