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Der Alexanderplatz wird noch unerträglicher

Foto: Anne Grieger

Schon wieder ein Nachruf, diesmal auf Kunst im öffentlichen Raum. Am Bahnhof Alexanderplatz, einem der ausladendsten Bahnhöfe der Hauptstadt, werden ab morgen Werbeplakate statt Kunst hängen. Passe nicht zum Selbstbild der Stadt, die sich gern als Kulturmetropole sehe, findet die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK). Seit 1991 ist der Verein Schirmherrin eines vom Senat geförderten Plakat-Wettbewerbs die Bespielung des U2-Bahnsteiges. Doch “Kunst statt Werbung” – das war gestern.

Kommerzielle Interessen sind durchsetzungsfähiger wenn es um einen Bahnsteig geht, den täglich 120.000 Menschen passieren. Der finanzkräftige Gegner, der der Künstlervereinigung die Plakatflächen an dem entsprechenden Bahnsteig streitig machte, heißt Wall. Neben Anzeigentafeln und Litfaßsäulen betreibt das Unternehmen auch öffentliche Toiletten, die auf der Firmen-Webseite als Designer-WCs beworben werden. Besonders unverständlich daher, dass es zu keiner einvernehmlichen Lösung mit der Künstlervereinigung über die weitere Nutzung des U2-Bahnsteigs als öffentliche Galerie gekommen ist.

Gut möglich, dass das Kunst-Wettbewerb an anderer Stelle wieder aufgelegt wird. Vorortsbahnhöfe, für die sich keine dem sich keine Werbekunden finden lassen, gibt es viele. Es wäre aber die falsche Antwort auf ein Projekt, das einem tristen Ort wie den Alexanderplatz jahrelang erträglicher gemacht hat.

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6 Kommentare zu “Der Alexanderplatz wird noch unerträglicher”



  • schade. mehr als schade. unverständlich, kurzsichtig, und vor allem: eierloser kommerzmist. gerade die aktion im bild oben war ein grandioser, zum nachdenken anregender kommentar zu diesem ort, alexanderplatz…


  • Der NGBK wurde doch angeboten, dass sie den Bahnhof zwischen den Werbekampagnen (ca. 8 Monate im Jahr für die Kunst) nutzen kann und ansonsten auf einen anderen Bahnhof wechselt. Selbst die Möglichkeit, mehrere andere Bahnhöfe ganzjährig zu bespielen, wurde ausgeschlagen. Aus meiner Sicht völlig unverständlich.


  • Ich habe auch oft vor diesen Werken gestanden und bin von einem Ende des Bahnsteigs zum anderen gewandert. Schade, Werbewände haben wir in Berlin wirklich genug! Dank an die Künstler. Vielleicht geht es doch irgendwie weiter?


  • Schade, wenn es die Kunsttafeln auf dem Alex nicht mehr gibt. Das war mal was ganz eigenes, gab einen Rückbezug zur Stadt auf eine ganz andere Art. Hat mir sehr gefallen. Aber es war halt schon eine große Ausnahme, ich wüßte nicht, wo es sonst eine dauernde kostenlose Kunstausstellung gibt – üblicherweise sind die immer temporär. Der Alexanderplatz normalisiert sich, ist das, was man daran ablesen kann – Nachdenken und Innehalten über Geschichte, Vereinigung und Stadtidentität ist nicht mehr das Thema, sondern das ganz alltägliche Leben mit Einkaufen und Verkaufen.
    Vielleicht könnte es ja zusammengehen, daß ein paar Monate die Kunsttafeln da sind und ein paar die Werbetafeln – würde mir besser gefallen. Aber auf Dauer läßt sich eine solche Extravaganz wie ein Kunstbahnhof wohl nicht stellen.

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  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
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  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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