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Spekulantenträume: Kauft Wohnungen im Montmartre von Berlin

Haus in der Simon-Dach-Straße - Foto: Anne OnkenSicher haben die meisten Leser von fensterzumhof.eu gerade mehr als eine Viertelmillion Euro auf der hohen Kante und Interesse an einer Eigentumswohnung in der Friedrichshainer Simon-Dach-Straße. In diesem famosen Viertel “finden Sie neben Künstlern und Angehörigen kreativer Berufe auch den Banker und Manager, multikulturell eben” – so wirbt eine Immobilienfirma für das abgebildete “Objekt”. 285.408 Euro soll eine von insgesamt 16 Eigentumswohnung kosten, immerhin 121,45 Quadratmeter groß. Die Courtage kommt noch obendrauf.

Aber der eigentliche Brüller: “An freundlichen und warmen Sommerabenden wird man an die Pariser Studentenviertel Quartier Latin oder auch an den Montmatre erinnert.” Wie bitte, was hat diese Sauf- und Fressmeile mit dem Pariser Künstlerviertel Montmartre gemeinsam, das auch noch falsch buchstabiert wird? Diesen Werbetext kann nur jemand geschrieben haben, der sich weder in Berlin noch in Paris genauer umgesehen hat. Oder aber – und das ist wahrscheinlicher – die Luxus-Sanierer wollen das zwischen Luxemburg und den Antillen frei flottierende Kapital der “Banker und Manager” anlocken, die ja hier so zahlreich herumlaufen sollen. Die Eigentumswohnung als Kapitalanlage für eine Zeit, in der diese Gegend zum Montmartre von Berlin wird. Ich sehe es schon vor mir. How charming!

Vorläufig sieht die Wirklichkeit aber noch anders aus, vor allem der soziale Friede fehlt. In einem Café an dieser Ecke konnte im Frühjahr Innensenator Körting seinen Plausch mit Journalisten nicht zu Ende führen, weil er sich von Autonomen bedroht fühlte. Auf das Lokal war zuvor ein Buttersäuren-Anschlag verübt worden. Ein edel sanierter Altbau zieht zwar kaum so viel Ärger auf sich wie der Kreuzberger Car-Loft, aber Stadtsoziologen werden sich bestätigt fühlen: Hier lässt sich die dritte Phase der Gentrifizierung beobachten. Es gibt hier bereits Dachgeschosswohnungen für 450.000 Euro.

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21 Kommentare zu “Spekulantenträume: Kauft Wohnungen im Montmartre von Berlin”



  • Hippe Gegend immer was los.
    Is’ im Kaufpreis wenigstens einmal das Abfackeln der eigenen PKW-Luxus Rosette durchs Auto-nome versichert?


    • Ich fürchte nicht, nein. Da liegen Car-Lofts eindeutig im Vorteil. Aber vielleicht lässt sich die Straße ja mit einem Parkhaus unterkellern. Etwas Ähnliches entsteht gerade am Alex :-)


  • Über die Zustände in Friedrichshain meckern, aber dann rumjammern, dass Leute tatsächlich dazu getrieben werden Autos anzuzünden.

    Naja.


  • 285.408 Euro für eine 121 QM große Wohnung ist ein guter Preis für eine Innenstadt Wohnung.
    Ich denke die haben kein Problem die Wohnungen zu verkaufen.

    Ich hoffe das Foto ist nicht das Haus mit den Wohnungen weil der Zustand des Hauses schon nach der gleichen Summe wie der Kaufpreis der Wohnung für die Modernisierung (Fassade/Wärmedämmung/Dach…) aussieht. Die Modernisierungskosten werden ja auf die Eigentümer (je nach Satzung/Eigentümerversammlung) umgelegt. Das können ja je nach Zustand des Hauses schnell noch mal 100.000 Euro oder mehr werden.

    Ein Auto braucht man in dieser Gegend eh nicht und die Autonomen werden früher oder später sowieso aus der Innenstadt weg sein. Das braucht nur Zeit um die noch freien Grundstücke zu bebauen und die noch verfallenen Häuser zu modernisieren.


    • Ein guter Preis? Wenn ich richtig gelesen habe, werden dort nicht einmal die Fenster ausgetauscht – und das bei dem Lärmpegel an dieser Ecke. Aber ich nehme auch an, dass sie ihre Wohnungen loswerden. Das Foto zeigt übrigens die besagte Fassade. Da nur ein Licht brennt, geh ich davon aus, dass die Sanierungsarbeiten noch andauern.


  • Nun ja schauen Sie sich doch die Preise für Eigentumswohnungen in anderen (langweiligen) Großstädten Deutschlands oder anderer europäischer Hauptstädte an.

    Wenn Sie die “Dörfer” München oder Stuttgart nehmen könnten Sie gut die Marktpreise für so eine Wohnungsgröße recherchieren. Und diese Orte in der verschneiten Provinz sind nicht mal Hauptstadt (zumindest nicht Bundeshauptstadt).

    Bei den Preisen für Eigentum gibts keinen eigenen “Berliner Preis” wie z.B. bei Mietwohnungen. Da der Staat ja dafür keine Subventionen mehr zahlt.
    Jeder Zuzügler aus der Provinz der sich das leisten kann kauft hier in der Regel gleich eine Wohnung. Oder läßt das seine Eltern machen.


    • Schon klar, im Vergleich zu Stuttgart oder München sind diese Wohnungen wahrscheinlich Schnäppchenangebote. Für Berlin und insbesondere diese Ecke in Friedrichshain machen solche Angebote das rasante Tempo deutlich, in der sich die Stadt verändert. Dass sich dabei mal eine Immobilienfirma etwas vergaloppiert, liegt in der Natur der Sache ;-)


  • Ich halte den angegebenen Preis in dieser Lage für nicht überhöht, nicht, dass ich ihn mir persönlich leisten könnte. Aber darauf kommt es ja nicht an. Die Kommentare und der Text oben haben aber eher den Tenor “Was ich mir selbst nicht leisten kann, soll sich auch kein Anderer leisten dürfen.” Wenn es Leute gibt, die diese Preise zahlen, sollen sie sich doch eine Wohnung kaufen. Das kann Berlin nur gut tun. Diese Leute werden ihr Auto sicher nicht selbst reparieren und nicht ausschließlich selbst kochen. Sie nehmen eher die Hilfe einer Autowerkstatt in Anspruch, gehen eher mal essen, nutzen auch das Taxi und gehen auf dem Wochenmarkt frisches Obst einkaufen. Genau dort entstehen die Jobs, die Berlin braucht. Nämlich ganz normale.


  • Friedrichshain=Innenstadt? Hach ja, ihr Marktgeilen seid schon ne Nummer.


  • Schon klar,
    und der Rest der sich das nicht leisten kann, kann ja längerfristig auswandern für die, die die Jobs schaffen.
    Hat in Prenzelberg doch schon mal hin gehauen,
    Die dort in ihrem Bio-top leben, abseits der Realität


  • ich wusste dass diese frage kommt.
    alter reflex wenn man bestimmte worte gebraucht, einen angriff zu finden.
    nächste frage: was ist denn ein angriff in deinen augen?
    USWUSF


  • Gut möglich, daß das eine Ferienwohnung wird, wenn sie verkauft ist. Man mag den Lärm sonst ja nicht so, aber im Urlaub darfs schonmal hoch hergehen und Party sein. Für die angedachte Klientel – Frankfurter aus dem Bankenviertel, vielleicht auch Zürcher – dürfte der Preis in die Kategorie “kleine Annehmlichkeiten für wenig Geld” fallen, die sind ein anderes Preisniveau gewöhnt. Londoner oder New Yorker fändens wohl unglaublich putzig, so billig soviel Platz mit soviel Ruhe und so wenig Verkehr zu bekommen.


  • @Zebra

    Hey Zebra, mein Berliner Dorfbewohner,
    Berlin ist so billig, weil es nur aus einer zusammensetzung von märkischen Bauerndörfern besteht.
    Mariendorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf, Bohnsdorf…….
    Siehe anderen beitrag vom Rob
    Bonn war als Hauptstadt peinlich, Berlin ist eine Zumutung.
    Übrigens, Berlin und Brandenburg haben inzwischen weniger Einwohner als das kleine Bundesland Hessen.


    • Vielleicht sollten Sie sich mal mit den Eigenheiten des Berliner Arbeitsmarktes bekannt machen.

      Wenn Sie das gemacht haben werden Sie nicht wieder solchen Quatsch von sich geben und wissen vor allem warum Berlin keine billigen Preise hat, sondern nur exakt die Preise die die Einwohner hier auch bezahlen können.

      Trotz der (für Sie) vielleicht günstigen Preise gehen hier reichlich Unternehmen/Personen pleite weil die Masse (rd. 90 Prozent) der Einwohner eben hier kein Geld übrig bzw. trotz Arbeit gerade genug zum (einfachen) Leben hat.


    • da frag ich mich ernsthaft was Sie mir mit dieser Gegenüberstellung von Bevölkerungszahlen mitteilen wollen.


  • @Stadtradler
    Einfache Leute lieben das einfache Leben, finanziert durch
    die Bundesländer Baden Württemberg, Bayern und Hessen.
    Sarrazin hat Recht.


    • der Schwabe ist ja von je her ein Finanziee der restlichen Menschheit, nich? einfach mal im Geschichtsbuch nachlesen. Unter Ländertransferausgleich.


  • Viel lustiger finde ich: Montmartre und Quartier Latin Kuenstlerviertel?! Wer hat ihm das denn erzaehlt bzw. wann war denn der Werbetexter zum letzten Mal dort? 1971? Insofern ist die Gentrifizierung nur folgerichtig, wenn man tatsaechlich eine Atmosphaere wie an den genannten Orten erzeugen will, sollte man die Wohnung eher fuer mehrere Millionen verkaufen, ERST DANN duerfte man sich wie in Paris fuehlen, s c h w e r r e i c h e [aber jetzt wirklich, nicht im popeligen Berliner Sinn] Yuppies in den grotesk ueberteurten Straszencafes inclusive.

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  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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