Gestern noch standen hier die Campingwagen dicht an dicht, doch jetzt herrscht auf dem alten Parkplatz am Alexanderplatz gähnende Leere. Ein einsamer, von Müll überbordender Einkaufswagen erinnert an den als kostenlosen Campingplatz genutzten Raum zwischen den Fahrbahnen. Gestört haben die zumeist südländischen Berlin-Besucher mit ihren Wohnmobilen eigentlich niemanden, auch das Bezirksamt nicht. Doch als sich der Platz immer mehr füllte, wurde es Beamten zu bunt: Die Fläche wurde mit Bauzäunen abgeriegelt, obwohl die Bauarbeiten für die geplante Tiefgarage erst im September beginnen sollen. Ist nichts mehr mit Kaffee kochen zwischen dem Berufsverkehr. Auch die Kaufhof-Klofrau wird Umsatzeinbußen hinnehmen müssen.
Doch wo sind sie hin, Camper wie die Familie Carizzoni vom Comer See? Vielleicht treffen sich die ein oder anderen auf einem der zahlreichen normalen Campingplätze Berlins oder Potsdam wieder. Dort, wo in der Hochsaison leider auch ziemlich abkassiert wird. Dort, wo Holländer Frikandel Speciaal essen. Dort, wo der angetrunkene Heiko aus Rüdersdorf in Badelatschen bis kurz vor Mitternacht in der Platz-Disko steht und Van Halen-Karaoke singt.
Aber in der Regel ist es ganz gemütlich auf Campingplätzen. Wer nicht nur in seinem Wagen sitzt oder im Zelt hockt, hat die Chance, mal ein gutes Stück vom Alltag wegzukommen, der sich doch meist nur in den eigenen vier Wänden abspielt. Aber zurück zu den Campern vom Alex: Die könnten sich innerhalb Berlins auch andere Plätze zum Umsonst-Parken gesucht haben. An vielen Parks und Grünflächen stehen unauffällig Wohnwagen, manche das ganze Jahr über. An meiner Laufstrecke im Volkspark Friedrichshain muss ich im Winter husten, wenn der Bauwagenbewohner neben der Grünfläche anheizt.
Nach wie vor gibt es in der Hauptstadt auch Wagenburgen, etwa an der Lohmühle in Treptow oder an der Schillingbrücke in Friedrichshain. Manche besonders hartnäckige Städter stellen ihren Wohnwagen auch einfach irgendwo in eine belebte Straße, wie etwa dieser Bewohner der Rigaer Straße in Friedrichshain (siehe Foto).

Im nächsten Jahr wird sich die Suche nach kostenlosen Parkplätzen für viele Camper erübrigt haben. Durch die Verordnungen der Umweltzone dürfen dann Fahrzeuge ohne Plakette nicht mehr in die Innenstadt.
Campingplätze in Berlin und Potsdam
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Es ist schon bezeichnet für ein Bezirksamt, wenn es nur wegen einer Ansammlung von Wohnwagen eine Räumung des Platzes veranlasst. Lasst die Leute dort campen, oder auch anderen Plätzen, die nicht sonstwie benötigt werden.
Camper am Alex- find ich prima. Die Atmosphäre ist dort abends meist angespannt, Leute mit großen Hunden, Glatzen etc. Camper könnten das Ganze vielleicht etwas entzerren. Also Bezirksamt: Wozu das Trarah?
Typisch Berliner Spießigkeit.
Wen (außer Beamte) störten schon die Camper?
Ein wenig mehr Liberalismus stünde Berlin gut zu Gesicht.
Übrigens: Da habt ihr zwei tolle Fotos auf der Site!
Das war ja zu erwarten. Die Berliner Beamten lieben es geradzu etwas abzusperren. War schon immer so. Da werden Sie offenbar Ihrer vermeintlichen Wichtigkeit bewußt.
Natürlich ist das spießig. Bis zum Baustellenbeginn hätte man das Grundstück auflassen können. Vielleicht hätte man ja ein Gebührenhäuschen davorstellen können: die zweitliebste Beschäftigung des Berliner öffentlichen Dienstes.
In diesem Fall von Spießigkeit zu reden ist totaler Blödsinn. Berlin ist eine der liberalsten Städte überhaupt. Ich glaube es gibt kaum eine andere Stadt, die Camper mitten in der Innenstadt nicht schon direkt am ersten Tag des Platzes verwiesen hätte.
Ich finds total richtig, das dem ganzen irgendwann mal n Riegel vorgeschoben wird, bevor sich da ne riesen Hippikommune breitmacht.