
“Liebe ist die Antwort” steht seit Jahren auf dem einsamen Steinhaufen in der Scharnweberstraße in Friedrichshain. Nicht mehr lange, denn demnächst soll der wilde Garten hinter dem Zaun einem Neubau mit Eigentumswohnungen weichen. Als “offen, ökologisch und flexibel” preist die Baugruppe Südwestsonne ihr Projekt an: Sie hat eine der letzten Freiflächen der Gegend erobert.
Die grünen Lücken zwischen Häusern sind gefragt, besonders in Friedrichshain, Mitte und Prenzlauer Berg. Hier sind in 20 Jahren Stadterneuerung frisch getünchte Fassaden und ausgebaute Dachgeschosswohnungen entstanden. Jetzt verteilt der Senat die letzten Freiflächen in den beliebten Quartieren, von denen viele durch Weltkriegsbomben entstanden waren. Das stößt nicht überall auf Gegenliebe. In der Treptower Lohmühlenstraße mussten Bäume für einen Neubau gefällt werden. “Hier entsteht ein Obdachlosenheim”, hat jemand an den Bauzaun gesprüht, aus Ärger über die zukünftigen Besitzer der Eigentumswohnungen.

Wahrscheinlich wird das Wort Baugruppe in linken Kreisen eine ähnliche Negativkarriere machen wie Gentrifizierung – eine Bezeichnung, mit der noch vor einem Jahr kaum jemand etwas anfangen konnte, die aber jetzt in aller Munde ist. Baugruppen robben sich an, schnappen in den besten Kiezlagen Gewerbehöfe, Parkplätze und Hundewiesen. Die neuen Nachbarn wohnen in maßgeschneiderten Niedrigenergie-, Passiv- oder Mehrgenerationenhäusern und freuen sich über kurze Wege zu Kitas und Szene-Cafés.
Viele Bewohner der inzwischen mehr als 100 Berliner Baugruppenprojekte fühlen sich missverstanden. Sie wollen “in einer Hausgemeinschaft wohnen und Gemeinschaftsflächen gemeinsam gestalten und nutzen”, betont etwa die K20 in der Kreutzigerstraße. Das hört sich so an, als seien dort ehemalige Hausbesetzer zu Geld gekommen.







Es wird Zeit, dass auch in Berlin die letzten Kriegsschäden – und dazu zählen auch viele Baulücken – endlich beseitigt werden. Dadurch entsteht neuer Wohnraum, was doch von allen begrüßt werden sollte.