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Archiv für das 'Mitte'-tag

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Trotz blöder Werbung: Berlin ist nicht ganz gekauft

Werbung in der Potsdamer Straße in Berlin-Mitte - Foto Henning Onken

Berlin ist voll von dämlicher Werbung. Der neue Hauptstadtslogan etwa klingt nach Stotterei, ist rekordverdächtig kurz, erschreckend unkreativ und die Kampagne dahinter kostet zehn Millionen Euro. Außerdem mussten wir gestern erfahren, dass “be berlin” möglicherweise geklaut ist – kopiert von dem Entwurf zweier Grafiker, die sich bei dem Wettbewerb ein Preisgeld erhofft hatten.

Eines aber muss man der Stadtverwaltung lassen – sie handelt folgerichtig. Einen Mehrwert aus dem zu ziehen, was Bürger freiwillig an Ideen und Geschichten auf die Webseite “sei berlin” hochladen, ist sinnentleert und trendy zugleich. Ich für meinen Teil fülle auf dem Amt schon genug Formulare aus und möchte einfach nur hier leben.

Völlig aus der Art geschlagen ist die Aktion einer Düsseldorfer Agentur, die in Berlin für einen Autohersteller wirbt. Gestern Nacht wurden dabei 1000 Straßenschilder hauptsächlich in Mitte mit der Aufschrift “Sunset Boulevard” überklebt. Am selben Tag begannen außerdem Arbeiter damit, am Springer-Hochhaus ein riesiges Plakat mit dem Namen von Deutschlands auflagenstärkstem Boulevardblatt zu entrollen. Damit jeder weiß, dass demnächst die Redaktion von Hamburg nach Berlin ziehen wird.

Diese Liste ließe sich weiter fortsetzen, mit dreiäugigen Fröschen, die an jeder Ecke dreist und illegal für Mobilfunkgeräte quaken oder riesigen Plakaten eines DSL-Übermodels.

Dabei darf man nicht vergessen, dass Werbeplätze weiter Konjunktur haben. Vom S-Bahnhof Potsdamer Platz bis zur Neuen Nationalgalerie zieht sich eine Reihe von neuen Werbeboxen der Firma Wall. Darin drehen sich zwei Platzhaltermotive, elektronisch getaktet und 24 Stunden lang.

Um aber zum Schluss auf den Titel dieses Beitrags zurückzukommen, warum ich also Berlin trotz dieser tollwütigen Besetzungen öffentlicher Räume irgendwie mag: Weil es Orte gibt, die nicht von oben bis unten gekauft wirken. Und weil es Menschen gibt, die die Botschaft von Werbung immer wieder ins Abseits stellen.

Hier sind ein paar Bilder mit großen Gefühlen.

Bochum ist sehr weit weg…

NRW mitten in Mitte - Foto: Anne Grieger
Dass die Genossen der nordrhein-westfälischen SPD selbst in der Hauptstadt plakatieren, ist eher ungewöhnlich. Letzte Woche entdeckte ich dieses Plakat der Kampagne “No Nokia” mitten im Regierungsviertel. Etwas ironisch, ich kam von einer Veranstaltung, auf der die amerikanische Handelskammer den Standort Deutschland in höchsten Tönen gelobt hatte. Viele amerikanische Unternehmen wollten neue Stellen in der BRD schaffen, hieß es dort.

Berlin, weiterhin arm und sexy trotz neuer Imagekampagne, dürfte wohl auch profitieren. Vielleicht eine Perspektive für Prekäre mit guten Englischkenntnissen, endlich das nötige Kleingeld für ein iPhone zu verdienen. Bis dahin ist Bochum sehr weit weg und das alte Nokia-Handy noch funktional.

2038: Schöner Wohnen in der Köpi?

Fassade des ex-besetzten Haus- und Kulturprojekts "Köpi" in der Köpenicker Straße 137 in Berlin-Mitte - Foto: Henning Onken

Die Bewohner der “Köpi” haben einen überraschenden Deal mit dem Besitzer ihres umkämpften Hauses in der Köpenicker Straße geschlossen: So wie es aussieht, dürfen sie die dort die nächsten 30 Jahre wohnen bleiben. Die Gegenkultur der Köpi wird einen bunten Kontrapunkt zum umliegenden Bürobauten-Kiez setzen und dem Projekt Mediaspree kräftig einheizen. Aber was machen Ex-Hausbesetzer eigentlich, wenn sie älter werden?

30 Jahre sind eine lange Zeit. Genug Gelegenheit, eine Familie zu gründen und sich langsam in bequeme Kissen fallen zu lassen. Einen Spielplatz statt Punkrock-Konzerte, Zentralheizung statt Kohlen schleppen und endlich neue Fenster?

Nein, ich bin überzeugt, dass Europas erste Adresse für Hausbesetzer sich treu bleiben wird – so man sie denn lässt. Selbst mit neuen Fenstern ist Schöner Wohnen hier wohl nicht angesagt. Für die meisten ist die Zeit hier wie eine Uni, die man durchläuft und dann fortgeht. Vielleicht gibt es ja mal ein Ehemaligen-Treffen.

Der Alexanderplatz wird noch unerträglicher

Foto: Anne Grieger

Schon wieder ein Nachruf, diesmal auf Kunst im öffentlichen Raum. Am Bahnhof Alexanderplatz, einem der ausladendsten Bahnhöfe der Hauptstadt, werden ab morgen Werbeplakate statt Kunst hängen. Passe nicht zum Selbstbild der Stadt, die sich gern als Kulturmetropole sehe, findet die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK). Seit 1991 ist der Verein Schirmherrin eines vom Senat geförderten Plakat-Wettbewerbs die Bespielung des U2-Bahnsteiges. Doch “Kunst statt Werbung” – das war gestern.

Kommerzielle Interessen sind durchsetzungsfähiger wenn es um einen Bahnsteig geht, den täglich 120.000 Menschen passieren. Der finanzkräftige Gegner, der der Künstlervereinigung die Plakatflächen an dem entsprechenden Bahnsteig streitig machte, heißt Wall. Neben Anzeigentafeln und Litfaßsäulen betreibt das Unternehmen auch öffentliche Toiletten, die auf der Firmen-Webseite als Designer-WCs beworben werden. Besonders unverständlich daher, dass es zu keiner einvernehmlichen Lösung mit der Künstlervereinigung über die weitere Nutzung des U2-Bahnsteigs als öffentliche Galerie gekommen ist.

Gut möglich, dass das Kunst-Wettbewerb an anderer Stelle wieder aufgelegt wird. Vorortsbahnhöfe, für die sich keine dem sich keine Werbekunden finden lassen, gibt es viele. Es wäre aber die falsche Antwort auf ein Projekt, das einem tristen Ort wie den Alexanderplatz jahrelang erträglicher gemacht hat.

Motz kaufen statt Bier trinken?

Foto: Henning Onken

Foto: Henning Onken

“Will jemand eine Motz kaufen?” Diesen Spruch von Verkäufern der Obdachlosenzeitung Motz kennt jeder, der schon mal in der Hauptstadt war und ein paar Mal die U-Bahn benutzt hat. Seit kurzem wird auch an Wänden für das Magazin geworben: Im Bezirk Mitte formen Collagen aus Artikeln der Zeitung einen Mantel, einen Suppenteller oder ein Bett.

Die Plakate dieser Spendenkampgagne werden auch über Werbung für Bier oder Kulturereignisse geklebt, was man gemeinhin Adbusting nennt. Dabei erhält die Werbung im Hintergrund oft einen lächerlichen oder subversiven Einschlag. Ob es dem Verein hilft, bei der Berliner Bevölkerung mehr Geld für Obdachlosen-Übernachtungsplätze locker zu machen?

Mehr Infos: Motz Online

Die größte Baustelle Berlins…

Schlossplatz in Berlin-Mitte - Foto: Henning Onken

… ist wohl der Flughafen Schönefeld, aber der zählt eigentlich schon zu Brandenburg. Im Zentrum hat die Baustelle am Schlossplatz mit dem Aufbau des Weihnachtsrummels beträchtlich an Fläche zugelegt. Vom 26. November an können sich dort Besucher von einem “Freifallturm” stürzen und Glühwein trinken – einen ganzen Monat lang. Der Spaß findet vor der Kulisse eines Schrottplatzes statt, anders kann man die eingezäunte Palast-Ruine leider nicht mehr nennen.

Im nächsten Jahr dürfte durch den Bau der temporären Kunsthalle “White Cube” Schluss sein mit dem Fahrgeschäften und Buden. Dann werden Besucher einige Ecken weiter ziehen, etwa auf den “Premium-Weihnachtsmarkt” am Gendarmenmarkt. Dort muss allerdings Eintritt gezahlt werden.

Fotostrecke: Vom Palast zur Grünen Wiese

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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