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Protest gegen die O2-Arena: Kampf gegen Windmühlen?

In Kreuzberg und Friedrichshain stolpert man in diesen Tagen unweigerlich über Plakate zu einer Demonstration gegen die Eröffnung der 02-Arena. “Wir sind alle eingeladen”, steht da in roten Lettern, was wohl nicht so ganz stimmt, denn die Organisatoren der Demo haben keine Genehmigung erhalten direkt vor der Halle zu protestieren.

Wo demonstriert wird, scheint aber egal zu sein. Die geladenen Gäste dürften von der breiten Ablehnung des neuen Veranstaltungsortes erfahren haben, das mediale Interesse für die Proteste ist groß. Aber was ist eigentlich mit den Party-Hoppern und mit Leuten, die sich kein Konzert großer Bands entgehen lassen? Selbst wenn ihnen die O2-Arena die Sicht auf die Spree versperren sollte, werden sie sich wohl eher über den neuen Veranstaltungsort freuen. Noch mehr Party in Friedrichshain – hej jey.

Die Skeptiker werden also einige Überzeugungsarbeit leisten müssen, um einen größeren Boykott der privaten, gewerblichen, aus Steuergeldern mitfinanzierten Halle anzustoßen. Auch wenn die Friedrichshainer mit Blick auf die weiteren Media-Spree-Pläne Enthaltsamkeit üben würden und auf einen Besuch von Veranstaltungen in der O2-Arena verzichteten: Die Bewohner anderer Bezirke sind innerhalb weniger Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln da. Dass sich viele Menschen in Charlottenburg oder Lichtenberg über die städtebaulichen Folgen von Media Spree den Kopf zerbrechen, ist zu bezweifeln. Tokio Hotel oder der Dalai Lama sind für viele aufregender als die Entwicklung in Friedrichshain-Kreuzberg.

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15 Kommentare zu “Protest gegen die O2-Arena: Kampf gegen Windmühlen?”



  • Ist ja nett gemeint aber ich würde mal denken eine Eröffnung ist für eine Ich-bin-gegen-das-Haus-Demo etwas spät.

    So etwas muss doch früher stattfinden. Was erwarten diese Leute?
    Das der Bauherr jetzt alles wieder abreißt weil ein paar “versprengte” Autonome dies fordern?


  • und täglich grüßt das Murmeltier.

    Schaut doch mal in die Pressearchive Kölner Regionalmedien als es um den Bau der Kölnarena ging. Was wurde nicht alles prognostiziert für die Anlieger: Parkplatznot, Menschenhorden die durch Vorgärten trampeln, Lärm, etc.
    Passiert ist nichts, weder Mieterflucht in Deutz noch Klagen wegen der Lärmentwicklung und schon gar keine Parkplatzproblematik.

    -

    Den Hinweis auf die verwendeten Steuergelder in Verbindung mit dem Hinweis auf einen möglichen Boykott finde ich sehr befremdlich. Berlin hat jahrelang im Wettstreit um Auftritte bekannter Künstler den Kürzeren gezogen, weil das Olympiastadion zu groß, die Arena und die MS-Halle zu klein waren. Kulturelle Förderung ist Aufgabe der Landesregierung und wenn diese Geld in eine 17.000 Zuschauer Arena steckt, dann mag das zwar nicht jedem gefallen, legitim ist es trotzdem.

    -

    Manchmal entsteht in den Artikeln der Eindruck Friedrichshain-Kreuzberg gehöre einer bestimmten Gruppe Menschen, welche sich diesen Status durch längere Wohnortzugehörigkeit “ersessen” hat. Ist ein heute zugezogener Schwabe im Friedrichshain im öffentlichen Diskurs weniger wert als ein seit zehn Jahren dort lebender Geburtsberliner? Wie demokratisch ist das denn?


  • @ Carl

    Wenn Sie den Eindruck haben Friedrichshain gehöre einer bestimmten Gruppe von Menschen, dann haben sie den richtigen Eindruck.
    Es gehört denen die da wohnen und nicht etwa Investoren, auch nicht den Politikern und erst recht nicht den eben zugezogenen. Letztere sollten sich auch mal VOR ihrem Umzug überlegen warum sie in eine bestimmte Gegend ziehen möchten.

    Und zum Thema Demokratie möchte ich lieber garnichts sagen .


  • @Susanne StoHelit

    Ich stimme Ihnen vorbehaltlos zu.

    Allerdings müssen Sie zugeben das diese Demo bei einer Eröffnung des Hauses eher wenig Sinn macht. Oder?

    Auf der anderen Seite ist ein freier Zugang ohne Gegenleistungen des “MediaSpree” Bereiches eigentlich fast nur (!) im Bereich der O2 World möglich.
    Viele anderen Bereiche sind durch Strandbars, Diskotheken… verbaut, die Eintritt oder Einkäufe als Gegenleistung Ihrer Anwesenheit dort erwarten.

    Insofern ist es schon ein Fortschritt zum jetzigen Zustand wenn z.B. 10m freier Zugang (Spazierweg o.ä.) durch diesen Bereich führen würden wie der Bezirk es anstrebt.


  • @Susanne [und den vorbehaltlosen Zustimmer Peter]

    Sie negieren mit ihrer Argumentation nicht nur Art. 2 des Grundgesetzes, sondern bedienen sich auch eines Argumentes, wie es reaktionärer nicht sein könnte. Auf welcher Grundlage sollte denn ein Recht existieren, welches “eben zugezogenen” weniger Anteil an Werten der Allgemeinheit zuteilt als den von ihnen genannten Personen? Das klingt schwer nach Segregation.

    Ohne die Moralkeule schwingen zu wollen, aber die Idee des “wir wohnen länger hier, uns gehört das Land” ruft wohl nur bei den Naiven und den Geschichtsblinden _keine_ schlechten Erinnerungen hervor.

    Solange dieses Land und diese Stadt den Bürgern die freie Wahl des Wohnortes garantiert, bleibt Ihre Aussage eine Privatmeinung und ich denke damit ist dem bonum commune mehr gedient als umgekehrt.

    C


  • Mittlerweile langweilt diese Diskusion sogar mich als ausgesprochenem Hallengegner. Die Berliner Medien sind ausreichend bedient worden mit ganzseitigen Anzeigen. Die Politiker sonnen sich im Glanz der Gigantomanie und die Berliner rennen hin zum gucken, bezahlt haben sie ja dafür, wahrscheinlich mehr als Anschütz. Die Eintrittspreise für die Konzerte von Grönemeier bis – man staunt ob der politischen Ignoranz – die der Toten Hosen werden nicht billiger. Nun müßen wir aufpassen, dass nicht noch mehr Brachialarchitektur in die Gegend gebaut wird. Dazu braucht es jedoch mehr als Traufhöhenbeschränkung und Abstandsdiskusionen. Nicht nur die Stadt der Zukunft wird an der Spree begraben, wenn Anschütz und Konsorten so weiter mit Beton um sich werfen dürfen. In Masdat Abu Dhabi gibt es offenbar verantwortungsvollere Investoren als in Berlin, dort hat man verstanden, dass nur eine Plusenergiestadt mit eine Chance für die Zukunft ist.


  • @Peter: natürlich erwarten die Gegner nicht, dass man O2-World abreisst (denke ich jedenfalls nicht), auch wenn sie es bei der Demo so gesagt haben. Aber andere Gebäude sind geplannt, wofür es längst noch nicht zu spät ist. Die Demo wurde nicht bei O2-World-Gegner sondern Mediaspree-Gegner organisiert. O2-World ist nur ein Teil davon. Übrigens existiert die “Mediaspree versenken” Initiativ seit schon 2 Jahre.

    @Carl: Ich bin mit Dir ganz einverstanden: die Zugezogene haben auch das Recht, ihre Meinung auszudrücken (ich wohne selbst seit erst kurzen Zeit dort, früher habe ich im Bergmannkiez gewohnt, und noch früher in Frankreich), aber die Friedrichshainer (egal ob altgesessene oder neuzugezogene) haben das Recht zu wählen, welche Entwicklung sie sich für ihr Bezirk wünschen, wa?


  • Detlef Kornett, Europa-Chef der Anschutz Gruppe „Ich lade alle ein, mit uns zu feiern und sich selbst ein Bild von unserer Halle und ihren Angeboten zu machen.“

    Ich war gestern am Abend der Eröffnung direkt vor der Halle. Eine Polizeikette mit Hunden hat das Gelände sorgfältig angesperrt, um 1000 gewählte Personen abzuschirmen. So viel dazu, für wen diese Halle gebaut wurde. Eintrittskarten können sich die Durschnitts-F-hainer eh nicht leisten, schon gar nicht als Familie. Die Menschen, die da waren, ob Neugierige oder Anwohner, konnte man durchzählen und persönlich begrüßen. Ein wahres Trauerspiel, was man da zu sehen bekam. Und dabei wurde noch angekündigt, dass es vor der Halle eine Art Volksfest geben sollte. Und um sich ein bißchen sozialer zu geben, wurden 150 Langzeitarbeitslose aus F-Hain und X-berg zum Saubermachen, Bedienen und Bewachen eingestellt. Es spielt für mich nicht wirklich eine Rolle, wie das Projekt finaziert wurde, nur die Art und Weise des Gesamtauftrittes dieser Marke in dieser Gegend Berlins könnte nicht widersprüchlicher sein. Es gibt nur einen Weg des Protests nach dem Bau der Halle: Konsumverweigerung, O2-Boykott, Hallenverbot für Anwohner. Und nicht vergessen, wen die Anschutz-Gruppe unterstützt; reaktionäre Politiker und schwulenfeindliche Sekten in den USA.


  • “Dass sich viele Menschen in Charlottenburg oder Lichtenberg über die städtebaulichen Folgen von Media Spree den Kopf zerbrechen, ist zu bezweifeln. Tokio Hotel oder der Dalai Lama sind für viele aufregender als die Entwicklung in Friedrichshain-Kreuzberg.”

    Sehr geehrte Anne Grieger,
    Diese Unterstellung bewerte ich einmal als eine Behauptung, die Sie scheinbar mit dieser Stadt als Erfahrung gemacht haben und diese hier auch schon mehrfach öffentlich bezüglich Ihrer Stellung machten.

    Den Berlinern ist das Ossi/Wessi “Gefälle” hinlänglich bekannt.
    Die neue Art von Differenzierung die hier seit einiger Zeit “gepflegt” wird, dass die Zugereisten die West-Berliner als spießig halten, immer noch gerne den Mief der alten CDU atmen.
    Sie sind es, die hier (vielleicht auch nur indirekt) mit diesen Sätzen eine neue Mauer aufbauen in den Köpfen.

    Den Bezirk Lichtenberg scheinen Sie ja ebenso schon für eine andere Stadt zu halten.
    Ich wohne in einem spießigen (West)Berliner Bezirk, erlaube mir aber trotzdem, das was dort gerade alles am Spreeufer passiert kritisch zu beäugen.

    Schon der Name O-tu Arena(ich mache hier keine Werbung für einen Konzern, indem ich dieses Wort auch noch schreibe) stößt bei mir auf wenig Assoziation.

    Wie man lesen kann, ist diese bombastische Ei nachts taghell angestrahlt. Die Anwohner gehen damit schlafen und wachen damit morgens auf? Ich stelle mir das fürchterlich vor.
    Abgesehen von der ganzen Energieverschwendung und was man dem kleinen Bürger alles vorkaut, damit er seine teure Stromrechnung bezahlen kann. Mit dieser nächtlichen Dauerstrom Verschwendung wird es ad absurdum geführt.
    Merkwürdig finde ich allerdings, warum man dann die Proteste erst zur Eröffnung machte.
    Abreißen wird das Ding in den nächsten 30Jahren keiner.


  • @ Carl

    Ja ich bin reaktionär.

    Und ich bin der Meinung alle sollten den gleichen “Teil an den Werten der Allgemeinheit” zugeteilt bekommen.

    Wenn aber Artikel 2 des Grundgesetzes besagt das die “eben Zugezogenen” mich und andere “schon immer hier wohnende” mit Gesetzen , Verordnungen , Parkzonen und hässlichen Neu/Bürobauten zu einem noch nie dagewesenen , dienstleistenden , gesunden und urbanen Weltbürger umformen wollen dann sch*** ich drauf. Ich glaube sogar mein Recht , mein Leben genau hier so weiterzuführen wie ich das will zählt mehr als das Recht eines “Zugezogenen”. Es soll ja Leute gegeben haben , die nach Friedrichshain gezogen sind weil ihnen die Soziale und Kulturelle Mischung gefallen hat. Oder das Aussehen des Viertels oder die Freiheiten oder oder oder, auch schön, können alle herkommen und mitmachen. Wenn man aber herzieht und alles ändern will weil man es “nicht gut” findet sollte man sich fragen ob man bei der Umzugsplanung nicht was falsch gemacht hat.
    Jedenfalls haben diejenigen die die Sozialisation von Friedrichshain gut finden beschlossen für ihr Biotop zu “kämpfen” und nicht stillschweigend einen Wandel hinzunehmen der dem Bruttosozialprodukt dem “Investor” oder dem Politiker gefällt.


  • @F-hainer

    Herr Kornett meinte sicherlich- Kauft euch eine Eintrittskarte und schaut euch dann die Halle an.

    Der muss ja die Kosten wieder rein bekommen.


  • @Susanne StoHelit und andere:
    Ganz Ihrer Meinung. Das recht auf politische Partizipation steht nur dem echten Friedrichshainer zu. Friedrichshainer ist, wer Friedrichshainer Blutes ist, ggfs. bis ins 15. Jahrhundert zurück zu belegen durch Abstammungsurkunden. Alle anderen müssen sich eben unterordnen oder zurück in den Westen, das Schwabenländle oder gleich zur Hölle fahren. Anzudenken wäre auch ein antiimperialistischer Schutzwall.

    Nichs gegen unterschiedliche Meinungen, und das Gefühl, von der Politik nicht ernst genommen zu werden, kenne ich auch. Aber einem großen Teil der Menschen hier pauschal das Recht auf Mitsprache verweigern zu wollen, finde ich stark!


  • @ Susanne StoHelit

    <>

    Und auf welcher argumentativen Grundlage maßen sie sich dieses Recht an? Was befähigt sie in diesen Status erhoben worden zu sein?
    -
    Wären Berlins Bewohner seit eh und je mit dieser Einstellung ‘gesegnet’, es gälte wohl immer noch als Teil von des Reiches Sandbüchse. Berlin hat immer von qualitativer Zuwanderung profitiert, von den Hugenotten bis heute.
    -
    Stadtentwicklung verläuft zyklisch, überall. In Berlin wegen der Wende schneller als andernorts. Wo sonst wurde plötzlich eine so große Menge neuen Wohnraums in Innenstadtlagen verfügbar? Zumal es sich hier mittlerweile auch noch um die Hauptstadt handelt. Wer also einen status quo in seinem kreativen Umfeld wahren möchte, müsste sich den Gegebenheiten anpassen und mit ihr ziehen: Prenzlauer Berg -> Friedrichshain -> Neukölln -> Wedding? Moabit?, denn aufhalten lässt sich diese Entwicklung nicht, zumindest nicht in einem demokratischen Land.
    Die Idee, das Friedrichshain von 2004-2006 zu konservieren ist jedenfalls eine Illusion.


  • Nichts für ungut…aber so einigen Alt eingesessenen Friedrichshainern unterstelle ich mal, dass diese Ihre rote Jacke flugs gegen eine Regio-braune getauscht haben.
    Ich bin übrigens zugezogen. Und finde FH toll. Des Kiezes wegen.
    Und der Menschen wegen.

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