

Am Griebnitzsee ist in den letzten Tagen das eingetreten, was die Skeptiker von Media Spree für das Spreeufer in Kreuzberg befürchten: Eine kleine Gruppe versucht, der Öffentlichkeit den Zugang zum Wasser zu verwehren. “Schreib’ doch ruhig, die wollten den Pöbel fernhalten”, meinte eine Freundin, die mir von dem Eklat zwischen Anwohnern mit Seeblick und Spaziergängern erzählte.
Die Situation ist wohl verzwickter. Seit Jahren liegen Anwohner mit der Stadt Potsdam im Streit über die Nutzung des Kolonnenweges, eines schmalen Rad- und Wanderweges entlang des Griebnitzsees. Rein rechtlich gehört dieser Streifen jeweils zu den angrenzenden Grundstücken, ist aber seit der Deutschen Einheit als öffentlicher Fußweg genutzt worden. Während des Kalten Krieges patrouillierten hier Grenzer.
Am Montag war die Situation eskaliert, nachdem einige Anrainer private Wachdienste engagiert hatten, um Spaziergänger an der Nutzung des Weges zu hindern. Seit gestern ist der Weg wieder frei, Radfahrer sind unterwegs in Richtung Schloss Babelsberg, aber der Streit geht weiter. Einige Gerichtsverfahren laufen bereits.
“Sie brauchen hier gar nicht rumzuknipsen, alles ist wieder in Ordnung”, sagt ein Tandemfahrer, dessen Frau vor einem Schaukasten der Bürgerinitiative Griebnitzsee für Alle steht. Eine ältere Dame mit Hund, offenbar auch keine Villenbesitzerin, wiegelt ab: Sie könne die Anwohner verstehen, ein Recht auf Privatsphäre hätten die schließlich auch. Aber gleich Sicherheitsdienste zu schicken, sei schon übertrieben.
Kann man in Berlin aus der verfahrenen Situation in Potsdam lernen? Etwa im Umgang mit dem Projekt Media Spree? Die Vorstellung, dass auch an einem bebauten Spreeufer private Sicherheitsdienste angrenzende Objekte schützen könnten, erscheint nicht abwegig. Selbst wenn ein schmaler Grünstreifen für die Öffentlichkeit bliebe: Ein Spaziergang vorbei an bewaffneten Sicherheitsleuten im Rücken als Naherholung für gestresste Kreuzberger und Friedrichshainer? “Das wird eine Premiumpromenade, ganz bestimmt”, meinte die Freundin, die im Wrangelkiez wohnt. “Wer den Dresscode nicht einhält, wird gar nicht erst ans Ufer gelassen.”








