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Archiv für das 'Demonstration'-tag

Nie mehr Billig-Praktikant

"Kein Bock auf ne prekäre Karriere" - Foto: Anne OnkenKein Bock auf ne prekäre Karriere” stand auf Plakaten der Demonstranten der Mayday-Parade in Mitte. Haben wohl die wenigsten Studenten und die Politik sollte das ernst nehmen.  Ausgerechnet Ex-Juso-Chef Björn Böhning sucht jetzt Billigpraktikanten für den Wahlkampf. Er dürfte nicht der einzige Politiker sein.

Dass Studenten in Berlin immer wieder auf die Straße gehen und ihren Unmut Luft machen, ist ein gutes Zeichen. Berichte über prekäre Berufseinsteiger, die sich von Praktikum zu Praktikum hangeln, mussten sie seit Beginn ihres Studiums immer wieder lesen. Vielleicht haben sie ja gelernt und machen es anders als ihre älteren Geschwister der Generation Praktikum: Treten forscher auf, lassen sich von traurigen Geschichten über schwierige Berufseinstiege nicht beeindrucken.  Erzählen Björn Böhning, dass er ohne ihre Twitter-Kenntnisse gleich einpacken könnte und verlangen gleich eine Festanstellung. Einen Versuch wär’s wert.

Protest-Bilder von der Demo und dem 1. Mai in Berlin

50 Schritte vom Fluss: Wem gehört das Spreeufer?

Heute wird abgestimmt über die Zukunft des Spreeufers. Das möchte man gern glauben, weil die Chancen der Media Spree-Gegner gut sind, mit ihrer Vorlage durch zu kommen. Eine Bebauung des Ufers mit Hochhäusern wäre dann vom Tisch, auch sollte mindestens ein 50 Meter breiter Uferstreifen unbebaut bleiben und eine neue Autobrücke würde es nicht geben.

Nur ist der Bürgerentscheid nicht bindend und die angeblichen Entschädigungszahlungen an die Investoren so hoch, dass ausgerechnet die Grünen und Linken in Friedrichshain-Kreuzberg das Projekt Media Spree nicht gefährden wollen. Das Geld würde dann an anderer Stelle im Bezirkshaushalt fehlen, heißt es. Auch wurde gemunkelt, dass der Senat das Projekt an sich ziehen könnte – unter dem Verweis, dass das Thema für ganz Berlin von Interesse sei. Es sieht jedenfalls nicht so aus, als wäre mit einer gewonnenen Abstimmung die letzte Schlacht geschlagen und die Bebauungspläne gänzlich verhindert.

Wie auch immer der Bürgerentscheid ausgehen sollte, die durchaus kreative Protest-Party dürfte weiter gehen. Hier einige Bilder von der gestrigen Demonstration der Gegner.

Fotos vom Spreeufer

“Junge Menschen haben Interesse an der Revolution”

Foto: Anne Grieger

“Ja es gibt uns noch”, lacht eine junge Frau mit Nickelbrille und freut sich, eine ihrer Broschüren loszuwerden. “Zeit sich zu wehren”, lautet der Titel, Herausgeber ist die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ). Etliche linke Gruppierungen haben sich in Friedrichshain zu einem Gedenkzug für die 1919 von Freikorps ermordeten Sozialistenführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zusammengeschlossen, darunter viele Autonome.

Der Schulterschluss mit den Alt-Kadern gelingt – auch wenn diese sich die Frontkämpfer für den Sozialismus wohl gern anders vorgestellt hätten. Ob es noch “echte Arbeiter” unter den Demonstranten gibt, solche, die in den kämpferischen Liedern aus grauen Vorzeiten besungen werden? Die Rentner fallen wohl nicht mehr in diese Kategorie, auch die linken Studenten können wohl mehrheitlich allenfalls “geistige Arbeit” für sich reklamieren.

Ein Alibi-Arbeiter hat sich doch gefunden, angereist aus Duisburg, ein Auszubildender im Bergbau. Er berichtet über die Bedingungen unter Tage. Wäre er als “Kumpel” aus Schacht XY vorgestellt worden – die wenigsten Anwesenden hätten wahrscheinlich begriffen, dass sie es mit einem “Helden der Arbeit” zu tun haben.

Kampf für eine gerechtere Gesellschaftsordnung

Ein paar hundert Meter weiter werden Umfragen zitiert, die Hoffnung machen. “Die junge Generation interessiert sich für soziale Gerechtigkeit, die Gesellschaft ist zutiefst verunsichert, wie sie damit umgehen soll”, heißt es. Mehrere ungenannte – aber bürgerliche – Meinungsforschungsinstitute sollen herausgefunden haben, dass ein Großteil der Jugendlichen die bestehende Gesellschaftsordnung offenbar ungerecht findet. “Sie haben Interesse an der Revolution” – ein frommer Wunsch wohl, aber geeignet, um die Stimmung unter den Teilnehmenden weiter zu heben. “Viva la Revolución” skandieren Jüngere.

Foto: Henning Onken

Vor dem Lichtenberger Friedhof ist die Revolution zu einem Volksfest geworden – mit Schwenkbraten und Thüringer Würstchen und allem, was dazu gehört. Die früheren DDR-Bürger haben ihre roten Nelken bereits mehrheitlich auf den Gräbern von Rosa Luxenburg, Karl Liebknecht und Ernst Thälmann abgelegt – wie jedes Jahr.

Ein Novum gab es doch: Die Polizei hat die Demonstration von Anfang an gefilmt. Angeblich nicht, um potentiell militante Linke zu erfassen, sondern zu deren Schutz. “Sollten Rechtsextremisten die Veranstaltung stören, können wir den Zwischenfall hinterher besser rekonstruieren.”

Nur soviel dazu: Gestoßen hat sich daran niemand, Schäuble 2.0 war kein Thema…

Fotos: Anne Grieger (1), Henning Onken (2)

1. Mai: Die Spur der Steine

PflastersteineAn diesem schönen Tag sind wir aufs Dach geklettert und spielen Schach, als unten langsam eine “Wanne” vorbeirattert. “Früher haben die noch ihre Dachluken zugemacht, als sie durch den Kiez fuhren”, erzählt ein Freund nachdenklich. Und so zerbeult wie damals sind die neuen Mannschaftstransporter der Berliner Polizei auch nicht.

Eine Woche vor dem 1. Mai deutet wenig auf die anschwellende Wut hin, die fast jedes Jahr zusammen mit dem Frühling erwacht und – wie vor 20 Jahren – einen ganzen Stadtteil in ein Schlachtfeld aus brennenden Autos, geplünderten Geschäften und vermummten Kämpfern auf beiden Seiten verwandeln kann. Da wollen Leute leben, um etwas zu erleben, könnte man böse sagen, oder: sie wollen leben, um etwas zu verändern. Jedenfalls ist diese Art von Energie- und Ladungsaustausch zwischen Polizei und gewissen Menschenansammlungen seit dem Auftakt vor 20 Jahren auch in Friedrichshain zu einer Begleiterscheinung des “Kapuzenkarnevals” geworden. Auch im letzten Jahr flogen den Beamten wieder Steine und Flaschen um die Ohren, wenn auch weniger als an den Maydays der Vorjahre. Ein paar umgekippte Autos, eine zerstörte Bushaltestelle – die Bilanz-Pressekonferenzen des Senats wurden kürzer. ’1. Mai: Die Spur der Steine’ weiterlesen

Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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