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Mietprotest in Kreuzberg: Paradise lost?

Klar, dass die Demonstration gegen steigende Mietpreise in Kreuzberg stattfinden wird. Im Protestbezirk. Während Leute in anderen Teilen der Stadt am Samstag Nachmittag ihre teuren Wohnungen genießen, treibt es die Kreuzberger auf die Straße: Wer weiß, wie lange sie ihre Miete dort noch bezahlen können, in welcher Beton-Wüste sie als nächstes hausen müssen. Die Zitty berichtet, besonders unter den kleineren Gewerbetreibenden herrsche Endzeitstimmung seit Investoren auf einen Aufschwung im Stadtteil setzen. Neue Mieten liegen deutlich über dem bisherigen Niveau, viele Bewohner des früheren SO 36 geben nach einer Studie von TOPOS fast ein Drittel ihres Haushaltseinkommens für die Miete aus.

Bei aller Sympathie für die Demo: Ich glaube kaum, dass der Unterstützerkreis weit über Kreuzberg hinaus reichen wird. Exil-Kreuzberger, die längst wegen einer bezahlbaren Wohnung auf andere Bezirke ausweichen mussten, sind träge. Sie werden wohl etwas anderes vorhaben. Der neue Kiez wird nach einiger Zeit spannender, der Ärger über die Vertreibung wird von der Ahnung überschattet, mehr von der Stadt kennen gelernt zu haben. Vielleicht ist die Demo ja aber auch nur eine Generalprobe für den richtig großen Protestmarsch von Neukölln über Kreuzberg nach Friedrichshain…

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

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12 Kommentare zu “Mietprotest in Kreuzberg: Paradise lost?”



  • ihr seid doch verwöhnt mit euren mieten. “fast ein drittel des haushaltseinkommens…” das ich nicht überlache. da bin ich weit drüber. und das ist nicht unüblich. :-/


  • Ja, in der Tat, der war wirklich gut. Vielleicht ab und an mal den Blick über den Tellerrand hinaus wagen, dann würde man feststellen, dass man in Berlin unglaublich günstig lebt, das gilt sowohl für die Miete wie auch für den Nahrungsmittelbedarf.

    Aber jammern wenn etwas teurer wird ist ja allzeit opportun.


  • @carl/jens:

    Man muss ja nicht jede schlechte Entwicklung von anderswo mitmachen.
    Fakt ist, dass es nun einmal viele arme Leute gibt, je nach dem können 33, gar 50% des Einkommens für Wohnraum bedeuten, dass man sich wirklich kaum etwas anderes noch leisten kann.
    Und bei denjenigen, die ihre Miete über Staatsknete bezahlt bekommen: Na, da wird eben der Staat umso mehr belastet, je schneller die Mieten steigen.

    Bei der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung muss nicht unbedingt jeder Kiez auf die Prenzlberg-(Bergmannstr.-Masche aufsteigen.


  • hallöchen,

    @jens: darf ich dich darauf aufmerksam machen, dass ein drittel oder eine hälfte eines einkommens nicht mit einem drittel oder der hälfte eines anderen einkommens verglichen werden kann, solange man nicht weiss, in welcher gehaltsklasse da verglichen wird?! wenn man bedenkt, dass in kreuzberg ein hoher anteil an sogenannter “armer bevölkerung” (ja, ich mag diese bezeichnung ebenfalls nicht, aber besser, als von “klassen” zu sprechen…) lebt, dann könne wohl abzüglich miete in höhe von einem “drittel” wohl keine großen sprünge zu erwarten sein. solltest du ein “geringverdiener” sein und dennoch weit mehr als ein drittel für die miete aufzuwenden haben und einer mieterhöhung gelassen entgegensehen, dann: “hut ab!”.
    freundliche grüße,
    jj


  • Ich bedauere ja die Menschen, die ein geringes Einkommen haben, dass sie sich nicht viel leisten können. Aber sie müssen dann nicht notwendigerweise in teuer sanierten Häusern von Berlin-Mitte oder in Villen in Zehlendorf leben (Fall ist mir bekannt). Dafür gibt es keine Grundrechtsanspruch.

    Die Berliner wurden zur Zeit der Mauer von den Politikern mit billigen Mieten bei Laune gehalten. Daher hatten die meisten keine Veranlassung Wohneigentum zu kaufen, obwohl sie es sich hätten leisten können. Stattdessen große Reisen, große Autos usw. Die früheren “Schweine”-Mieten sind der Grund für den ungewöhnlich hohen Mieteranteil in der Stadt und dafür, dass viele im Alter nicht viel haben. Jetzt, wo die Mieten sich den Kosten nähern und nicht mehr subventioniert werden können, ist plötzlich das Geschrei groß und man verlangt nach weiterer Subventionierung. Leute, Berlin ist pleite, und die unsinnige Wohnungspolitik der Vergangenheit ist eine wesentlichen Ursachen dafür. In Konsequenz muß mann künftig mehr Einkommen fürs Wohnen aufbringen. Eine Entwicklung die es in westsdeutschen Großstädten übrigens schon seit langem gibt.


  • Sehe ich ähnlich. Die großen Entwicklungsgebiete in Berlin und die unsinnige Sozialwohnungsbaupraxis, die per se schon zu schlechtem und teurem Bauen führte hat mehrere Milliarden Schulden in die Haushalte der vergangenen Jahre gerissen.
    (Wobei ich die anderen Schlampereien nicht unterbewerten möchte.)
    Fakt ist, dass auch Einkommensschwächere in Berlin ziemlich gut mit Wohnraum versorgt sind. Und da braucht man noch nicht mal den europäischen Vergleich anzustrengen (zB unser Nachbarland Polen: 17 m2 pro Kopf), da reicht Deutschland: im armen Sachsen-Anhalt hat man 50 m2/Kopf, im wirtschaftsstarken Hamburg bei 30/35 m2 pro Nase. Warum? Wo der Raum billig ist, wird halt viel davon konsumiert.
    Ist doch in Ordnung, wenn begehrter, zentral gelegener Wohnraum von demjenigen genutzt wird, der bereit ist, dafür zu zahlen. Und dass Kreuzberg teurer wird, ist Zeichen der langsam wieder zu Kräften kommenden Wirtschaft in Berlin, nicht etwa Habgier der Vermieter.
    Im übrigen krähen wieder die gelernten Protestler, und nicht die, die in Kreuzberg am engsten beieinander hocken (nämlich die Türken).


  • Ja, Beobachter, nett, dass Sie das mit den Zehlendorfer Villen sagen. Da sticht dann wenigstens heraus, dass Sie einfach nur polemisieren wollen.
    Es geht ja auch nicht darum, dass gar keine Besserverdiener in Kreuzberg einziehen sollen, das gab in 61 auch keine Probleme. Viel ärgerlicher ist, dass Vermieter sich einen immer größeren Reibach nicht für ‘teuer’ oder ‘luxussanierte’ Whgen herausholen wollen sondern auch für auch für ziemlich schlicht modernisierte Klitschen.

    Die Chronologie von Planer und Beobachter ist sowas von simpel und falsch. Die Zeit von großer Wohnbauförderung war in den 70ern vorbei, in den 80ern wurde Wohnraumverknappung und Aufhebung der Mietpreisbindung betrieben.

    Wir hatten einzig das Glück der Wiedervereinigung und viel neuen Wohnraums.

    Nur so als Gedankenanstoß: In London sind es auch nicht nur die Penthouses, etc, die exorbitant teuer sind.
    Da werden arme Mieter in Brixton oder East London auch ausgedrückt bis auf’s Letzte und zwar für die allerletzten Klitschen. Genauso geht’s fast überall zu. Was aber kein Beweis ist, dass das gut wäre.

    Man kann dem schon z.B. mit Stadtplanung etwas entgegnen.


  • Sie irren. Gebiete wie Karow-Nord, fast alle Plattenbausanierungen, Rummelsburger Bucht, Wasserstadt Spandau … die Liste ließe sich fortsetzen… sind Projekte der späten 80er (Wasserstadt) oder der 90er, wo Prognosen, Berlin würde bald 4 Mio. Einwohner haben, zu der unseligen Verbindung aus Wohnungswirtschaft und Senat und letztlich zu Milliardenverlusten für die öffentliche Hand geführt haben.
    Fragen Sie mal in Karow-Nord nach einer 3-Zimmer-Wohnung, idealerweise mit WBS. Da kommen Sie in Kreuzberg aber vergleichsweise günstig weg! Und in Karow-Nord haben Sie noch jeden Tag 1 1/2 Std Bahnfahrt dazu.
    (Vielleicht mal Kreuzberg im Kontext von ganz Berlin betrachten…)

    Und noch was: a) Sie müssen ja nicht die schlicht sanierten, aber teuren Wohnungen nehmen. b) Es gibt den Mieterverein, den ich als Mitglied auch sehr schätze. c) Berliner ziehen im Bundesdurchschnitt sowas von häufig um, das gibt den Vermietern dann immer eine schöne Gelegenheit zur “Anpassung”. Kenn ich aus meinem Freundeskreis: alle 2,3 Jahre umziehen, mal zur Freundin, dann wieder weg, dann ist da die Wohnung mit Balkon, dann ist es zu laut…

    Und noch zu London:
    Natürlich ist in London fast alles teuer. Hab ich doch gesagt: wo viel Nachfrage, da hoher Preis… Übrigens ist zentral gelegener, sanierter Altbau-Wohnraum in Warschau teurer als in Berlin, eben wegen des Verhältnisses Angebot-Nachfrage. Gilt dort auch für Büroraum. Für 10 Euro/m2 könnten Sie dort kein Gewerbe aufmachen. Und
    Penthouses sind in London ganz einfach noch teurer als die kleinen Butzen. Kenne London ausreichend (Schwester wohnt da). Die Preise lassen sich auch ganz einfach erklären: London bietet viele Arbeitsgelegenheiten, Kultur, Offenheit. Begehrt sowohl bei Einwanderern als auch bei kulturaffinen Mittel- und Oberschichtlern. London hat im Sektor Finanzwirtschaft New York den Rang abgelaufen. Da verdienen ganz viele Leute ganz viel Kohle. Viele auch wenig. So ist das. Viele Engländer versuchen deshalb, einen Job in den Midlands oder in Nordengland zu bekommen.
    Und das wird hier in Berlin auch passieren, der eine oder andere Kreuzberger wird halt nach Treptow, Marzahn, Reinickendorf umziehen.

    Merke: Beständig ist allein der Wandel.


  • Nun ja. 850 Leute waren ja auch schon mal was. Den meisten Menschen in Berlin beginnt es erst jetzt richtig zu dämmern, daß sie nicht unendlich oft innerhalb der Innenstadtbezirke vertrieben werden können. Es gibt nämlich nicht mehr viele, die noch nicht aufgewertet worden sind.
    Man braucht sich nur die soziologischen Arbeiten über die Entwicklung in anderen Städten angucken, dort, wo schon in den 80ern und 90ern an der Preisschraube gedreht worden ist: Es lief ähnlich ab, Proteste gab es nur kleinteilig und punktuell.
    Um den großen Protest zu starten, muß vorher weitere Aufklärungsarbeit geleistet werden. Dabei sollte auf mindestens 2 einleuchtende Punkte Rücksicht genommen werden. a) Städtevergleichsargument der Befürworter von Mietpreissteigerungen [Antwort: Gilt nur, wenn Einkommensniveau und Spanne dessen ebenfalls vergleichbar ist] und b): Wer hat die Häuser gekauft und kriegt das zu viel gezahlte Geld?
    Vielleicht kriegen wir das ja hin. Auch das wäre mal ein Wandel!


  • Am Beispiel Graefekiez kann man seit 1995 deutlich beobachten, wie die Hausbesitzer vom Szeneschick profitieren. In diesem Kiez kosten Wohnungen mit schlechtester Bausubstanz (z.B.Planufer/Nord mit feuchten Kellern) schlechten energetischen Werten (gasheizungen) sowie miesen Grundrissen mittlerweile so viel, als wären das alles super sanierte Altbauten. Das Ambiente im Kiez wird tatsächlich stark von prekärer Selbstständigkeit bestimmt. Diese netten Lädchen sind dann die ersten die an der Gier der Hausbesitzer scheitern. Einige dieser Hauseigentümer gehören übrigens zu der sogenannten “Selbstbaumafia” die ihre Wurzeln in der Hausbesetzerszene der frühen 80er Jahre haben.


  • Kreuzberg hat es verdient, an der allgemeinen Mietentwicklung teilzunehmen. Wenn der Staat die Miete nicht durch künstliche Subventionen (durch Wohngeld bzw. Mietzuschuß über ALG 2 bzw. Sozialhilfe) in die Höhe treiben würde, würde der Markt einen Gleichgewichtspreis schaffen, den jeder sich leisten kann.
    Das Sozialsystem muss umgebaut werden.


  • @Psylon
    Zustimmung. Anlagefonds kaufen alte Häuser auf, schmeißen die Mieter, die teils jahrelang in Eigenarbeit die Wohnungen instandgesetzt haben, raus, und starten eine Generalsanierung billigster Art. Zum einen wird der letzte Altbaubestand dadurch gnadenlos verbastelt, zum anderen werden die Mieter, die vom Staat nicht unterstützt werden oder nicht werden wollen, einfach auf die Straße gesetzt.
    Nach der “oben Pappe rechts Pappe links Pappe unten Laminat”-Sanierung incl. häßlicher Kunststoff-Fenster werden die Mieten etwa verdoppelt, bewegen sich aber immer noch im ALG-II-Rahmen.
    Ich kenne in meinem Bekanntenkreis, der hauptsächlich aus Selbständigen, Leiharbeitern (“Freelancern”) und Studenten besteht, kaum einen, der sich eine 1-Raum-Wohnung für 360 Euro leisten kann oder will. Wer nicht mal 800 Euro im Monat zur Verfügung hat, hat einfach keine Chance.

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