In Kreuzberg und Friedrichshain stolpert man in diesen Tagen unweigerlich über Plakate zu einer Demonstration gegen die Eröffnung der 02-Arena. “Wir sind alle eingeladen”, steht da in roten Lettern, was wohl nicht so ganz stimmt, denn die Organisatoren der Demo haben keine Genehmigung erhalten direkt vor der Halle zu protestieren.
Wo demonstriert wird, scheint aber egal zu sein. Die geladenen Gäste dürften von der breiten Ablehnung des neuen Veranstaltungsortes erfahren haben, das mediale Interesse für die Proteste ist groß. Aber was ist eigentlich mit den Party-Hoppern und mit Leuten, die sich kein Konzert großer Bands entgehen lassen? Selbst wenn ihnen die O2-Arena die Sicht auf die Spree versperren sollte, werden sie sich wohl eher über den neuen Veranstaltungsort freuen. Noch mehr Party in Friedrichshain – hej jey.
Die Skeptiker werden also einige Überzeugungsarbeit leisten müssen, um einen größeren Boykott der privaten, gewerblichen, aus Steuergeldern mitfinanzierten Halle anzustoßen. Auch wenn die Friedrichshainer mit Blick auf die weiteren Media-Spree-Pläne Enthaltsamkeit üben würden und auf einen Besuch von Veranstaltungen in der O2-Arena verzichteten: Die Bewohner anderer Bezirke sind innerhalb weniger Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln da. Dass sich viele Menschen in Charlottenburg oder Lichtenberg über die städtebaulichen Folgen von Media Spree den Kopf zerbrechen, ist zu bezweifeln. Tokio Hotel oder der Dalai Lama sind für viele aufregender als die Entwicklung in Friedrichshain-Kreuzberg.
















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