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Archiv für das 'Friedrichshain'-tag

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Berlin brutal #15: Ihr kriegt uns hier nicht raus!

Liebigstraße 14 - Foto: Henning Onken

Diese Geschichte beginnt vor meiner Haustür: “Wenn Räumung dann Beule” und “Beulker auf’s Maul” steht seit Jahren an Wänden der Rigaer- und der Liebigstraße, sogar im Keller stehen solche Sprüche an den Wänden. Hin und wieder überpinseln Maler die Drohungen und bunten Kleckse von Farbbeutelattacken mit dem Grundton der Fassade – wohl wissend, dass der Konflikt zwischen den Bewohnern dieser Häuser und ihren Besitzern unter der Oberfläche weiter schwelt. Seit einigen Wochen signalisieren große Transparente am Wohnprojekt Liebig 14, dass die Auseinandersetzung in einer entscheidenden Phase ist: “Keine Räumung durch den Kinderschutzbund”, heißt es da. Was ist hier eigentlich los?

“Wir waren zuerst da”, bekräftigen Bewohner der Liebig 14 den Anspruch auf ihr gemeinschaftliches Wohnen. Vor fast 20 Jahren wurde das Haus besetzt und kurz darauf durch Mietverträge legalisiert. Erst um die Jahrtausendwende kauft Suitbert Beulker das Eckhaus Liebig 14/Rigaer 96 sowie die angrenzenden Häuser 95 und 94. Mit den Ex-Besetzern in der Liebigstraße und Rigaer 94 legt er sich schnell an: Beulkers ehemalige Sekretärin bezeugt vor Gericht, ihr Chef habe einem Elektriker vorgeschlagen, das Hinterhaus der Rigaer 94 an Baustellen-Starkstrom anzuschließen – was Beulker bestreitet. Spätestens da ist der Streit nicht mehr beizulegen.

Von den Mietverträgen der Liebig 14 ist inzwischen nur noch ein einziger übrig. Hauptstreitpunkt war eine zusätzlich eingebaute Tür im Treppenhaus, die in vielen Hausprojekten Wohnungstüren ersetzt, hier aber rechtlich keinen Bestand hatte. Hinter dem Verhalten des Vermieters wittern die gekündigten Mieter den Plan, das leer geklagte Haus zu räumen und nach einer Luxussanierung als teure Eigentumswohnungen zu verkaufen.

Die Bewohner zahlen nach eigener Aussage weiter Miete und hoffen auf eine Reaktion des Kinderschutzbundes, den sie involviert sehen, weil Beulkers Zweitgesellschafter Edwin Thöne auch Geschäftsführer des Kreisverbands Unna ist. “Der Kinderschutzbund sieht keinen Widerspruch zwischen Vereinsarbeit und Wohnraumspekulation von Mitgliedern”, klagt ein Bewohner. Auch ein Angebot zum Kauf des Hauses über eine Stiftung würde ignoriert. Thöne selbst wolle sich zu der Angelegenheit derzeit nicht äußern, teilte mir heute die Unnaer Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes mit.

Am 13. November wird der letzte Revisionsprozess um einen Mietvertrag vor dem Landgericht verhandelt.

Update 13.11.: Auch der letzte Prozess ging verloren. Die Bewohner der Liebig 14 sind jetzt rechtlich keine Mieter mehr. Sie wollen weiter für ihr Hausprojekt kämpfen, müssen jedoch auch mit einer Räumung rechnen.

Foto: Christian Hetey

Spekulantenträume: Kauft Wohnungen im Montmartre von Berlin

Haus in der Simon-Dach-Straße - Foto: Anne OnkenSicher haben die meisten Leser von fensterzumhof.eu gerade mehr als eine Viertelmillion Euro auf der hohen Kante und Interesse an einer Eigentumswohnung in der Friedrichshainer Simon-Dach-Straße. In diesem famosen Viertel “finden Sie neben Künstlern und Angehörigen kreativer Berufe auch den Banker und Manager, multikulturell eben” – so wirbt eine Immobilienfirma für das abgebildete “Objekt”. 285.408 Euro soll eine von insgesamt 16 Eigentumswohnung kosten, immerhin 121,45 Quadratmeter groß. Die Courtage kommt noch obendrauf.

Aber der eigentliche Brüller: “An freundlichen und warmen Sommerabenden wird man an die Pariser Studentenviertel Quartier Latin oder auch an den Montmatre erinnert.” Wie bitte, was hat diese Sauf- und Fressmeile mit dem Pariser Künstlerviertel Montmartre gemeinsam, das auch noch falsch buchstabiert wird? Diesen Werbetext kann nur jemand geschrieben haben, der sich weder in Berlin noch in Paris genauer umgesehen hat. Oder aber – und das ist wahrscheinlicher – die Luxus-Sanierer wollen das zwischen Luxemburg und den Antillen frei flottierende Kapital der “Banker und Manager” anlocken, die ja hier so zahlreich herumlaufen sollen. Die Eigentumswohnung als Kapitalanlage für eine Zeit, in der diese Gegend zum Montmartre von Berlin wird. Ich sehe es schon vor mir. How charming!

Vorläufig sieht die Wirklichkeit aber noch anders aus, vor allem der soziale Friede fehlt. In einem Café an dieser Ecke konnte im Frühjahr Innensenator Körting seinen Plausch mit Journalisten nicht zu Ende führen, weil er sich von Autonomen bedroht fühlte. Auf das Lokal war zuvor ein Buttersäuren-Anschlag verübt worden. Ein edel sanierter Altbau zieht zwar kaum so viel Ärger auf sich wie der Kreuzberger Car-Loft, aber Stadtsoziologen werden sich bestätigt fühlen: Hier lässt sich die dritte Phase der Gentrifizierung beobachten. Es gibt hier bereits Dachgeschosswohnungen für 450.000 Euro.

Aus Liebe zu Henry Miller: Ukrainer klebt seine Hosen an Berlins Wände

"Oh my Henry Miller" - Foto: Henning Onken

Über ganz Berlin verteilt hängen sieben Hosen mit sieben Briefen an Henry Miller. An ruhigen Plätzen, wie Sasha Shagi schreibt. Der ukrainische Künstler ist gekommen, um die Berliner mit seiner Begeisterung für den amerikanischen Autor anzustecken. Miller wird diese Briefe nicht mehr lesen können, denn er ist längst tot. Seine schriftstellerisch besten Jahre hatte er im Paris der 1930er Jahre, wo er so lebens- und liebeslustige Werke wie “Wendekreis des Krebses” schrieb.

Eine von Sashas Hosen habe ich in Friedrichshain gefunden, allerdings nicht an einer leisen Ecke. Den Brief hatte leider schon jemand mitgenommen. Ich hätte ihn gern gelesen. Also, falls jemand im Vorbeigehen irgendwo eine Hose auffällt, an die ein Brief geheftet ist, bitte melden!

Videos von Sasha Shagi, Projektblog und Fotos

Fototour: Berliner Streetart

Der schönen Warenwelt der DDR

Ehemaliger Konsum in Friedrichshain - Foto: Henning OnkenSträucher wuchern vor dem ehemaligen Konsum in der Hübnerstraße. Bevor die DDR mit den meisten ihrer volkseigenen Produkte in die Welt der Anekdoten und Retro-Läden verschwand, roch es hier nach Pfandflaschen. In den Regalen lagen Schmalzfleischkonserven und “Böngers” genannte Karamellbonbons. Die Orangen-Limonade schmeckte wie vergorenes Fruchtwasser.

So habe ich als verwöhnter Wessi-Knabe einen Dorfkonsum in Mecklenburg-Vorpommern erlebt, zu dem mich meine Großtante bei einem DDR-Besuch schickte. Ich brachte ihr auch mehrere Graubrote mit, die sie vor den Augen der staunenden Besucher täglich an ihre Schweine verfütterte.

In Friedrichshain habe ich unter den umzugsfreudigen Anwohnern noch keinen getroffen, der hier vor 20 Jahren einkaufte. Heute versuchen sich in dem Gebäude gelegentlich Künstler als Galeristen. Für die Kaufgewohnheiten der jetzigen Friedrichshainer taugt die Ladenzeile aber nicht: Anwohner trotten lieber in die zuweilen einstürzenden Flachbauten von Aldi, Netto oder Rewe. Die warten tatsächlich alle nur ein paar hundert Schritte weiter am Alten Schlachthof, ein Kaufland wird auch noch gebaut.

Sicher machen sich in jedem Straßenzug nur jene Geschäfte breit, die der Bewohner dort aushält. Und das ist ein hartes Urteil über diese Gegend an der Grenze zwischen Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Lichtenberg.

“Thor Steina will hier keina”, Nazi-Graffiti auch nicht

Thor Steinar
Farbbomben, Plakate, und jetzt ein Info-Container: Von dem Klamottenladen Tromsö in der Petersburger Straße ist nicht mehr viel zu sehen. Die schwarzen Farbkleckse haben die Verkäufer des bei Rechtsextremen beliebten Thor Steinar-Labels noch übergepinselt und sich vor Demonstrationen eingeigelt.

Seit einigen Tagen machen jedoch Stellwände der Friedrichshainer Initiative gegen Rechts unübersehbar deutlich, worum es hier geht: Braune Mode hat in Berlin nichts verloren und ihre Freunde auch nicht. Falls die Räumungsklage gegen den Laden Bestand hat, könnte der Spuk Ende des Jahres vorbei sein.

Leider gibt es in der Stadt auch weniger auffällige Stellen, wo Rechte Spuren hinterlassen. Zum Beispiel einige hundert Meter weiter am alten Schlachthof an der Landsberger Allee. Dort prankt ein Graffito, das an einen Stahlhelm erinnert, daneben ein Hakenkreuz.

Nazi-Graffiti (?) am Alten Schlachthof in Prenzlauer Berg - Foto: Anne Onken

Poesie gegen brennende Autos

Poesie gegen brennende Autos in Friedrichshain - Foto: Henning Onken

“Willkommen im Chaotenbezirk” und “Why Not?” steht auf den Stickern. Abgebildet sind vermummte Steinewerfer und brennende Autos. Auf solche Grüße an Schildern und Türen in Friedrichshain und Kreuzberg antworten Anwohner jetzt mit einem Gedicht. “Du bist neidisch auf Wohlstand, weil Du selber Deinen Arsch nicht hochkriegst!”, heißt es an die Adresse von Brandstiftern gerichtet, die in Berlin schon mehr als 170 Autos in diesem Jahr abgefackelt haben.

Der schlimmste Vorwurf, den man einem “arm aber sexy” Berliner machen kann, steht gleich am Anfang: “Du hast keinen Stil!”

Fotos von interessanten Berliner Plakaten

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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