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Archiv für das 'Mitte'-tag

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Wenn wir nicht handeln, wird Berlin zu einer Zeltstadt

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Ruhig liegt das Flüchtlingslager am Alexanderplatz an diesem Dienstag morgen da.  Ähnlich könnte es aussehen, wenn sich Hunderttausende aus ihren überschwemmten Heimatländern aufmachen und in Berlin stranden – nur größer und lauter eben. Einige Passanten bleiben irritiert vor Hermann Josef Hacks Installation aus mehr als 400 Miniaturzelten stehen, überlegen. “Ist schlimm heute mit der Waffenindustrie”, sagt eine Frau mit einem leichten russischem Akzent. “Kein Wunder, dass Flüchtlinge kommen, wenn wir immer weitere Waffen liefern.”

Die Waffenlobby hatte der Aktionskünstler und Beuys-Schüler Hacks mit seinem “World Climate Refugee Camp” weniger im Blick. Es geht um Flüchtlinge, die bereits jetzt wegen des Klimawandels ihre Region verlassen müssen: Weil der Meeresspiegel ansteigt, Dürren ihre Ernten vernichten oder das Trinkwasser knapp wird – Kriege können die Folge sein.

“Den Status Klimaflüchtling gibt es bislang gar nicht”, sagt Hermann Josef Hack, der politische Wille fehle. Industrieländer, die wesentlich für die Erderwärmung verantwortlich sind, schotten sich ab.  Die Autoren einer Greenpeace-Studie von 2007 sprechen von einer “verleugneten Katastrophe”:  In den nächsten 28 Jahren müssten 200 000 Menschen aus ihrer Heimat flüchten, heißt es.

Und der Bezirk Berlin-Mitte? Er berechnete Hack für die Genehmigung zweier Ausstellungstage 800 Euro – als “Bearbeitungsgebühr”. Vor dem Brandenburger Tor habe die Polizei wegen einer Politiker-Veranstaltung am Montag dann auch ein Zelt nach dem anderen umgedreht, erzählt Hack. Es hätte ja eine Bombe drunter versteckt sein können.

Get obamatized: Berlin feiert Barack O.

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Obamatized, baptized – ja, es scheint ein Segen für Amerika zu sein, endlich einen neuen Präsidenten vorweisen zu können.  Einen Präsidenten, für den man sich im Ausland nicht ständig rechtfertigen muss. Sie haben mir leid getan, die Exil-Amerikaner in Berlin. Ehrlich. “Wir haben Bush nicht gewählt, Bush ist scheißa.” Harte Worte, aber immer wieder gehört, von Kristen, Dasha und anderen.  Amerika ist nicht gleich Bush – und genauso wenig gleich Obama, aber dazu später mehr.

Das Obama-Fieber hat Europa längst gepackt. Amerika-Fähnchen haben plötzlich nichts Anrüchiges mehr und werden so selbstverständlich verteilt wie Brownies: Was sie jetzt mit der Fahne machen solle, fragt eine Bekannte etwas ratlos, als wir in der S-Bahn sitzen und rollt die Mini-Fahne zusammen, die ihr eine Frau auf der Inauguration-Party im Schleusenkrug in die Hand gedrückt hat. Wegwerfen? Oder aufheben für den nächsten  Obama-Besuch in Berlin?

Man stelle sich eine völlig enthusiasmierte Menge vor, die Angela Merkel Deutschland-Fähnchen schwenkend zujubelt. Oder an Frank-Walter Steinmeiers Lippen hängt, wenn dieser etwas von Zuversicht und Hoffnung murmelt? Grotesk.

Townhouse-Einblicke: Wenn Eigentümer bloggen

Es wurde viel darüber spekuliert, wer in die neuen Townhouses in Mitte und Friedrichshain einziehen würde – in jene mehrgeschossigen Reihenhäuser mit Vorstadt-Charme und meist kleiner Grundfläche. Könnten Gardinen und Wandfarben Aufschluss geben über den Geschmack der Besitzer, Autos in den Vorgärten?

Interessant ist in dem Zusammenhang das Weblog Townhouse Chronicles, das zwei künftige Bewohner führen. Auch wenn bislang nur die Bodenplatte ihres Neubaus liegt, machen sich Dangerfunker und Biggi seit einem guten halben Jahr Gedanken über neue Nachbarn, Inneneinrichtung und eben auch Wandfarben. A bissl exhibitionistisch? Und wenn schon…

Schmidt’s Corner: Raucher in Mitte und der Altkanzler

Helmut Schmidt genießt nun auch in Berlin Kultstatus: Raucher-Ecken werden zu Schmidt-Ecken wie hier in der Alten Schönhauser Straße – der Ex-Kanzler blickt wie eine Ikone auf die frierenden Raucher da draußen. “Vergesst die Statistiken”, scheint er zu flüstern, “die ein oder andere Zigarette hat noch niemandem geschadet.” Wohl wegen dieser Haltung wurde Schmidt Anfang des Jahres zum “coolsten Kerl Deutschlands” gewählt.

Weniger cool sind hingegen die Ergebnisse einer neuen Studie des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung: Die Lebenserwartung eines 50-Jährigen Rauchers verkürzt sich um 18 Jahre gegenüber einem gleichaltrigen Nichtraucher, ermittelten die Forscher anhand von Sterbedaten aus dem Sozioökonomischen Panel. Helmut Schmidt wird es nicht kümmern: Er ist mit seinen 89 so präsent wie lange nicht mehr.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

DDR-Bauten: Dem Erdboden gleich, doch groß im Kommen

Kurz vor dem Abriss war alles klar: “Lieber Palast, keine Angst – die bauen Dich wieder auf!” hatte jemand im Januar 2006 an den Palast der Republik geschrieben. Fast drei Jahre später reißen sie die Treppenhäuser ein – und träumen von Sonnendecks auf der grünen Wiese am Spreeufer. Die Volkskammer der DDR, Erichs Lampenladen, der Palazzo Prozzo versinkt endgültig in der Vergangenheit…

…und übertritt damit die Schwelle zum Reich der Mythen und Legenden, in dem FDJ-Hemden und Stasi-Kneipen Wärme stiften. Ja, es stimmt, heute ist nicht alle Tage. Sie bauen ihn wieder auf, sozusagen. Auf T-Shirts, Streetart-Stickern, in Bildbänden und Kalendern.

Bauen Sie den Palast wieder auf – zumindest in dieser Fotostrecke – oder sehen Sie ihm genüßlich beim Sterben zu!

Strand ohne Bars: Endzeit im Niemandsland

Erst wenn es richtig kalt wird, fällt die Ödnis hinter der East Side Gallery ins Auge. Der schmale Sandstreifen an der Spree ist seit dem Bau der Mauer ein Niemandsland geblieben, das mal eine Wagenburg beherbergte und nach deren Räumung Strandbars als Zwischennutzer anzog.

Mit dem Sommer sind die Holzbuden und Liegestühle verschwunden, in der Ferne blinkt einsam eine Riesen-Anzeigetafel der O2-World vor den Türmen der Oberbaumbrücke. Bewegung herrscht nur noch auf der anderen Seite der Mauer, wo jetzt Denkmalschützer in grünen Anoraks patrouillieren und Touristen verwarnen, die ihre Initialien auf der Mauer hinterlassen wollen.

Nächsten Sommer geht die Party weiter, versprechen die Betreiber des Oststrands, doch über kurz oder lang machen die Baupläne von Mediaspree den meisten Strandbars am Spreeufer den Garaus.

Diese Angst teilt der Betreiber der Bar 25 in der Holzmarktstraße, wenige hundert Meter weiter in Richtung Mitte. Eine Tochtergesellschaft der Berliner Stadtreinigung will dort Hotels, Büros und Wohnungen bauen – und die Partypeople samt ihren Holzhütten bis zum 31. Oktober hinauswerfen. Freiwillig gehen wollen die jedoch nicht.

Strandbars sind den meisten Friedrichshainern und Kreuzbergern symphatischer als Büroklötze, soviel hat der Bürgerentscheid “Mediaspree versenken!” gezeigt. Doch anders als die verhassten Investoren hat sich die Masse der Strandbar-Betreiber auch nicht verhalten: Was frei für alle zugänglich sein sollte, wurde eingezäunt und am Eingang selektiert ein Türsteher gnadenlos die lange Schlange. Spreeufer für alle? Nein, das ist wie in einer Promi-Disse.

Aber jetzt, wo der Winter kommt, möchte man rufen: Seht her, das Spreeufer gehört wohl nie mehr so sehr den Berlinern wie gerade jetzt!

Fotos: Das Berliner Spreeufer

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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