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Monatsarchiv für Juni 2007

Alte Kreuzberger Schule

Die Frage, die sich gleich beim Anblick dieses Wagens stellt: Wie viele der 147.787 Kreuzberger verfügen wohl über ein eigenes Auto? Eines, das kein alter VW-Bus aus den 80ern ist. Von den 17 Kreuzbergern, die ich kenne, sind es gerade mal zwei. Ein Diplomat, der mit Frau und Kind am Paul-Lincke-Ufer eine Fabriketage bewohnt. Und ein arbeitsloser Werbemensch, der vom Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg in die Schönleinstraße ziehen musste. Zwar wenig repräsentativ, da die übrigen 15 mir bekannten Kreuzberger zum Studium kamen.

Aber egal. Der Besitzer dieser Limousine dürfte am Landwehrkanal sein Bier trinken können, ohne schräg angeschaut zu werden von Kreuzberger Alt-68ern, Fahrrad-Aktivisten und Studis. Mit einem Osnabrücker Nummernschild und einer Weltkugel auf der Kühlerhaube wird man ihm wahrscheinlich sogar Respekt zollen: Wer schon das traurige Los gezogen hat, durch die “Provinz” scheppern zu müssen – etwa wegen einer neuen Stelle – sollte dies zumindest mit einem solchen Gefährt tun. Es ist genau das Statussymbol, das der aus dem Paradies vertriebene Exil-Kreuzberger braucht. In Erinnerung an Kreuzberg.

Die tatsächliche Auto-Dichte in Kreuzberg pro Einwohner konnte ich am Freitag nachmittag nicht mehr ermitteln. Der Sachbearbeiter, der beim Amt für Statistik Berlin die KFZ-Daten verwaltet, ist schon ins Wochenende gegangen.

Unsere Tarnkappe [in eigener Sache]

Viele Leser haben sich gefragt, warum sich auf unserer Seite ständig die “Balken biegen”. Das Layout sieht jedesmal anders aus. “Ist Fenster zum Hof jetzt ein Tagesspiegel-Tarnblog?”, fragte Matthias. Ja, es stimmt, wir bloggen bald für den Tagesspiegel, doch wie bei (fast) jedem Relaunch führen technische Probleme zu Verzögerungen, die aber hoffentlich bald gelöst sein werden. Dann sollte auch die Verlinkung von der Tagesspiegel-Seite her stimmen. Doch bis es soweit ist, bleiben wir Geisterblogger für den Tagesspiegel – Huuibuhh!

“Must have”

Absolutes “must have” für den Sommer:

promo

1. Shift the notch of the card under the tick
2. Lift the card slightly and continue to shift
3. The tick will be deferred of the skin

Alles klar?

promo

Bilanz:

In Neukölln gibt es offensichtlich keine Zecken, jedenfalls rechnen Apotheker im Rollberg-Viertel mit keinem “Run” auf diese Plastik-Karten.

Erfahrungsberichte im Internet jede Menge, sogar Tipps, wie man die Dinger umsonst bekommt.

Versandkosten bei Ebay mehr als doppelt so hoch wie Preis für Produkt… Also Apotheken-Marathon durch Kreuzberg?! Albern.

Das Dove-Prinzip

Über die Kampagne der Körperpflege-Marke Dove ist viel geschrieben worden, das Prinzip ist einfach. Der Konzern bewirbt seine Produkte mit Models, die nicht sonderlich model-like aussehen – also durchschnittlich wie Sie und ich. “Anti-Ageing-Produkte”, wie sie eine Freundin schon seit ihrem 20.Geburtstag kauft, gibt es bei Dove nicht. Mit der weniger diskriminierenden Formel “Pro Age” haben Werber ein griffiges Schlagwort erfunden, das angesichts der Alterung der Gesellschaft bei Verbrauchern nur auf Zustimmung stoßen kann.

Der Sportartikelhersteller Reebok setzt offenbar auf eine ähnliche Strategie. “Run easy” prangte noch im Mai an allen Litfasssäulen und Werbetafeln der Stadt – eine Botschaft an Läufer (wohl vor allem untrainierte), sich körperlich nicht zu sehr zu verausgaben. Fand ich gut, Sporthersteller müssen ja nicht jedem blutigen Anfänger suggerieren, mit ihren schnellen Schuhen sei der Berlin-Marathon ein Klacks. Berlin im Juni, die Hauptstädter schwitzen auch ohne körperliche Anstrengungen. Die “Run-Easy”-Plakate sind inzwischen verschwunden – komisch, da doch zu dieser Jahreszeit die meisten Jogger in der Mittagshitze kollabieren. Nachhaltigkeit, wie wir sie aus der Dove-Kampagne gewohnt sind, sieht wohl anders aus. Auch wenn aus Marketing-Gesichtspunkten nicht zehn Wochen lang mit den gleichen Plakaten geworben werden kann – warum gibt es keine neuen, die an die Kampagne anknüpfen? Alle Reebok-Schuhe in Berlin kurzfristig ausverkauft? Oder doch lieber auf Nummer sicher: “schneller=sportlicher=schöner”?

“Kiez ist Ansichtssache”

Die Kulturszene in Neukölln nimmt immer mehr Gestalt an, leider ein bisschen auf Kosten der Übersichtlichkeit, wie es scheint. Wenn am Freitag wieder das Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln beginnt, dürfte es für Außenstehende schwer werden, sich angesichts der vielen Veranstaltungsorte zu orientieren. Tanzaufführungen, Konzerte und interaktive Kunstaktionen finden im gesamten Stadtteil statt.

Für den Reuter-Kiez gibt es jetzt eine Karthografie, einen künstlerischen Stadtplan. Die Initiatorin des Projekts, Annette Köhn, hat Künstler, Grafiker und Bürger ermuntert, ihre Sicht auf den Kiez festzuhalten: Spielplätze, Hinterhöfe, Läden oder Fassaden. Einige der Originalbilder werden am Samstag im Rahmen des Festivals in der Musenstube gezeigt, andere können interessierte (Wahl-)Neuköllner als Reproduktionen an Bäumen und Laternen wiederfinden.

“Bleibt uns aus der Sonne”

Auf der Suche nach einer neuen Wohnung in Kreuzberg? Fabriketagen sind zu gewöhnlich? Dann könnte die Fichtestraße eine interessante Adresse sein. Dort will ein neuer Privatinvestor auf einem 8000 Quadratmeter großen Gelände 31 Luxus-Apartments errichten, wie die Berliner Morgenpost und die Tageszeitung Junge Welt berichteten. Die Anwohner befürchten bereits eine Yuppiisierung des Kiezes und höhere Mietpreise. Nun handelt es sich nicht um Wohneinheiten in mehreren Stuckaltbauten, wie man vermuten könnte, sondern um geräumige Wohnungen in einem ehemaligen Bunker.

Wirklich – Luxus-Appartements in einem Bunker! Der Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert diente bis 1922 als Gasometer und wurde dann Anfang der 40er Jahre von Zwangsarbeitern zum Luftschutzbunker umgebaut. Bis zu 40.000 Menschen suchten dort im Frühjahr 1945 Schutz vor den Bomben der Alliierten. Nach einer Zwischennutzung als Altenheim, Jugendhaftanstalt und zuletzt als Asyl für Obdachlose, steht das Gebäude seit 1963 leer. Der Sportplatz auf dem Areal wird weiterhin von Schulklassen genutzt.

Bei aller Geschichtsindifferenz: Ob sich tatsächlich jemand finden wird, der laue Sommerabende auf einer Dachterrasse auf dem Fichte-Bunker genießen kann? Die Anwohner haben jedenfalls eine groß angelegte Kampagne gegen die Pläne des Investors gestartet, in der sie auch über die Geschichte des Ortes informieren. Keiner der neuen Mieter oder Käufer wird daher ruhigen Gewissens einziehen und später behaupten können, er habe von alledem nichts gewusst.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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