“Die Mauer ist weg, aber tausend andere zu bemalen” – so lautet übersetzt die Überschrift eines Artikels in der New York Times vom 2. März. Er handelt von Berlin als Europas “most bombed city” – und erzählt nicht von Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg sondern von Graffiti. Der Autor vergleicht die Stadt mit New York – und zwar dem bunten New York vor 1995, als Bürgermeister Giuliani eine Task Force gegen Graffiti gründete. Kurz: Berlin riecht nach Aerosol.
Man mag das als ein Zeichen von Verwahrlosung deuten und auf den “Null-Toleranz-Zug” der Amerikaner aufspringen oder als Begleiterscheinung einer aufstrebenden Kreativ-Metropole freudig begrüßen.
Entgegen der NYT ist das emsige Werkeln von Sprayern aber gerade an jener Mauer zu beobachten, die Berlin bis 1989 trennte: An den verbliebenen Abschnitten hinter der Schillingbrücke in Mitte gestalten Graffiti-Aktivisten binnen weniger Wochen ganze Abschnitte neu – das obere Bild ist vom 13. April, das untere vom 11. Mai.
Vielleicht liegt es daran, dass vor den “tausend anderen Mauern” Berlins Sicherheitsdienste warten. Statt den Ärger zu riskieren, wird gemalt, wo jedes neue Werk ein altes kaputt macht. Der Ruhm ist eine Sache von Tagen, allenfalls Wochen – dann kommt die nächste Schicht. Doch die Mauer jenseits der East Side Gallery leuchtet schillernd und wechselhaft wie ein Chamäleon.
Fotostrecke: Street Art aus Berlin











Wenn sie sich doch zumindest nur an Mauern schadlos halten würden. Aber nein, es werden auch LKWs, Züge, Fensterscheiben und sogar Sträucher besudelt. Dazu noch die zerkratzten Scheiben in Bus und Bahn. Also ich hab mittlerweile auch noch den allerkleinsten Rest Respekt für diese “Kunstform” verloren.
@Melermeister: Kommt drauf an, wie man durch den Kiez läuft. Ich finde, es sind teilweise ganz nette Bilder dabei, obwohl es natürlich Sachbeschädigung ist. Zerkratzte Scheiben sind nervig, da haben Sie Recht.
Vielleicht stellen netterweise einige Hausbesitzer ihre sanierten Altbauten in Friedrichshain & Prenzelberg zur Verfügung.
Sieht doch alles so hip aus.
@melermeister und alle anderen
leute die an einer “hall of fame“ malen
zerkratzen zu 99% keine scheiben in bahn oder bus.
kunst ist kunst und bleibt kunst ob sie ihren respekt dafür verlieren oder nicht ist unerheblich. zumal ihre argumentation fehlerhaft, subjektiv und voreingenommen ist.
differenzieren wäre hier angesagt.
@hennig onken
solche “habllegalen“ flächen werden regelmassig übermalt, das hat nur bedingt mit platzmangel zu tun. sondern ist gängige praxis
und rührt aus einer mehr oder weniger ausgeprägten exhibitionistischen veranlagung des einzelnen künstlers her.
zum glück gibt es genug areale wo man als sprüher ungestört vor otto normalverbrauer i.e melermeister und wachschutz/pozilei seiner künstlerischen ader freien lauf lassen kann.
Kunst soll Kunst bleiben! Aber bitte nur auf eigenen Flächen ( Leinwand?)
Es sind ja manchmal wirklich tolle Motive dabei. Leider ist die Haltbarkeit stark begrenzt.
Gerade am Wochenende z.B. im Mauerpark sind viele gute “Maler/Sprayer” am Werk. Allerdings sind max. 30 Sekunden nachdem die Macher weg sind irgendwelche Kids dran um da was drüberzukrakeln. Manchmal echt schade.
Für manche Motive/Bilder würde ich sogar Geld bezahlen, wenn ich die auf Leinwand bekommen könnte.
Die “Haltbarkeit” von Graffiti war doch schon immer sehr begrenzt. Dass was kaputt geht, gehört zu Graffiti wie Mauern, Züge und so weiter. Die “De-Bug” stellte mal eine Behauptung auf: Ein gutes Bild beziehe seinen Erfolg aus dem Internet, nicht von der Straße.
“Vielleicht liegt es daran, dass vor den “tausend anderen Mauern” Berlins Sicherheitsdienste warten.[...]”
Ich würd sagen, dass das die Mauer eben ein Hot Spot war und auch immernoch ist.
“[...]Für manche Motive/Bilder würde ich sogar Geld bezahlen, wenn ich die auf Leinwand bekommen könnte.”
Ähm…Urban Street Art gehört auf die Straße und nicht nach Hause!