Wir bloggen Berlin – Blog News Bezirke

Berlins neue Dörfer und ihre Feinde

080412-951-2.jpg

080412-936-1.jpg

Nein, diese Fotos zeigen nicht die Neubausiedlung eines verschlafenen Bonner Vororts, das ist Berlin, die Metropole. Auf dem Gelände des alten Schlachthofes, an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Friedrichshain, schießen seit einigen Monaten sogenannte “Townhouses” aus dem Boden, “Stadthäuser”, wie es hier auf dem Schild ein wenig missverständlich heißt. Das “Reihenhaus” gehört der Vergangenheit an, mit seinen Scheibengardinen und Terracotta-Sonnen im Blumenbeet. Von wegen Vorort-Charme – die Häuser verfügen vielfach über Dachterrassen und der Kiez liegt nur ein paar hundert Meter weit entfernt.

Wer müde geworden ist, ständig mit den Nachbarn um einen Kinderwagen-Abstellplatz im Treppenhaus zu feilschen, freut sich, hier eine Parzelle in Handtuchbreite zu ergattern. Die Infrastruktur scheint für Kinder ideal, auch Hunde bekommen Gesellschaft: Viele der Punks aus dem Samariterkiez halten ebenfalls Hunde. Das Ganze als eine Win-Win-Situation zu sehen, wäre sicher falsch, denn diese Bauvorhaben haben viele Gegner. In der “schönen neuen Townhouse-Welt” wittern sie wie Bild.de eine Abgrenzung der bürgerlichen Mittelschicht – und zwar mit Schlagbaum abgeriegelte Straßen. Durch Farbbeutel-Attacken werden die neuen Fassaden zwar fleckig, doch wird man sich in Berlin an dieses Bild gewöhnen müssen. Auch auf der Halbinsel Stralau, in Mitte hinter dem Auswärtigen Amt und in Prenzlauer Berg sind ähnliche Wohnanlagen entstanden.

Fotostrecke: Architektur in Berlin

Auch lesenswert:

14 Kommentare zu “Berlins neue Dörfer und ihre Feinde”



  • Diese neuen Trabantensiedlungen sind das letzte, was Berlin gebrauchen kann. All die Schwaben, Rheinländer und der Rest der gutbürgerlichen Republik können dann endlich ihr Reihenhaus in Klein-Kleckershausen aufgeben und fühlen sich hier heimisch. Schranken runter, Sicherheitsdienst her, Mauer ums neue Viertel – so verläuft die neue Berliner Mauer. Klasse oder wie?


  • Zuviel Bild gelesen oder wie. Das Viertel ist sehr schön und keinerlei Schlagbäum eoder Mauern zu sehen. Ganz im Gegenteil grenzen manche Wohnungen direkt an den dort liegenden öffentlichen Park.

    Ich weiss nicht was manche für ein problem damit haben. Wenn die ganzen Yuppies dorthin ziehen wird mehr billiger Wohnraum in Berlin frei. Ist doch gut für die selbsternannte Unterschicht, die nur nach gutem deutschen Brauch mal wieder bischen rumheulen will, weil sie Angst hat vor lauter Konjunktur Aufschwung, plötzlich doch nen Job zu haben und arbeiten gehen zu müssen. Dann würden sie ja zur Mittelschicht gehören und das geht nun wirklich nicht.

    Ich kann euch aber sagen, auch als Mittelschicht könnt ihr weiter meckern. Ihr könnt dann über die ganz reichen herziehen und die mit Farbe bewerfen.

    Und solltet ihr ausversehen ganz reich werden, dann könnt ihr nach Dubai fahren und dort die Superreichen mit Farbbeutel bewerfen. Also keine Angst Deutschland ist wird immer was zu meckern geben.


  • Hier bildet sich immer mehr ein Feindbild heraus womit keiner gerechnet hat. Am wenigsten wieder einmal unsere Politiker.
    Das Umfeld mit einzubeziehen, auf die Idee ist scheinbar keiner vorher gekommen.
    Wir bauen uns hier unsere eigene Welt. Basta.
    Land ist in Berlin so wunderbar billig.
    Die Käufer dürfen dann schon mal 3000€ für den m² berappen.
    Herzlich willkommen?


  • Wie blindfuchs ganz richtig bemerkt, wirkt die oben beschriebene Siedlung keineswegs abgeschottet. Die Wachdienste, die die Baustelle im letzten Jahr Tag und Nacht gesichert haben, sind inzwischen verschwunden. Ob das Umfeld einbezogen wurde, weiß ich nicht, ich erinnere mich jedenfalls an keine Unterschriften-Aktion gegen den Bau der Townhouses.


  • Es wird in den Medien so getan als wenn im direkten Umfeld dieser “Siedlungen” soo arme Leute wohnen. Harz4 etc.
    Dem ist leider nicht so.
    Schon mal nachgesehen was eine (gute) Wohnung in dieser Gegend Miete kostet?
    Oder in z.B. Stralau?
    Es mag sein das ältere noch nicht sanierte Häuser/Wohnungen dort noch “normale” Berliner Mietpreise haben aber die Mehrheit der Häuser in diesem sehr schönen gepflegtem Umfeld kostet auch gutes Geld.

    Interessant wird es demnächst erst wenn die Reihenhaussiedlungen am/im Mauerpark gebaut werden. Das soll ja dort bald losgehen.
    Dort ist ja genau die Grenze zwischen Harz4(Wedding) und “ich habe zuviel Geld und wohne gern in Prenzlauer Berg”.


  • Städtebaulich ist es allemal sinnvoller, Brachflächen in der Stadt zu bebauen als Brandenburger Äcker. So entfallen wenigstens die Leute, die dann mit 2 Autos täglich in die Stadt pendeln und es bleibt weiterhin einer der Vorzüge Berlins, dass man schnell ins Grüne kommt. Architektonisch hält es sich sicher in Grenzen was da so geboten wird (z.B. Stralau, dort finde ich die Sozialbauten auf der Lichtenberger Seite fast noch das gelungenste was da steht). Mich wundert es, dass es z.B. für die Bernauer Straße noch kein durchgängiges Konzept gibt – wäre schon toll, wenn dort eine vernünftige Mischung aus Parks und halbwegs geschlossener Bebauung entstünde. Weiß nicht, was das für einen Einfluss auf die Mieten hätte, aber mehr Wohnungen in der Gegend müssten ja auch für einen entspannteren Markt sorgen. Tja und was aus dem Wedding wird – wer weiß irgendwann ist dort vielleicht der Supergeheimtipp.


  • Die Häuser auf dem Foto oben kamen mir bekannt vor: Ich fahr’ jeden Morgen in München mit der S-Bahn zur Arbeit (Arbeitsmigrantin, hartes Schicksal) und da sieht’s genauso aus – bis auf das Grafitti auf den Bänken.

    Aber ist das schlecht? Es ist doch schön, wenn in Berlin in der Stadt selbst gebaut wird und nicht auf der Grünen Wiese. Das bringt Steuern für Berlin und weniger Autoverkehr. Und ein paar Besserverdiener mehr würden der Stadt nicht schaden.

    Wenn man gute öffentliche (!) Schulen, Sportanlagen, Straßen, Bahnen etc. will, dann muss irgendjemand dafür zahlen und der jemand sollte sich dann in der Stadt auch wohlfühlen, sonst zieht er woanders hin!


  • @Oma Kruse:

    Das Problem ist bloss das in Berlin keiner für was zahlen will. Immer alles schön für lau bekommen.

    Egal ob Hausbesetzungen, Hundesteuer, Parkraumbewirtschaftung, Umweltplakette…. alles ist toll nur kosten soll es nichts.

    Und wenn dann mal Personen mit etwas mehr Geld kommen dann aber schnell das Auto anzünden und mit Umweltschutz begründen.
    Oder Bonzenauto und so.

    Noch besser wird es wenn der gemeine Steuerzahler bzw. Leistungsträger auch noch Ansprüche stellt. Wie z.B. löcherfreie Straßen, sichere+saubere S- und U-Bahnen, Grafitti, saubere Parks oder effektive Hundedreckbeseitigung.

    Dann wird erst richtig gemeckert warum man denn wie München oder Bonn werden will?


  • Eine Idee wäre auch, die sozialen Unterschiede abzuschaffen und somit auch die zwischen den Hütten und Palästen. Im Ergebnis kämen vielleicht Plattenbauten raus, wie sie jetzt im Osten allerorten abgerissen und umgebaut werden. Oder aber auch was ganz individuell Buntes, weil man Fehler nicht zwei mal macht. In Berlin, wo jedes dritte Kind in Armut lebt, gäbe es dafür bestimmt originelle Vorschläge.


  • Soziale Unterschiede abschaffen? Was ist das für ein Quatsch?

    Der Antrieb für jeden menschlichen Fortschritt ist seit jeher Ehrgeiz, Gier oder einfach das nach vorn kommen wollen.

    Plattenbauten gehörten noch nie als Antrieb dazu.

    Die einfachen Plattenbauten werden wohl bei denen bleiben die Mittags noch vorm Fernseher sitzen und bei denen die um 10 Uhr vormittags Ihr erstes Bier auf machen.

    Etwas besseres Wohnen hat immer was mit Leistung zu tun. Warum ziehen Menschen in Mietwohnungen am Potsdamer Platz?
    Man leistet etwas und kann es sich eben leisten dort oder teuer zu wohnen.


  • naja wenn man sich einige häuserzeilen in stralau anguckt kann man schon ins grübeln kommen. mannshohe zäune, kameras sowie bewegungsmelder gehören da zur grundausstattung. natürlich braucht auch jedes haus ein schild aufdem darauf hingewiesen wird, dass es sich um privatbesitz handelt und man sich gefälligst zu verpissen hat. da kann man nur hoffen, dass der alte schlachhof nicht so verkommt.


  • Warum ist eigentlich der Begriff “Stadthäuser” missverständlich? Was ist denn an “Townhouses” besser?

    In Deutschland gibt es zum Glück so gut wie nirgends “gated communities” und abgeriegelte Privatstraßen – in USA und vor allem in Südamerika sieht man das häufig. Ein Berliner Freund hat mir erzählt, dass selbst bei diesen neuen “Prenzlauer Gärten” die Schlagbäume und Wächter tatsächlich gar nicht eingesetzt werden. Vielleicht ändert sich das ja, aber vielleicht auch nicht.

    Die Idee des eigenen Häuschens mitten in der Stadt ist aus umweltpolitischen Gründen grundsätzlich wirklich nicht so verkehrt, gerade in Berlin mit den vielen Brachflächen und dem vergleichsweise günstigen Bauland spricht Vieles dafür. In München oder Hamburg ginge sowas zB gar nicht: der Grund ist da zu wertvoll, da kann man als Bauherr keinen Platz verschwenden und muss hochgeschossig bauen. Die dort in der City entstehenden Neubauten sind allerdings auch nicht schöner.

    Wer sich gegen diese neuen Wohnhäuser wehrt, weil “nur Reiche” sich das leisten können, ist nicht glaubwürdig. Dass Reiche die Preise versauen, ist ein besonders dummes Argument, denn die Preise bestimmt der Markt, nicht der Einzelne, und schon gar nicht der Staat.

    Ich würde die Gegner und die “Fuck Yuppies”-Schreier gerne mal fragen, wie sie sich in London fühlen würden? Da müssten sie eigentlich den ganzen Tag Farbbeutel auf alles und jeden schmeißen.


  • wo kann man seine meinung loswerden?

Die Kommentare sind zur Zeit geschlossen.

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

Zufallsfotos

Kostenlos abonnieren

Unser RSS-Feed enthält alle neuen Artikel. Ihr könnt sie auch bequem als E-Mail abonnieren
fensterzumhof.eu gibt es jetzt auch in einer Smartphone-Version

Anzeige

Berliner Streetart

Berlin bei Nacht

Fassaden der Hauptstadt

Berliner Hinterhöfe

Andere Blogs


Wenn Sie auf dieser Seite verbleiben, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen

Diese Website verwendet Cookies, um Anzeigen zu personalisieren. Informationen zu Ihrer Nutzung dieser Webseite werden an Werbepartner weitergegeben. Indem Sie weiter auf dieser Website navigieren, ohne die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers zu ändern, stimmen Sie dieser Verwendung von Cookies zu.

Schließen