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Monatsarchiv für Januar 2008

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Leer oder aufgeknackt: 300 Meter Neukölln

Foto: Henning Onken

Erwischt wird nur der Nachbar, der seinen Chihuahua ausführt und gerade hineinlangt. Unsicher dreht sich der Mann im Trainingsanzug um, als jemand vorbeikommt. Geknackt haben den Kaugummiautomaten andere, aber etwas peinlich ist es ihm doch, jetzt hier bunte Kugeln aus der Box zu fischen.

Allein auf dem kleinen Stück der Herrfurthstraße zwischen Weisestraße und Herrmannstraße sind alle sieben Kaugummiautomaten leer. Daran wird wohl nicht allein die Euro-Umstellung schuld sein oder ein saisonaler Leerstand. Es steht in keiner Zeitung, die Polizei meldet es nicht. Warum auch, gewöhnlich tun das pubertierende Jungs, bevor sie verlockendere Ziele entdecken und dann doch in der Zeitung landen, leider. Oder die Kurve kriegen.

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke
Fotos: Kaugummiautomaten

Was wird 2008: Brommybrücke und O2-World

Foto: Henning Onken

Foto: Henning Onken

Schön ruhig auf dem “Brommybalkon”, aber nicht mehr lange: Die Aussichtsstelle an der Kreuzberger Brommystraße soll bald wieder der im Krieg zerstörten Brücke weichen. Für den Senat ist das Projekt der markante ‘Vorbote’ eines umfassenden Umbaus – dem Projekt Media Spree, ein Zusammenschluss aus Investoren zwischen Elsen- und Jannowitzbrücke.

Ein weiterer Baustein soll im nächsten Herbst am anderen Spreeufer fertig sein – die O2-Arena am Ostbahnhof. Für Konzerte werden jetzt schon Karten verkauft. Das freut nicht alle: Viele Anwohner in Kreuzberg glauben nicht, dass es bei einer Fußgänger, Fahrrad- und Omnibusbrücke bleiben wird. Sie befürchten eine starke Zunahme des Durchgangsverkehrs im Wrangelkiez, falls die Brücke für den allgemeinen Autoverkehr geöffnet wird – die O2-World soll bis zu 17.000 Besuchern Platz bieten.

Aus Ärger über den geplanten Brückenschlag hatten Protestler der Initiative “Mediaspree vesenken” im September 2007 für kurze Zeit den alten Brückenpfeiler besetzt und ihm den Namen “Spreehawaii” gegeben. Auch die Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren “Spreeufer für alle” kommt gut voran.

Ein Vorgeschmack auf von privaten Sicherheitsdiensten kontrollierte Uferzonen bietet bereits jetzt die Anlegestelle vor der O2-World, für die eigens 30 Meter der Mauer versetzt wurden. An Silvester setzten dort in schwarz gekleidete Sicherheitsleute ein Böllerverbot durch. Warum eigentlich?

Video: Rap gegen das Projekt Media Spree
Fotostrecke: Spreeufer

Berlin brutal #5: Höllenstraße in bester Lage

Foto: Anne Grieger

Foto: Anne Grieger

“Ich wohne am Kottbusser Damm. Gegenüber von mir ist ein Puff, und daneben ist ein Kiosk”, schreibt David, Schüler der fünften Klasse, über seine Straße.

“Ich finde es gut, dass neben mir die Pizzeria ist. Und vor meiner Haustür sind gleich auch die U-Bahnstation und auch eine Busstation, das finde ich auch gut. Ich finde es blöd, dass die Drogendealer das zum Versammlungsort gemacht haben. Ich finde es auch schlecht, dass ich niemanden in meinem Haus kenne. Ich muss auch einen Kilometer zur Schule gehen. Am liebsten würde ich umziehen, weil die sich sogar im Treppenhaus Drogen einspritzen. Wenn ich meiner Straße einen Namen geben würde, würde ich sie ‘Höllenstraße’ nennen.”

Im Rahmen des Projektes Kinderstraße – Die Straße, in der ich wohne, beschreiben Kinder ihr Wohnumfeld, ihre Sozialkontakte zu Nachbarn und Freunden. Nicht nur als Soziogramm eines Bezirkes, eines Kiezes oder einer Wohnstraße ist die Webseite aufschlussreich: Auch Wohnungssuchende können sich anhand der Beschreibungen ein besseres Bild machen. Sie werden aufmerksam auf Probleme, die auf den ersten Blick weniger offenkundig sind.

Eine Wohnung in der gleichen Straße wird beim Internetdienst Immobilienscout24 als Wohnung in “bester Lage” angepriesen:

“Die Wohnung liegt in zentraler und belebter Wohnlage im begehrten Wohnbezirk Kreuzberg. Nähe U-Bhf Schönleinstraße, unweit vom Maybachufermarkt. Diverse Einkaufsmöglichkeiten, Cafés und Restaurants, sowie öffentliche Verkehrsmittel befinden sich in der unmittelbaren Umgebung und sind hervorragend zu Fuß erreichbar.”

Ortskundige müssen da einfach schmunzeln..

Im Simon-Dach-Kiez werden Kneipenräume knapp…

Hinterhof in der Simon-Dach-Straße in Berlin-Friedrichshain - Foto: Henning Onken

… aber statt die nächste Cocktail-Bar ein paar Straßen weiter zu eröffnen, stellt man in Friedrichshains beliebter Feiermeile einfach ein paar Heizpilze und Palmen auf einem Hinterhof zusammen – fertig ist der neue Südsee-Traum.

Neben Fahrrädern, Hausmüll und alten Sofas ist es sicher nicht einfach, den Berliner Winter zu vergessen. Aber eines ist sicher: Diese Cocktail-Bar sieht anders aus als alle anderen. Ein echter Geheimtipp. Respekt!

Fotostrecke: Berliner Hinterhöfe

So lässt die BVG ihre Trams verrotten

Foto: Platte C

An einer wenig befahrenen Straße am östlichen Stadtrand Berlins steht eine Straßenbahn der BVG mit dem Fahrziel Tierpark. Niemand steigt ein, es macht auch keinen Sinn, denn Schienen gibt es in der Nähe von Trappenfelde bei Hönow nicht. Ein Bauer hat sich die zugewachsene Bahn offenbar als eine Art Zaun oder Sichtbarriere vor seinen Hof gestellt. Trotzdem herrscht hier eine gespenstische Betriebsamkeit, denn die Tafel im Führerhaus zeigt mal Tierpark an, dann wieder Friedrichshagen/Wasserwerk. Auch die Liniennummern wechseln.

Berlins Tatra-Straßenbahnen verschwinden nach und nach aus dem Bestand der BVG. Erst im Oktober wurden 32 Stück an die Stettiner Stettiner Stadtwerke in Polen verkauft. Die Bahnen aus der früheren Tschecheslowakei wurden in viele Länder des ehemaligen Ostblocks exportiert. Hoffen wir, dass der Rest von Berlins Tatra-Bahnen nicht endet wie die Geister-Tram von Trappenfelde.

Foto (1): Platte C, (2) Henning Onken

Fotostrecke: Berliner Seitenblicke

Was hat drei Augen und nervt ganz Berlin?

Foto: Henning OnkenBlinky ist es nicht, Mr. Burns verstrahlter Fisch aus der TV-Serie “The Simpsons”. Aber so ähnlich: Ein dreiäugiger Frosch wirbt in ganz Berlin für Mobilfunkgeräte zum Chatten. Daran ist nichts ungewöhnlich, ganz wie Blondinen für Internet-Produkte oder Unterwäsche Modell stehen. Anscheinend hat es der Firma mit dem penetranten Frosch aber nicht gereicht, die Stadt mit Plakaten voll zu kleistern: Werbung im Graffiti-Style findet man auch an vielen Wänden, bei deren Bemalung andere wegen Sachbeschädigung angezeigt werden.

Auf der beworbenen Webseite flackert dem Besucher eine aufwändig produzierte Kampagne für besagtes Gerät entgegen. Der Link zum Impressum läuft allerdings ins Leere, verantwortlich ist anscheinend niemand. Aber die Shop-Weiterleitung zum Kauf des Geräts und Abschluss eines Vertrags funktioniert – natürlich. Das ist wohl leider wie mit Spam in E-Mails – am Ende will es keiner gewesen sein. Beispiellos ist diese Werbeform in Berlin allerdings nicht, wie im letzten Jahr die eifrig gekleisterte Borat-Kampagne zeigte. Aber mal ehrlich, was ist einem denn lieber – ein Komiker oder die Blinky-Kopie?

Fotostrecke: Berliner Streetart

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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