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Monatsarchiv für Dezember 2007

Weihnachten: Mit Stil in die Nachsaison

Ihre kurze Karriere ist glanzvoll, endet aber immer auf der Straße: Der rauhe Abstieg einer Nordmannstanne beginnt nach den Weihnachtsfeiertagen. Nach und nach verstopfen dann immer mehr Bäume die Fuß- und Radwege Berlins.

In der Friedrichshainer Samariterstraße hat jemand dieses hübsche Exemplar eines Weihnachtsbaums aufgerichtet und ein letztes Mal geschmückt – mit allem was uns heilig ist: McDonald’s Trinkbecher, leere Schnapsflaschen, Apfelsinenschalen und Müllbeutel. Das ist der Chic der Nachsaison – es nach-weihnachtet sehr, bis die Stadtreinigung kommt.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Motz kaufen statt Bier trinken?

Foto: Henning Onken

Foto: Henning Onken

“Will jemand eine Motz kaufen?” Diesen Spruch von Verkäufern der Obdachlosenzeitung Motz kennt jeder, der schon mal in der Hauptstadt war und ein paar Mal die U-Bahn benutzt hat. Seit kurzem wird auch an Wänden für das Magazin geworben: Im Bezirk Mitte formen Collagen aus Artikeln der Zeitung einen Mantel, einen Suppenteller oder ein Bett.

Die Plakate dieser Spendenkampgagne werden auch über Werbung für Bier oder Kulturereignisse geklebt, was man gemeinhin Adbusting nennt. Dabei erhält die Werbung im Hintergrund oft einen lächerlichen oder subversiven Einschlag. Ob es dem Verein hilft, bei der Berliner Bevölkerung mehr Geld für Obdachlosen-Übernachtungsplätze locker zu machen?

Mehr Infos: Motz Online

Bärenkämpfe und Bhutto

Ob wir schon Nachrichten gesehen hätten, fragte der Kellner in dem pakistanischen Restaurant gleich um die Ecke. “Das war ein Schock”, sagte er, “wirklich schlimm für die Menschen in der Heimat”. Benazir Bhutto ist tot, Opfer eines Attentats. Die Oppositionspolitikerin, die acht Jahre im Exil gelebt hatte, entging bereits kurz nach ihrer Rückkehr im Oktober nur knapp einem Anschlag, bei mehr als 140 Menschen starben.

In dem Friedrichshainer Lokal wurden die Rolladen heute später hoch gezogen als gewöhnlich. Der Koch hockte noch in Alltagskleidung an einem der Tische und unterhielt sich angeregt mit dem Eigentümer. Jetzt hier etwas essen, nachdem den Leuten gänzlich der Appetit vergangen war, und die Lust, überhaupt etwas zu tun, erschien irgendwie pietätlos. Als einzige Gäste einen schlecht laufenden Laden zu verlassen – auch nicht besser. Wir hatten kein Radio gehört und saßen in der Falle.

Vielleicht konnte man den Kellner auf andere Gedanken bringen? So kamen wir auf das Thema Kampfhunde. Beim letzten Mal hatte der Mann regelrecht vor Glück gejauchzt, als eine Frau mit einem fetten Tier vorbei gelaufen war, das nur aus Zähnen zu bestehen schien.

Als kleiner Junge sei er einmal bei einem Bärenkampf gewesen, erzählte er. Da hätten zwei Kampfhunde einen zahnlosen Bären zerfetzt. Ein Relikt aus Kolonialzeiten in Pakistan – in England waren diese Hetztheater aus dem 17. Jahrhundert vor allem bei Großgrundbesitzern beliebt.

Kampfhunde, Bärenkämpfe, die tote Benazir Bhutto – nichts zu machen, schwer zu begreifen, dieses Pakistan.

Das Wettrüsten hat ein Ende

Fassade in Friedrichshain - Foto: Henning Onken

Foto: Henning Onken

Fassade in der Hausburgstraße in Friedrichshain - Foto: Henning Onken

Lichterketten, bunt blinkende Gestecke und Tannenbäume – so sieht Weihnachten von außen aus, überall auf den Balkonen und in den Fenstern der Stadt. Einige besonders eifrige Mitbürger scheuen keine Kosten und verbrauchen im Dezember soviele Kilowattstunden Strom, wie sonst in einem viertel Jahr nicht. Dafür leuchtet ihr Balkon bis in den nächsten Bezirk herüber. Schlafen können diese Kiezkönige der dunklen Jahreszeit wohl kaum bei dieser Festbeleuchtung.

Doch selbst im gleichen Kiez gibt es große Unterschiede – manche Bewohner legen Wert auf leuchtende Weihnachtsbräuche, andere anscheinend gar nicht. An der Fassade eines neu errichteten Townhouses der “Extra-Klasse” (so der Investor) auf dem obersten Bild strahlen gleich zwölf Balkone und Fenster festlich. Nur wenige hundert Meter weiter steht in der Friedrichshainer Hausburgstraße ein unsanierter Altbau, dessen Bewohner nicht ein einziges Fenster geschmückt haben (unteres Bild). Wahrscheinlich werden hier in einigen Tagen auch keine Weihnachtsbäume vor den Türen liegen.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Kleine Gaben unter der Plastiktanne

“Anderen geht’s schlechter als uns” – mit solchen Botschaften erreicht Bild täglich Millionen von Lesern. Heute also die Geschichte einer Berliner Familie, die sich nur eine Plastiktanne leisten kann. Von teuren Geschenken ganz zu schweigen.

Der älteste Sohn wünscht sich eine Videospiel-Konsole, hat sich aber mit einer “billigen Autorennbahn” aus Plastik zu begnügen, die er sich auch noch mit den beiden Brüdern teilen muss. Auch die Tochter bekommt nur eine gebrauchte Puppe. Klöße und Kartoffeln, eine Gans für den ersten Weihnachtstag und Würstchen für Heiligabend sprengen das Familienbudget vollends.

Ja, vielleicht war der Text so eindrücklich geschrieben, dass man für die Familie spenden würde. In der stillen Hoffnung, die Symptome kurzfristig zu lindern. Der Gedanke scheint aber nicht im Vordergrund zu stehen, eine Kontoverbindung sucht man vergeblich. Ob es vielen Bild-Lesern ähnlich geht?

Foto: Pot Noodle

Vorweihnachtliche Großzügigkeit

Kurz vor Weihnachten überkommt viele Menschen der Wunsch, schnell noch etwas Gutes zu tun. Bei anderen scheint das Geltungsbedürfnis ausgeprägter zu sein, als sonst. So beobachtet in der S1, in der am frühen Abend ein Tross von Sicherheitsleuten patroullierte: Es gab keine Zwischenfälle, allein ein junger Mann mit Gitarre fiel ein wenig aus dem Rahmen. Ein Osteuropäer, der mit kräftiger Stimme ein trauriges Lied anstimmte, mit dem er die Aufmerksamkeit der Fahrgäste auf sich zog.

“Hammse so nen Schein?”, unterbrach ihn einer der Sicherheitsmänner barsch. Hatte der Mann nicht und musste daraufhin sein Instrument einpacken. Kopfschütteln bei Leuten, die andächtig gelauscht hatten. Eine ältere Frau murmelte noch ein “Das- war- aber-wirklich- nicht- nötig” und weiter ging die Fahrt in Richtung Wannsee.

Sobald die Security-Kräfte ausgestiegen waren, setzte der Musiker wieder ein, sang kraftvoller, als vorher und erntete großen Applaus. Sei es aus Mitgefühl oder aus Scham darüber, den Mann nicht vor den latent aggressiven Uniformierten geschützt zu haben – der Musiker wurde mit einem großzügigen Trinkgeld belohnt.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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