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Archiv für das 'Friedrichshain'-tag

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Bewohner in Angst: Bitte zündet uns nicht an!

Die Tür ist voller Ruß, der Lack blättert ab. Ganz offenbar haben Unbekannte versucht, Feuer an diesem Wohnhaus in der Rigaer Straße zu stiften. Schockierte Bewohner reagieren mit einer Botschaft an die mutmaßlichen Brandstifter: “Bitte vergesst nicht, dass auch Kinder und Babys in diesem Haus schlafen!”

Wer macht so etwas? Bevor die jetzigen Bewohner in die teuer vermieteten Wohnungen einzogen, war die Rigaer 84 ein linkes Hausprojekt. Seit dem Mauerfall teilten sich dort Generationen von Studenten, Punks und autonomen Lebenskünstlern Küchen, Werkräume und eine Kneipe. Sie wurden schnell von Besetzern zu regulären Mietern. Doch nach dem zweiten Dachstuhlbrand im Mai 2007 gab es kein Zurück mehr. Für die Mietverträge zahlte der Besitzer eine “Entschädigung”, das Haus wurde saniert. Heute erinnern nur noch einige Graffiti im Treppenhaus an diese Zeit. Der Besitzer fand sie offenbar schön.

“Natürlich heilt die Zeit manchmal nicht alle Wunden”, schreiben Bewohner, die sich als “stinknormale Mieter” sehen, an die Adresse ihrer Vornutzer. Ich kann mir schwer vorstellen, dass Menschen, denen der Dachstuhl in Flammen stand, selbst Feuer legen und das Leben anderer aufs Spiel setzen. Aber es gibt in Berlin leider auch Verrückte, die aus Spaß Kinderwägen in Treppenhäusern anzünden.

Fürsorgliche Nachbarn benoten ihren Schrott

Alte Kühlschränke, zerschlissene Sofas und Matratzen: Alles landet auf dem Bürgersteig, wenn Berliner ihren Frühjahrsputz machen – vorzugsweise im Schutz der Dunkelheit. Natürlich gibt es auch ordnungsliebende Bürger, die ihren Müll regulär zu den Abgabestellen der Stadtreinigung bringen.

Einfallsreiche Nachbarn haben einen Trick gefunden, wie sie den Schrott aus ihren vier Wänden doch guten Gewissens vor der Haustür abladen können – sie vergeben Schulnoten. 4- steht auf diesem alten Fernseher in der Simon-Dach-Straße. Der ehemalige Besitzer empfiehlt außerdem, für sechs Euro eine Fernbedienung zu kaufen, damit das Ding wieder mäßig flimmert. Ich warte auf den Tag, an dem ich über eine “ungenügende” Matratze stolpere.

Bildergalerie: Berliner Seitenblicke

Berlin brutal #17: Verlorene Orte, mitten in der Stadt

Es ist erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit an mausetoten Ecken Berlins mit leeren Kneipen Geld verbrannt wird. Der säulenbewehrte Durchgang zwischen zwei Stalin-Bauten am Frankfurter Tor ist ein solcher Ort. Putz bröckelt von den Fassaden, die große Uhr blieb vor langer Zeit stehen. Vor sechs Jahren eröffnete in dem Gebäude nebenan eine Cocktailbar namens “Destiny”, deren Schicksal schon mit dem Tag der Eröffnung besiegelt war: Niemand will an diesem Platz einen Caipirinha schlürfen.

Nach zwei tapferen Jahren hieß der Schuppen plötzlich “El Mar” – eine Tapas-Bar. Wieder saßen die Beschäftigten gelangweilt herum, nur die Leuchtschrift war eine andere. Spanische Küche war also auch keine gute Idee, wie nicht anders zu erwarten. Seit kurzem steht nun Pizzeria “da Salvatore” über dem Laden.

Ich bewundere die Experimentierfreudigkeit der Finanziers und wünsche der aktuellen Inkarnation alles Gute. Mögen die Gäste in Scharen kommen und bis zum U-Bahnhof Schlange stehen.

Wo die wilden Kerle wohnen

Sie haben alle Prozesse gegen ihren Vermieter verloren, aber lassen die Köpfe nicht hängen: Die Bewohner des Friedrichshainer Hausprojekts in der Liebigstraße 14 reagieren mit einer Charmeoffensive auf die drohende Räumung. Mit Info-Veranstaltungen und Konzerten wollen sie seit Wochen zeigen, wie sie wirklich leben und warum ein Fortbestand der Wohngemeinschaft auch für andere Berliner von Bedeutung sein könnte. Das Haus, das oft wie eine Trutzburg wirkt, öffnet seine Türen einen Spalt breit.

Dazu zählt auch eine Freiluft-Galerie mit Fotos von drinnen, die jemand an die Hauswand geklebt hat. Auf den Bildern ist das dicht plakatierte Treppenhaus zu sehen, bunt bemalte Türen und Gemeinschaftsküchen. Für den Betrachter öffnen Bewohner ihre Zimmer – und siehe da: es ist aufgeräumt, sogar die Nietenlederjacke hängt ordentlich am Haken.

Ganz anders informierte die Bild-Zeitung ihre Leser nach der Räumung eines Hausprojekts in der Brunnenstraße. Das Boulevardblatt präsentierte eine Bildergalerie nach dem Motto: Schaut her, so verlottert hausten die Chaoten.

Bilder der Fotoausstellung Inside-Out

Bürgerhaushalt 2011: Wünsch dir was

Habe ich etwas verpasst? Seit kurzem hängen Plakate  im Kiez, auf denen der Bezirk zu Bürgerversammlungen zum Bürgerhaushalt einläd. Klingt gut, aber bis ich das Prinzip verstanden habe, musste ich die Webseite des Bezirks einige Male lesen. In Friedrichshain und Kreuzberg können Bürger telefonisch oder schriftlich vorschlagen, welche Projekte 2011 finanziell gefördert werden sollen. Es werden nur zusätzliche Wünsche über den Topf des Bürgerhaushalts erfüllt – keine öffentlichen Gelder umverteilt.

Auf Bürgerversammlungen, die in diesen Tagen an acht Orten im Bezirk stattfinden, wird über die Ideen für das kommende Jahr abgestimmt. Die Vorschläge, die jeweils an den verschiedenen Abstimmungsorten die meisten Stimmen erhalten, werden an den Bezirk weitergeleitet, von der Verwaltung geprüft und schließlich in der Bezirksverordnetenversammlung diskutiert. Die BVV entscheidet auch, welche Vorschläge umgesetzt werden – ob etwa  mehr Geld für die Stadtteilbibliotheken ausgegeben werden soll, wie sich es einige Bürger wünschen oder für Fahrradständer vor Schulen. Oder für mehr Personal zur Hundekotbeseitigung in Grünanlagen.

Friedrichshain-Kreuzberg ist nicht der einzige Bezirk mit einem Bürgerhaushalt. Die meisten Bezirke haben die Idee vor zwei oder drei Jahren importiert:  übrigens aus Porto Alegre in Brasilien.

Bürgerversammlungen in Friedrichshain-Kreuzberg in diesen Tagen

Zugeschüttet und ignoriert: Radfahren im Schnee

Wem dieses Fahrrad auch gehören mag – es ist im Moment schwer zu benutzen. Räumdienste haben es am U-Bahnhof Frankfurter Tor mit Schneemassen zugeschüttet und auch den Gepäckträger nicht vergessen. Die Radwege und Straßenränder Berlins sehen seit Wochen nicht viel besser aus. Wer trotzdem losradelt, wird für seine Umweltfreundlichkeit “regelrecht bestraft”, klagt der ehemalige Fahrradbeauftragte Benno Koch gegenüber der taz.

Alles was bleibt, ist sich in eine der vollen S-Bahnen zu quetschen und auf das Tauwetter zu hoffen.

Bildergalerie: Berliner Seitenblicke

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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