Klar, dass die Demonstration gegen steigende Mietpreise in Kreuzberg stattfinden wird. Im Protestbezirk. Während Leute in anderen Teilen der Stadt am Samstag Nachmittag ihre teuren Wohnungen genießen, treibt es die Kreuzberger auf die Straße: Wer weiß, wie lange sie ihre Miete dort noch bezahlen können, in welcher Beton-Wüste sie als nächstes hausen müssen. Die Zitty berichtet, besonders unter den kleineren Gewerbetreibenden herrsche Endzeitstimmung seit Investoren auf einen Aufschwung im Stadtteil setzen. Neue Mieten liegen deutlich über dem bisherigen Niveau, viele Bewohner des früheren SO 36 geben nach einer Studie von TOPOS fast ein Drittel ihres Haushaltseinkommens für die Miete aus.

Bei aller Sympathie für die Demo: Ich glaube kaum, dass der Unterstützerkreis weit über Kreuzberg hinaus reichen wird. Exil-Kreuzberger, die längst wegen einer bezahlbaren Wohnung auf andere Bezirke ausweichen mussten, sind träge. Sie werden wohl etwas anderes vorhaben. Der neue Kiez wird nach einiger Zeit spannender, der Ärger über die Vertreibung wird von der Ahnung überschattet, mehr von der Stadt kennen gelernt zu haben. Vielleicht ist die Demo ja aber auch nur eine Generalprobe für den richtig großen Protestmarsch von Neukölln über Kreuzberg nach Friedrichshain…

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

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