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Schöner Wohnen im Knast

Ehemaliges Gefängnis Rummelsburg

Wie mag sich ein Ex-Häftling fühlen, wenn er dieser Tage noch einmal seine Zelle in der früheren Haftanstalt Rummelsburg anschauen möchte? Er wird sie nicht mehr vorfinden. Stattdessen wird er am Ort seiner Haft auf eine junge Familie stoßen, die sich für eine schmucke Musterwohnung interessiert. Dennoch wird ihn zumindest von außen vieles an seine Zeit im DDR-Knast erinnern. Die Nummern der Zellen stehen noch immer in großen Lettern an der Fassade unter den Fenstern. Auch der Wachturm ist noch da, von dem beim Hofgang misstrauische Wärter lugten. Prominentester und einer der letzten Häftlinge war übrigens der gestürzte DDR-Staatschef Erich Honecker, wenn auch nur für eine Nacht.

Wohnraum entsteht in Berlin durch hohen Leerstand nur noch, wo es sich wirklich lohnt. Die Rummelsburger Bucht in Lichtenberg ist so ein Ort. Eine landeseigene GmbH vermarktet das Entwicklungsgebiet als “Wasserstadt Rummelsburg” und hat seit Mitte der 90er Jahre mehr als 2000 Wohnungen gebaut. Auch auf dem “Berlin Campus”, der seit 1990 leerstehenden Haftanstalt an der Hauptstraße, sind schon mehr als 140 Wohnungen verkauft worden. Werbung mit Sprüchen wie “Attraktives Wohnen am Wasser” funktioniert offenbar.

Wie lebt es sich in einem edelsanierten Knast? Wahrscheinlich nicht anders als in irgendeiner Zwei-Raum-Wohnung, in der der wir wohnhaft sind – oder in der wir in Wohnhaft sind, sobald die Tür sich schließt…

Fotostrecke: Fassaden der Hauptstadt

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10 Kommentare zu “Schöner Wohnen im Knast”



  • schon etwas eigenwillig, aus einem knast wohnungen zu machen. aber auch in kreuzberg gibt es ein ähnliches projekt. im fichtebunker sollen luxus-appartments entstehen. zum ärger der anwohner.

    http://www.fichtebunker.com/


  • Total geschmacklos, in so einen Stasi-Knast zu ziehen. Manchem früheren Mitarbeiter dort knnte das vielleicht gefallen. Als Erinnerung an die guten alten Zeiten, als man mit ideologisch anders gestrickten Leuten verfahren konnte, wie man wollte. UNdenkbar, dass irgend jemand aus dem Umfeld der Bürgerbewegten da einziehen würde. Warum macht man nicht ein Museum aus dem Gebäudekomplex oder richtet eine Bibliothek ein?


  • @Frank Hillberg: So können nur Besserwessis reden. Sie haben überhaupt keine Ahnung.


  • Ich finde die Idee des “Berlin Campus” super. Berlin macht inzwischen am Spreeufer inzwischen richtig was her und das wertet die ganze Stadt auf. Gefängnisse zu Loft-Wohnungen, Ruinen zu Penthouse-Etagen, kann man da nur sagen. Es ist doch schön, wie auf einer düstern Vergangenheit wieder was wächst!


  • Ich finde so etwas super. Was können denn diese Häuser bzw. Anstalt dafür, was die DDR Regierung besonders das MfS verbockt haben? Immerhin sind nun schon über 17 Jahre vergangen, wo es noch Stasi und DDR gab, warum gebt ihr denn mit der Vergangenheit nie Ruhe? Ich selber (33J.)bin gerade dabei, den ehem. Stasiknast mit aus zu bauen. Wisst ihr denn überhaupt, für wie viele Menschen der Umbau Arbeit bedeutet? Schaut euch doch mal in der Woche um, und das sind nur die Arbeiter die Ihr seht! Seid doch froh, das wieder ein Schandfleck beseitgt wird!
    Immerhin wurde ja auch der Reichstag neu aufgebaut, und war dort nicht auch ein düsterer Vergänger drin (Adolf H.)?
    Ich vermute, das noch 50 Jahre vergehen müssen, bevor Ihr mit dem Ost / West gefasel aufhört!
    Denkt an das was kommt!!!!


  • Boah Krass, bin durch zufall über dieses rummelsburger Bild gestolpert und sofort wieder ins Jahr 74 zurück geschleudert worden. Eigendlich dachte ich, das der Komplex längst abgerißen wurde. Es ist für mich nicht mehr genau erkennbar ob es sich bei dem Bild um Haus 1 oder Haus 2 handelt aber wie auch immer, seh ich nur die weiß gekennzeichnete Kellerebene dann schlagen Erinnerungen hoch was sich dort unten in der Mummpe agespielt hat und das war mehr als nur heftig.
    Hätte man die Gebeude als Museum erhalten, würde das meine Zustimmung finden…aber Wohnhäuser ? Stellt sich mir die Frage: Was für Leute wohnen jetzt da “Sado-Maso kranke” ???


  • ich hoffe, dass dort wenigstens eine Infotafel hingestellt wird.


  • War dort im Alter von 15 Jahren U-Häftling (Haus II ?, Zelle 103 – sechs Heranwachsende -) bis Juni 1958 wg. “Paßvergehens” (Vorläufer von Republikflucht). Rechtsanwalt Wolf konnte gerade noch eine Einweisung in Jugendwerkhof verhindern.
    Nach Entlassung – mit zweijähriger Bewährungsfrist – in die “Zone” sofort abenteuerliche Flucht mit Mutter und Geschwistern nach Westberlin.
    Rechtsanwalt Wolf – von seiner Stasi-Verbindung hatten wir natürlich keine Kenntnis – war in die Flucht eingeweiht.
    Vielleicht ist die Flucht – der Personalausweis DDR war mir entgegen der Übung nicht entzogen worden – nur wegen der Einweihung von RA Wolf in die Fluchtpläne gelungen.

    Die Umwidmung des Gefängnisses in einen Wohnpark ist geschmacklos bis obszön.
    So etwas bringen nur Deutsche fertig.
    Auch wenn man nicht “jedes” Gefängnis zum Denkmal erklären kann, wäre nur ein Abriss vertretbar gewesen.
    Habe zufällig im Radio gehört, dass sich ein Regisseur?/Künstler nach der Wende für eine Nacht in Rummelsburg hat einschließen lassen, um “zu erfahren”, wie man sich als Gefangener fühlt. Zum Kotzen!!

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Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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