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Monatsarchiv für Januar 2008

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Umparken oder umsteigen: Aufräumen in der Umweltzone

Ausgeträumt der Traum vom Hippie-Bus, den man während des Sommers bewohnt und im Winter gegen eine Wohnung mit Ofenheizung eintauscht. Die Umweltzone setzt den stinkenden Benzinschleudern ein jähes Ende, aus dem Straßenbild sind die aber bislang nicht verschwunden. Erst ab Februar werden Fahrzeughalter zur Kasse gebeten, bekommen einen Punkt in Flensburg und zahlen eine Mahngebühr in Höhe von 40 Euro. Dies betrifft auch geparkte Autos ohne Umweltplakette.

Immer häufiger versuchen Besitzer daher, alte Autos wie diesen klapprigen Opel Corsa los zu werden. Sie tun gut daran, denn nach Berlin, Köln und Hannover planen offenbar weitere 20 Städte Umweltzonen. Natürlich gibt es Berliner, die auf Sonderregelungen spekulieren. In Schöneberg hat etwa ein Restaurant-Besitzer einen ausrangierten Bus zum Raucher-Mobil umgebaut. Seine Gäste können trotz des Rauchverbots ohne zu frieren genüsslich ihrer Sucht frönen.

Kaum eine gesündere Alternative, als zu Hause den Kohleofen anzuwerfen: Der kann nämlich neben Giften wie Dioxin und Teer auch krebserregende Kohlenwasserstoffe (PAH) produzieren. Nicht zu vergessen die Unmengen an Feinstaub, die ja im Straßenverkehr mit der Umweltzone begrenzt werden sollen.

Warum also nicht gleich etwas mehr Miete zahlen und auf das Auto verzichten? Gesünder wäre es in jedem Fall.

Das ist der Geist der jungen DDR

Foto: Henning Onken

Nur nicht zu lange stehenbleiben und mit dem Nachbarn quatschen, vom Strausberger Platz bis zum Frankfurter Tor droht der Absturz. Die schönen Meißener Kacheln auf der größten Baustelle der DDR, sie fielen einfach herunter. Bei den Planungen zur Stalinallee, die in den Jahren 1951 bis 1957 überwiegend aus Trümmersteinen gebaut wurde, hatte man die Folgen der Witterung unterschätzt. Außerdem sollten die neuen Prachtbauten der Arbeiterklasse schnell fertig werden. Als Ersatz nahm man dann Kunststoffplatten. “Wie alle diese Stoffe sahen sie neu super aus und sind heute abgrundtief hässlich”, erzählt ein Rentner, der damals dabei gewesen sein will und den Kiez nicht verlassen hat. Es sei aber nur ein Planungsfehler gewesen, das sei im Westen genauso passiert, beharrt er.

Und heute? Nach der Wende wurde der Bauabschnitt unter Denkmalschutz gestellt – Vorwürfe von monumentalem Kitsch und Zuckerbäckerei hin oder her. Die meisten der Bauten sind längst durchsaniert und sogar die Kacheln glitzern wieder in unterschiedlichen Farbtönen. Vor sich hin rottende Abschnitte wie der auf dem Foto lassen sich erst auf den zweiten Blick entdecken. Und unter die Mieter der ersten Stunde mischt sich langsam eine junge Schicht von Zugezogenen.

Fotostrecke: Fassaden der Hauptstadt

Alles Grün, aber retten wir so den Kiez?

Schon ironisch, dass ausgerechnet die Bild-Zeitung über das Ende des derzeit ältesten Berliner Bioladens berichtet. Der Inhaber der “Sesammühle” muss den Laden nach 33 Jahren schließen – die Konkurrenz durch die neuen Ketten sei einfach zu groß geworden. Dass der Laden nun Schlagzeilen macht, ist kein Zufall: Einen Nachruf auf einen anderen, noch älteren Bioladen, konnte man bereits im vergangenen Juni im Tagesspiegel lesen.

Die von Hannes Wader besungenen “schrumplig weiche[n] Möhren, die man [...] zu Kringeln biegen kann”, findet man in den neuen Biomarkt-Ketten kaum noch, die Auswahl an Müslis, Nudeln und Feinkost ist groß. Brötchen aus hellem (!) Biomehl und Fleisch gehen selbstverständlich auch über die Theke. Die Mitarbeiter sehen ebenfalls anders aus: Weniger alternativ, blonder, ungesünder. Nun ja.

Die Zeiten, in denen sich Verwandte auf Familienfeiern über “Grünen Kuchen” beklagen, sind vorbei seit selbst Fernsehköche “Vollwertkost” servieren. Die großen Discounter haben den Trend längst erkannt und bieten manchmal sogar nur Bio-Bananen an. Eine Frage der Zeit, bis die Bild-Zeitung mit Rezepten nachzieht…

“Junge Menschen haben Interesse an der Revolution”

Foto: Anne Grieger

“Ja es gibt uns noch”, lacht eine junge Frau mit Nickelbrille und freut sich, eine ihrer Broschüren loszuwerden. “Zeit sich zu wehren”, lautet der Titel, Herausgeber ist die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ). Etliche linke Gruppierungen haben sich in Friedrichshain zu einem Gedenkzug für die 1919 von Freikorps ermordeten Sozialistenführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zusammengeschlossen, darunter viele Autonome.

Der Schulterschluss mit den Alt-Kadern gelingt – auch wenn diese sich die Frontkämpfer für den Sozialismus wohl gern anders vorgestellt hätten. Ob es noch “echte Arbeiter” unter den Demonstranten gibt, solche, die in den kämpferischen Liedern aus grauen Vorzeiten besungen werden? Die Rentner fallen wohl nicht mehr in diese Kategorie, auch die linken Studenten können wohl mehrheitlich allenfalls “geistige Arbeit” für sich reklamieren.

Ein Alibi-Arbeiter hat sich doch gefunden, angereist aus Duisburg, ein Auszubildender im Bergbau. Er berichtet über die Bedingungen unter Tage. Wäre er als “Kumpel” aus Schacht XY vorgestellt worden – die wenigsten Anwesenden hätten wahrscheinlich begriffen, dass sie es mit einem “Helden der Arbeit” zu tun haben.

Kampf für eine gerechtere Gesellschaftsordnung

Ein paar hundert Meter weiter werden Umfragen zitiert, die Hoffnung machen. “Die junge Generation interessiert sich für soziale Gerechtigkeit, die Gesellschaft ist zutiefst verunsichert, wie sie damit umgehen soll”, heißt es. Mehrere ungenannte – aber bürgerliche – Meinungsforschungsinstitute sollen herausgefunden haben, dass ein Großteil der Jugendlichen die bestehende Gesellschaftsordnung offenbar ungerecht findet. “Sie haben Interesse an der Revolution” – ein frommer Wunsch wohl, aber geeignet, um die Stimmung unter den Teilnehmenden weiter zu heben. “Viva la Revolución” skandieren Jüngere.

Foto: Henning Onken

Vor dem Lichtenberger Friedhof ist die Revolution zu einem Volksfest geworden – mit Schwenkbraten und Thüringer Würstchen und allem, was dazu gehört. Die früheren DDR-Bürger haben ihre roten Nelken bereits mehrheitlich auf den Gräbern von Rosa Luxenburg, Karl Liebknecht und Ernst Thälmann abgelegt – wie jedes Jahr.

Ein Novum gab es doch: Die Polizei hat die Demonstration von Anfang an gefilmt. Angeblich nicht, um potentiell militante Linke zu erfassen, sondern zu deren Schutz. “Sollten Rechtsextremisten die Veranstaltung stören, können wir den Zwischenfall hinterher besser rekonstruieren.”

Nur soviel dazu: Gestoßen hat sich daran niemand, Schäuble 2.0 war kein Thema…

Fotos: Anne Grieger (1), Henning Onken (2)

Teufelsberg: Noch ein Flughafen für Berlin?

Foto: Henning Onken

Foto: Henning Onken

“Pass auf, dass dich der Wachschutz nicht erwischt, der kommt zweimal am Tag!” – so wird in einem Forum davor gewarnt, zur ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg vorzudringen. Manche riskieren trotzdem eine Anzeige, krabbeln durch ungeflickte Löcher in der doppelten Umzäunung, in der im Kalten Krieg US-Soldaten Streife gingen. Durch die offene Verkleidung des Turms pfeift der Wind einen dumpfen Ton. Groß ist die Versuchung des geheimnisvollen Ortes, dort doch noch ein paar Bilder zu schießen oder eine Party zu veranstalten.

Geheimnisvoll erscheint auch die Zukunft des auf Schuttbergen von im Krieg zerbombten Häusern gebauten Ortes. Mitten im Kampf um Tempelhof entsteht hier noch ein weiterer Flughafen, könnte man meinen. Wer Eso-Guru Raja Schiffgens und David Lynch länger zuhört, fühlt sich vielleicht etwas “auf den Film gekommen”. 1000 “Yogie-Flieger” sollen dort künftig meditierend abheben. Allerdings will der Bezirk von einer Baugenehmigung nichts wissen. Unterdessen erobert die Natur das Gelände ällmählich zurück, ganz ohne Zukunftskonzept. Wär das eine Idee für den Flughafen Tempelhof?

Fotostrecke: Fassaden der Hauptstadt

Über gewaltsamen Entzug und seine Folgen

Fernseher - Foto: Henning OnkenWas wohl aus den Neujahrs-Vorsätzen vieler Berliner geworden ist? Die Raser hatten sicher keine – bereits am 1. Januar gab es den ersten prominenten Verkehrstoten in Marzahn. Ein ehemaliger Radrennfahrer offenbar.

Aber was ist mit den Fernsehsüchtigen? Gleich mehrere zertrümmerte Geräte lagen im Simon-Dach-Kiez herum, ausrangiert und auf dem Gehsteig entsorgt. “Nach zwei Stunden vor der Glotze fühlst du dich einfach leer”, meinte letztens ein Bekannter. Dem Besitzer dieses zertrümmerten Fernsehers erging es wahrscheinlich ähnlich: Er hat dem Gerät schnell noch einen heftigen Tritt versetzt, um die Entscheidung, nicht mehr rückgängig machen zu können, ab 2008 ohne zu leben.

Vielleicht war das vorschnell. So könnte die Odyssee des Fernseh-Junkies weitergehen: Am vierten und fünften Januar geht ihm so dreckig, dass er bei Youtube Clips von Stefan Raab ansieht. Am sechsten fällt ihm dann ein Werbeprospekt für Flachbildfernseher in die Hände. Von da an sucht er systematisch. Gleicht Testergebnisse der Stiftung Warentest mit Angeboten ab.

Bis zum Tatort am Sonntag wird er das neue Gerät gekauft haben. Gut so, dann wird er auch gemütlich beim Film rauchen können. In seiner Lieblings-Tatort-Kneipe herrscht seit dem neuen Jahr Rauchverbot..

Foto: Henning Onken

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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