Nie mehr Billig-Praktikant

"Kein Bock auf ne prekäre Karriere" - Foto: Anne OnkenKein Bock auf ne prekäre Karriere” stand auf Plakaten der Demonstranten der Mayday-Parade in Mitte. Haben wohl die wenigsten Studenten und die Politik sollte das ernst nehmen.  Ausgerechnet Ex-Juso-Chef Björn Böhning sucht jetzt Billigpraktikanten für den Wahlkampf. Er dürfte nicht der einzige Politiker sein.

Dass Studenten in Berlin immer wieder auf die Straße gehen und ihren Unmut Luft machen, ist ein gutes Zeichen. Berichte über prekäre Berufseinsteiger, die sich von Praktikum zu Praktikum hangeln, mussten sie seit Beginn ihres Studiums immer wieder lesen. Vielleicht haben sie ja gelernt und machen es anders als ihre älteren Geschwister der Generation Praktikum: Treten forscher auf, lassen sich von traurigen Geschichten über schwierige Berufseinstiege nicht beeindrucken.  Erzählen Björn Böhning, dass er ohne ihre Twitter-Kenntnisse gleich einpacken könnte und verlangen gleich eine Festanstellung. Einen Versuch wär’s wert.

Protest-Bilder von der Demo und dem 1. Mai in Berlin

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5 Antworten to “Nie mehr Billig-Praktikant”



  • Eine so undifferenzierte Darstellung hilft uns Studenten an der Stelle auch nicht weiter. Herr Böhning schließlich hält sich wenigstens an DGB-Richtlinien und verweißt immer wieder darauf, Praktika studienbegleitend einzusetzen. Ein Praktikumsplatz für einen Berufseinsteiger wird es bei ihm gar nicht geben. Wenn schon diese Problematik auf den Tisch gebracht wird, dann doch bitte mit Beispielen, die wirklich ausbeuten. Und davon gibt es wahrlich genug. Die Grünen Fraktion Beispielsweise bietet Praktika gänzlich ohne Vergütung an.


  • Wenn ein Bewerber auf einen Praktikumsplatz sich Ihrer Tipps annehmen sollte wird er wohl keinen bekommen.

    Das kommt arrogant und besserwisserisch rüber und im allgemeinen wollen und sollen Praktikanten ja was lernen und wer schon im Bewerbungsgespräch glaubt er kann was (schon alles) der diskutiert nachher nur noch rum und weiß alles besser. Das ist dann keine Basis.

    Bis zum 30. Lebensjahr nur Praktikas gemacht zu haben ist sicher eine sehr blöde Situation aber so wie Sie es oben beschreiben gehts erst recht schief.

  • 3 Elisabeth Rönisch


    Wer Arbeitskraft zu verschenken hat: Bitteschön! Aber: Wer glaubt, ein Praktikum gebe ihm Einblick in seine zukünftige Karriere, der wir in den meisten Fällen bitter enttäuscht. Im besten Fall darf er an einem Projekt arbeiten, dessen Ergebnis der Firma Millionen an Einsparungen bringt - weil seine Vergütung einen Bruchteil dessen entspricht, was eine professionelle Agentur berechnet hätte. Im schlimmsten Fall darf er sich um die Arbeit kümmern, die niemand gerne erledigt, Ablage zum Beispiel oder ähnliches. Einem Job kommt er dadurch sicher nicht näher. Im Gegenteil: solche Leute lassen sich leichter über den Tisch ziehen, wenn sie den Wert ihrer Arbeit nicht einschätzen können.

    Im Ausland gibt es inzwischen NGOs, meist Kinderhilfsorganisationen (ein profitables Business in Indien, Thailand und auf den Philippinen, besonders auf dem Kinderprostitutionsbekämpfungsmarkt) die sich auf das “Praktikums-Business” spezialisiert haben. Da werden z.B. naive deutsche Studentinnen aufgefordert, tausende von Euro zu überweisen, damit man sie überhaupt nimmt. Wenn sie dann in Indien ankommen, sind sie im Grunde auf sich allein gestellt und müssen sich eine Arbeit suchen. Oder sie werden für Handlangerdienste mißbraucht. Einen intensiven Einblick in ihre Arbeit zu vermitteln - daran sind solche Organisationen naturgemäß nicht interessiert.


  • Ihr geht alle so “hoch hinaus” …

    Es ist mittlerweile in vielen Handwerksbetrieben total normal,
    dass die meisten Arbeiten von Praktikanten erledigt werden!

    Diese ersetzen die Lehrlinge (Azubis) und oft auch für die einfacheren Arbeiten die Fachkräfte.

    Muss da noch was ergänzt werden ??


  • Noch so ein Fall von Praktikantenausbeute: Der Berliner Senat.

    http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/praktikum-beim-senat-ist-wertlos/

    Leider werden auch Absolventen als Honorarkräfte bei Ministerien ausgebeutet. Beim Auswärtigen Amt zum Beispiel werden Assistenten mit drei-Monats-Verträgen abgespeist und kriegen für 40-Stunden-Wochen gerade mal 1000 Euro. Aber das würde natürlich niemand in die Kamera sagen.

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