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Rebellion gegen Berlins Bionade-Biedermeier

An jeder Ecke Berlins tut sich bei näherem Hinsehen irgendein sozialer Konflikt auf. Meistens unter der Oberfläche, hin und wieder auch offen – aber zumindest wirft kaum jemand “Mollis und Steine” oder errichtet Barrikaden. Besonders in Friedrichshain lässt sich heute eine mildere Form des Straßenkampfes beobachten: Mit Farbe gefüllte Glühbirnen, Christbaumkugeln oder Wasserbomben werden über Nacht an frisch renovierte Fassaden geworfen und hinterlassen bunt gescheckte Wände.

Anwohner kennen dieses Bild und gehen desinteressiert weiter, doch Bewohner aus den Westbezirken und Berlin-Besucher bleiben erstaunt stehen. Was geht hier vor, wer wirft diese Farbbomben? Ich habe oft entgegnet, das sei als eine Art Angriff auf Schönheit zu werten. Es heißt soviel wie: “Wir haben keinen Bock auf Eure Französischen Fenster, Eure Parkettböden, Eure einfarbigen Oberflächen. Stuck ist Schnickschnack und treibt die Mieten in die Höhe.” So erhält jedes frisch sanierte Haus im Kiez eine Art “Willkommensgruß”.

Studenten nicken auf diese Antwort meistens abgeklärt, doch ein Pärchen auf Wohnungssuche reagierte neulich sehr reserviert. In ein solches Umfeld wollten sie nicht ziehen, das war klar. Ich möchte allerdings nicht unerwähnt lassen, dass es auch andere Erklärungen gibt: Einem Berliner Immobilien-Makler zufolge zielen die Farbeier-Werfer nicht auf Wände, sondern auf die Fenster jener Mieter, die wegen Lärmbelästigung die Polizei alarmieren.

Übrigens sind auch Politiker nicht vor solchen Angriffen gefeit: Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky wurde vor kurzem Opfer eines “Kommandos Otto Suhr”. Er sah sich gezwungen,  bis um vier Uhr morgens Farbe von den Wänden seines Privathauses abzuwaschen.

Fotostrecke: Fassaden der Hauptstadt

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20 Kommentare zu “Rebellion gegen Berlins Bionade-Biedermeier”



  • Ich schlage ein Berliner Wort des Jahres 2008 vor: Gentrifizierung. Kein neues Phänomen aber scheinbar das Reizthema in diesem Jahr. Wir haben inzwischen begriffen, worum es geht, gähn.


  • und wie das langweilt…don`t cry,work!


  • ist doch gut, wenn leute für themen sensibilisiert werden, die nicht ganz mainstreamig sind. wie oft berichten berliner medien denn über tierbabys im zoo oder andere belanglose dinge?
    dass es ausgerechnet in neuköllns law-and-order freak buschkowsky trifft, verwundert mich gar nicht. wobei das in neukölln schon seltenheitswert haben könnte – gibt es sonst noch beispiele für farbbeutel-attacken dort? kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dort jemals solche fassaden gesehen zu haben.


  • Leider bewegen sich in den sog. In-Bezirken im Innenring der Stadt einige Personenkreise (vorrangig linke autonome Gruppen mit oft arbeitslosen oder arbeitsunwilligen Mitgliedern) die glauben das diese Bezirke und Ihre Bewohner immer Arm bleiben müssen.
    So wie Sie selbst.

    Farbanschläge, Reifen zerstechen, “Bonzen” Autos anzünden…- Beispiele gibt es viele.

    Das sieht man auch am Theater um die Bebauung der Mediaspree oder der O2 World.

    Das es die Mieter der “schönen modernisierten Wohnungen” es auch nicht leichter haben als alle anderen in dieser Stadt und auch ein Recht auf Nachtruhe wird wohl niemand ernsthaft anzweifeln.

    Allerdings haben die Mieter Arbeit vielleicht ist das der Unterschied und Anlass für den Neid.


  • irgendwie merkt man das der autor aus der gegend um die liebigstrasse/rigaer strasse kommt, denn genau hier spielen sich viele seiner blog einträge ab. was jetzt nicht als wertung verstanden sein soll.


  • @Peter

    Recht auf Nachruhe – das klingt etwas weltfremd. Wer in Berlin ins Vorderhaus zieht sollte wissen, worauf er sich einlässt. Auch in “besseren” Kiezen dürfte zur Straße raus nicht gerade ruhig sein.


  • @schtieF: da liegst du richtig – ich lebe gern an dieser ecke, von der es viel zu erzählen gibt. trotzdem soll fensterzumhof kein reines f-hain blog sein: das berlin jenseits dieser paar blocks ist viel zu interessant. ich muss allerdings zugeben, dass es ist nicht immer einfach ist, sich nach hellersdorf aufzuraffen…


  • @Andrea

    Ich bezog mich auf den Hinweis im Text des Artikels das jemand Farbe an Fenster oder Wand wirft weil diese Mieter eine Lärmbelästigung anzeigen.

    Wie das Thema “Lärmbelästigung” in Großstädten zu bewerten ist bzw. wieviel Lärm Mieter ertragen müssen, muss im Zweifelfall ein Gericht klären.
    So wie in den kleinen Nebenstraßen der Warschauer Str. wo dies ja bereits mehrfach geschah.
    Das kann ich hier nicht beurteilen.


  • Die Farbbomben sind ja nun wirklich nicht neu, in Kreuzberg gab es das schon in den 80ern


  • off-topic: wunderschönes photo!


  • Was, wenn die pösen Besserverdiener lediglich eine Wohnung gesucht und sich um Stuck und renovierte Fassaden nicht viel gekümmert haben?

    Scheint, als ob die Diskussion über zeitgemäße Stadtplanung gegenüber brennenden Auto und “Yuppies Raus”-Demos stark ins Hintertreffen gerät. Dabei liegt es eigentlich an der (Stadt)politik, voranschreitenden Homogenisierungen von Kiezen etwa durch sozialen Wohnbau einzuschränken.


  • Ich frag mich wirklich was diese Verherrlichung hier soll.
    Oh nein, die Stadt verändert sich, hilfe, Berlin is ja so klein, so teuer, dass für kreative Leute in ein paar Monaten, ja Wochen kein Platz mehr sein wird, wenn das so weiter geht…
    Klar ist es schade, dass nun auch in Berlin die soziale Schere weiter auseinanderklafft, aber solche Aktion sind einfach nur dumm, aber wenn die Leute ihren Spaß dabei haben…
    Weiterhin frage mich ich, wen das hier alles interessieren soll. Aber vielleicht bringt das ein paar geläuterte Rebellen zum Schmunzeln, schön.


  • lieber herr onken,an diesem haus ist nur die fassade gestrichen worden,sonst nichts.ausserdem ist dort auch tom aus dem 3. stock gesprungen.ob er das wegen der neuen farbe oder der ständig kreischenden italienischen lesben aus dem xb getan hat?
    schreiben sie doch mal,das man das haus daneben aufwendig (lofts!)saniert.das ehem.königl standesamt ist verkauft und wird auch umgebaut (wohnungen!).und als zugabe wird die rigaer ab 2009 zwischen bersarinplatz und proskauer auch noch inkl. gehwege neu asphaltiert!
    ich werde jedenfalls dann meinen latte dort trinken können,ob mit kreischenden lesben/kinderpunx aus bielefeld oder nicht,is mir scheißegal.ich bleibe auch!


  • gentrification-*gähn*….keiner, weiß, was es ist, wo es herkommt und wie es geschrieben wird.
    freiräume-*schnarch*….die würde ich auch gern mal wieder haben!
    neues motto für 2009:
    Rigaer against parkett, französische fenter, einfarbige wände, weiße briefkästen undundundund ääähhmmm…..schnickschnack!
    Es wird Zeit, dass hier was passiert, denn das, was man hier täglich sieht, Rigaer/ Ecke Liebig ist planlos, langweilig, laut und nervt.
    Das ist nicht “politik machen” und auch nich sowas in der art, auch nicht im entferntesten…. das ist kinderkram und kalter kaffee!
    Rigaer against schnickschnack und freiräume und muttis mit kindern und hundekacke und rewe!
    Oh mein gott, man kann echt gegen alles sein, wenn man will.
    Ich bleibe vorerst auch! Denn ich habe Hoffnung!


  • naja, üblicherweise bekommen nur Häuser vom Beulker so schöne Farbkleckse.

    http://www.friedrichshain-magazin.de/archiv/fh-2-04/text04.html

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Neue Kommentare

  • Thomas Feirer: echt coole Bilder …
  • Anonymous: achso hier meine email adresse zero88-denis@web.de
  • Anonymous: echt bei dir geht das noch? zu silvester wollen paar leute und ich schön gemütlich auf ein dach feiern ist...
  • Aileen: Ich hab mal ne frage: wo genau ist der Markt und hat der auch sonntags auf? lg
  • Ilse Fuehrhoff: Es gibt in Berlin tatsächlich noch sehr viele, eigentlich ungeahnt viele Hausfassaden oder auch...

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