Archive for Oktober 19th, 2007

Schöner Wohnen im Knast

Ehemaliges Gefängnis Rummelsburg

Wie mag sich ein Ex-Häftling fühlen, wenn er dieser Tage noch einmal seine Zelle in der früheren Haftanstalt Rummelsburg anschauen möchte? Er wird sie nicht mehr vorfinden. Stattdessen wird er am Ort seiner Haft auf eine junge Familie stoßen, die sich für eine schmucke Musterwohnung interessiert. Dennoch wird ihn zumindest von außen vieles an seine Zeit im DDR-Knast erinnern. Die Nummern der Zellen stehen noch immer in großen Lettern an der Fassade unter den Fenstern. Auch der Wachturm ist noch da, von dem beim Hofgang misstrauische Wärter lugten. Prominentester und einer der letzten Häftlinge war übrigens der gestürzte DDR-Staatschef Erich Honecker, wenn auch nur für eine Nacht.

Wohnraum entsteht in Berlin durch hohen Leerstand nur noch, wo es sich wirklich lohnt. Die Rummelsburger Bucht in Lichtenberg ist so ein Ort. Eine landeseigene GmbH vermarktet das Entwicklungsgebiet als “Wasserstadt Rummelsburg” und hat seit Mitte der 90er Jahre mehr als 2000 Wohnungen gebaut. Auch auf dem “Berlin Campus”, der seit 1990 leerstehenden Haftanstalt an der Hauptstraße, sind schon mehr als 140 Wohnungen verkauft worden. Werbung mit Sprüchen wie “Attraktives Wohnen am Wasser” funktioniert offenbar.

Wie lebt es sich in einem edelsanierten Knast? Wahrscheinlich nicht anders als in irgendeiner Zwei-Raum-Wohnung, in der der wir wohnhaft sind - oder in der wir in Wohnhaft sind, sobald die Tür sich schließt…

Fotostrecke: Fassaden der Hauptstadt




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